Krankenhauskeime

Katrin ist nach mehreren Amputationen zurück in Rumeln

Katrin van gen Hassen auf der Treppe in der Wohnung. Die  Stufen und auch die schmale Badezimmertür sind für sie nahezu unüberwindbar.

Katrin van gen Hassen auf der Treppe in der Wohnung. Die Stufen und auch die schmale Badezimmertür sind für sie nahezu unüberwindbar.

Foto: Volker Herold / FUNKE Foto Services

Rumeln-Kaldenhausen.  Katrin van gen Hassend aus Duisburg kämpft sich nach einer schweren Blutvergiftung wieder in ihr Leben.

Seit gut drei Wochen ist Katrin van gen Hassend wieder zu Hause. Zurück nach monatelanger Reha, zurück nach einer anderthalbjährigen Tour durch mehrere Krankenhäuser. Die 28-Jährige hat sich zurück ins Leben gekämpft, nach einer schweren Blutvergiftung, hervorgerufen durch einen sogenannten Krankenhauskeim. Jetzt sitzt sie in einer Rumelner Wohnung und erzählt.

„Heute Morgen war ich bei einem Prothesenbauer, der eine Handprothese fertigt. Ich habe einige solcher Termine, bald soll eine weitere Reha starten.“ Der Weg zurück in eine Art Alltag ist anstrengend. Sie kann sich bereits ganz gut durch die Wohnung bewegen. Wer sie dabei beobachtet oder sich ein Video anschaut, das bereits drei Monate alt ist, glaubt kaum, dass Katrin van gen Hassend auf zwei Beinprothesen läuft. Folge der Blutvergiftung im vergangenen Jahr waren massive Durchblutungsstörungen, Ärzte amputierten ihr beide Füße, sowie die rechte Hand und auch Teile der linken Hand.

Sie hat einen neuen Partner kennengelernt

Das Leben der jungen Frau spielt sich zurzeit bei Ärzten, bei Spezialisten für den Bau von Prothesen und in der Rumelner Wohnung ab. Die gehört ihrem ehemaligen Freund Patrik Brack, Katrin van gen Hassend ist auf Wohnungssuche. Die beiden sind nicht mehr zusammen, Katrin hat während der Reha in Bonn jemand anderen kennengelernt. Mehr dazu möchten beide nicht sagen, nur soviel: „Ich werde auch weiterhin für sie da sein, das ist alles sehr schwer zu verarbeiten“, sagt Patrik Brack.

Barrierefrei und im Erdgeschoss in Rumeln oder näherer Umgebung soll die gewünschte Wohnung sein, in die Katrin mit ihrer dreijährigen Hundedame Holly, einem Chihuahua/Yorkshire-Mix, einziehen möchte. Beim Wohnungsriesen Covivio hat sie sich kürzlich eine Wohnung angeschaut. Die würde nach einer Grundsanierung passen, jetzt gilt es auf eine Zusage zu warten.

Arbeiten kann sie wohl erst im kommenden Jahr wieder

Bis die 28-Jährige wieder arbeiten kann, muss sie allerdings noch viele Hindernisse überwinden. Es steht die nächste Reha auf dem Programm, aktuell streiten sich Renten- und Krankenversicherung darum, wer bezahlt. Dazu läuft die Zahlung von Krankengeld im Juli aus, die 28-Jährige muss sich dann arbeitssuchend melden, da sie laut ihrer Ärzte nicht vor kommendem Jahr wieder anfangen kann zu arbeiten.

Dazu kommt die juristische Aufarbeitung, wie konnte dieses Drama passieren? Ein Kölner Rechtsanwalt hat den Fall übernommen, es geht um Dinge, die im Moerser St. Joseph-Krankenhaus passiert sein sollen, in dem Katrin van gen Hassend vor anderthalb Jahren wegen einer undichten Herzklappe operiert wurde. „Wir sollen dranbleiben aber auch Geduld haben“, hat uns der Anwalt gesagt“, sagt Patrik Brack.

Zurück an den Arbeitsplatz

Dranbleiben wird Katrin van gen Hassend, ganz sicher, sie hat sich bis hierhin gekämpft und sie wird weiter kämpfen. Es ist noch gar nicht so lange her, als Ärzte ihren engsten Angehörigen sagten, sie müssten sich jetzt von ihr verabschieden. Und heute warten Ärzte und Mitarbeiter des Medizinischen Versorgungszentrums Duisburg-West in Rheinhausen, hier arbeitete die 28-Jährige als Medizinische Fachangestellte, sehnlich auf die Rückkehr ihrer Kollegin. Chefin Anette Löbler hat ihr eine Stelle frei gehalten.

„Ich kann allen gar nicht genug danken“, sagt Katrin van gen Hassend zu den vielen Menschen aus Rheinhausen und Umgebung, die Anteilnahme zeigten und auch viel Geld spendeten. Insgesamt sind bis heute 71.000 Euro zusammengekommen. Geld, das für Hilfsmittel, etwa ein behindertengerechtes Auto eingesetzt werden könnte. Für den 14. Juni ist zudem ein Benefizkonzert geplant. Dort will sich Katrin van gen Hassend bei ganz vielen Menschen persönlich bedanken...

>>>Benefizkonzert im Grammatikoff<<<

Das Benefizkonzert für Katrin van gen Hassend beginnt am Freitag, 14. Juni, um 18 Uhr im Veranstaltungsclub Grammatikoff, Dellplatz 16a, in der Innenstadt.

Bis 23 Uhr stehen auf der Bühne die Bands Soundrooms, Fresh Game und Kupferwerk Gold. Der Eintritt ist frei, Spenden erbeten.

„Wir wollen ihr schnell und unbürokratisch helfen und sammeln auf diesem Wege Spenden, um sie somit auf ihrem Weg in ein neues Leben zu unterstützen“, schreiben die Grammatikoff-Verantwortlichen.

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