Serie Traditionsgeschäfte

In Hombergs altem Kino ist heute ein Chinaimbiss

Hermann Eimer vom Homberger Werbering mit einem alten Einwohneradressbuch. „Köstlich, was man da so alles liest.“

Foto: Ulla Michels

Hermann Eimer vom Homberger Werbering mit einem alten Einwohneradressbuch. „Köstlich, was man da so alles liest.“ Foto: Ulla Michels

Duisburg-Homberg.   Früher gab es in Homberg ein reiches Angebot vom Fischhändler über den Schneider bis zum Herrenausstatter. Heute hat sich das Viertel verändert.

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Hermann Eimer ist in Homberg aufgewachsen. Heute lebt der 68-Jährige in dem Haus an der Augustastraße, das seine Eltern nach dem 2. Weltkrieg gekauft haben und in dem er geboren wurde. Darin führt seine Frau „Ellen’s Lädchen“, ein Geschäft für Damenmode und Accessoires. Eimer lebt gerne in Alt-Homberg und engagiert sich ebenso gerne seit gut 15 Jahren im Werbering für den lokalen Einzelhandel.

„Früher hat man in Homberg alles einkaufen können“, erinnert sich Eimer, „da musste niemand nach Duisburg oder Moers fahren.“ Doch diese Zeiten seien längst vorbei. Der Homberger, der aus einer Händlerfamilie stammt, bedauert das sehr, und begibt sich auf einen kleinen Rundgang um den Block. Dabei blickt er zurück auf früher. Ein altes Einwohneradressbuch des Kreises Moers von 1952 dient ihm als Erinnerungsstütze und seine Augen funkeln, als er es durchblättert. „Köstlich, was man da so alles liest.“

Erinnerung an Schneider Langohr

Damals gab es noch Möbelgeschäfte, viele Metzger, sogar einen kleinen Fischhändler. Eimer kennt noch die Metzgerei Hörnemann an der Moerser Straße, wo heute ein orientalischer Supermarkt ist. Die Waren kamen aus einer eigenen Fleischfabrik in den Haesen. Zudem gab es im Viertel einen Metzger, der es sogar in einen Kinderreim schaffte: „Hinter Hermann Hentgens Haus, hängen hundert Hemden raus.“ Inzwischen verkauft die Familie Berns in dem Gebäude ihre Wurst.

Wer den Stadtteil nur seit wenigen Jahren kenne, könne sich nicht vorstellen, welche Waren alle angeboten wurden, darunter feines Porzellan und edler Schmuck, Klaviere, Taschen und vor allem Mode. Hermann Eimer denkt zurück an das Schuhhaus Enk, den Herrenausstatter Fromming, ebenso an den Schneidermeister Langohr. „Wir hatten hier einige Hutgeschäfte und einen tollen Laden für Knöpfe.“ Besonders sei auch Nünninghoff gewesen, wo man auf zwei Etagen Bekleidung und Heimtextilien bekam. Der Firmenname steht noch immer an der schönen, alten Fassade. Jetzt beherbergt das Haus den Kostümverleih Kunterbunt, steht aber größtenteils leer.

Auch das Nachbargebäude von 1905, das Kultur- und Freizeitzentrum, bezeugt eine bessere Vergangenheit. Dass darin ein Heimatmuseum ist, freut den Einzelhändler, dagegen findet er es schade, dass die Gaststätte leersteht und die übrigen Räume kaum mehr von Vereinen genutzt werden. „Es ist eine Schande, als kultureller Treff wäre das KFZ sehr schön.“ Die Stadt habe die Räume für die Volkshochschule gemietet, nutze sie aber nicht.

Ohnehin könne der Stadtteil mehr Kultur gebrauchen. Zumal früher das Kino Elektra viel Freude bereitet habe, jetzt ist es ein China-Imbiss. Publikumsmagnete waren ebenfalls mehrere Discos. Gerade der Club 1900 am Bismarckplatz – zwischen dem heutigen Nagelstudio und einer Reinigung – bedeutete dem 68-Jährigen viel. „Da habe ich als junger Mann sehr viel Zeit verbracht und auch meine Frau kennengelernt.“ So gut sei der Ruf des Clubs sogar gewesen, dass darin in den 1970ern für die Rheinschiffer-Fernsehserie MS Franziska gedreht wurde. Diese Aufmerksamkeit habe die „Nachtbar mit hübschen Damen“ an der Augustastraße nie bekommen.

Obschon das Angebot früher viel besser war – bis 1975 war Homberg schließlich noch eine eigene Stadt – gibt Eimer seine Heimat nicht auf. Zwar findet er die vielen Leerstände und auch verfallende Fassaden furchtbar. „Es ist hier aber eigentlich sehr schön.“ Und Läden gibt es noch viele, sogar Traditionsgeschäfte mit über hundertjähriger Geschichte wie den Buchhandel Meister Druck, Zweirad Tasche oder Optik Heger. Außerdem gibt es jüngere Erfolgsgeschichten, etwa den Irish Pub Dexter Island.

„Homberg ist lebendig“, resümiert er seinen Rundgang. Das belege zum Beispiel der noch junge Hollandmarkt, der die Menschen ebenso wie das Brunnenfest animiere, den Ortskern und seine Geschäfte kennenzulernen. Doch ohne die Mithilfe aller könne der Stadtteil nicht attraktiv bleiben, geschweige denn wieder attraktiver werden. Daher ruft Hermann Eimer alle Homberger, alle Händler, Vermieter und die Politik auf, gemeinsam an einer besseren Zukunft zu arbeiten. Er ist sicher: „Homberg hätte das verdient.“

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