Kultur

„Kunst-Rausstellung“ im Baerler Wald

Sabrina Gursch und Jan Liesefeld genießen am Samstag die Werke der Ausstellung „Kunst im Wald" in Baerl.

Foto: Oleksandr Voskresenskyi

Sabrina Gursch und Jan Liesefeld genießen am Samstag die Werke der Ausstellung „Kunst im Wald" in Baerl. Foto: Oleksandr Voskresenskyi

Im Atelier von Wolfgang Schöps zeigen 13 Künstler aus Duisburg und der Umgebung ihre Werke auf 4500 Quadratmetern zwischen Büschen und unter Bäumen

Schaut man sich am Lohheider See um, so ist die Kunst der Natur unverkennbar: Wie gemalt erscheint der dichte grüne Wald, umrahmt von Wasser und Wegen. Doch ein besonderer Quell der Inspiration liegt gleich in der Nähe des Sees, an der Orsoyer Allee 115. Das Wald-Atelier von Künstler Wolfgang Schöps bietet Raum für Kreatives. Und das nicht nur auf der 140 Quadratmeter-Wohnfläche im Haus. Fernab des Galeriekultes zieht es Schöps nach draußen. Das 4500 Quadratmeter große Waldgrundstück wird zur Ausstellungsfläche. 13 Künstler aus Duisburg und der Umgebung präsentieren hier am Wochenende ihre Werke in einer Gemeinschaftsausstellung.

Buntes vor grüner Kulisse

Der Titel? Ebenso kreativ wie die Köpfe hinter der Kunst: „Erste Open Air Kunst-Rausstellung“. Wetter zum Rausstellen gab es: zumindest am Samstag schien die Sonne. Das war in den vergangenen Monaten nicht immer so: „Wer in der Natur Kunst ausstellt, muss auch mit ihr leben“, sagt Schöps und blickt auf die Freiluftausstellungsfläche. Der letzte große Sturm hatte dem Waldgrundstück ganz schön zugesetzt. Drei Monate lang räumte Schöps auf, beseitigte umgefallene Bäume und verwüstete Sträucher. Nun ist das Grundstück wieder kunstfit.

Schon von Weitem strahlten die bunten Kunstwerke am Wochenende aus dem Waldgrün hervor. Hunderte Besucher zog es ins Wald-Atelier. Und dort erlebten sie die Symbiose aus Kunst und Natur. Ganz im Geiste des ehemaligen „Kunst-Cocktails“, den es in Baerl einst gab: Zehn Jahre lang gestalteten verschiedene Künstler Ausstellungen am Lohheider See. Damals war der 2006 verstorbene Künstler Hermann Kurz mit dabei. Lotti Lücking stellte für die aktuelle Schau Exponate von Kurz aus ihrer Sammlung zur Verfügung, die am Wochenende zu sehen waren.

„Kunst-Cocktail“ am Lohheider See

Viele der 13 Aussteller haben den „Kunst-Cocktail“ selbst mit geprägt. So, wie Manfred Kassel, genannt Palle: „Damals konnte jeder vorbeischauen und sich ganz losgelöst von Erfahrungen mit Kunst befassen“, erinnert sich der 71-Jährige. „Oft gibt es eine Hemmschwelle, mit Künstlern zu reden und sich näher mit Kunst zu befassen. Durch Ausstellungen wie diese, kann die Hemmschwelle überwunden werden.“ Palle selbst arbeitet mit Keramik, Holz und Edelstahl.

Die geschwungenen Skulpturen in Türkis und Blau sorgten für neugierige Besucherblicke. Zeit für Inspiration gab es genug. Zum Beispiel beim Radfahren und beim unscheinbaren Blick neben die Wege. Da wird ein Schuhanzieher schon mal zur Skulptur. Oder die Besucher stoßen auf an Baumstämmen mit Seilen befestigte, farbenfrohe Leinwände von Annette Friedrich. Kunstwerke in und unter Baumkronen, weiter über Trampelpfade durchs Grün hin zum nächsten Künstler sorgten in dieser Ausstellung für ein einzigartiges Erlebnis. Mitten im Grün gab es eine Kindermal-Aktion, bei der sich der kleine Besucher Luis mit seiner Mutter Jessica Wienz an Fingerfarben und Acryl herantraute.

Wienz war zufällig beim Gassigehen vorbeigekommen und direkt begeistert: „Kunstmuseen sind üblich, aber ein Atelier im Wald ist besonders. Wir schauen fortan öfter hier vorbei“, sagt sie und genießt die Musik der Gruppe „Thora Blue“, deren vier Musiker stimmungsvoll-progressiven Chanson spielten.

Gesägt, gebohrt und mit Acryl bemalt

Wer durch das Grün huschte, begegnete auch Heiner Liesefeld. Der Künstler lässt sich von der Natur inspirieren. Vertikal hingen seine Werke zwischen den Bäumen: Die „Kokon Leisten“. Gesägt, gebohrt und mit Acryl bemalt, werden die Bambusstäbe zu Nistmöglichkeit. Liesefelds Kokons waren ein Beispiel für die Vielfältigkeit der Werke in der Ausstellung: Von Aktionskunst und Assemblagen über digitale Fotokunst und Skulpturen gab es alles zu entdecken.

„Steht auf für eine bessere Welt“ leuchtet beispielsweise auf Mülltonnen, die der Moerser Aktionskünstler Pit Bohne ausstellte. Daneben: Werke aus Eisen und sechs große Atomtonnen mit dem Titel „Ein Aktienpaket“. Aus dem Wald ging’s dann auch noch hinein in Schöps’ Haus. Im Flur: Werke der Duisburger Künstlerin Sigrid Beuting. Vor 13 Jahren entdeckte sie die afrikanische Erde für sich. „1995 habe ich das Projekt ‘Afrika und Europa im Dialog’ durchgeführt und bekam afrikanische Erde aus Togo geschenkt.“, erzählte sie. Zehn Jahre lag die Erde im Schreibtisch, heute ist sie Bestandteil einer Kunstreihe. Europäische Industrieprodukte wie Edelstahl und Metall treffen im selben Bild auf warme Naturerde.

Im Wohnzimmer geht’s weiter...

Weitere Kontraste gab’s wenige Meter weiter im Wohnzimmer: Schöps stellte seine selbst fotografierte und bewusst fantastisch-irreal zusammengefügte Fotokunst aus. Für ihn ist es wichtig, Begegnungen zu ermöglichen. Dazu braucht es viele: „Wenn sich neue Künstler anschließen, dann können wir die Kunstcocktail-Ära wieder aufleben lassen“, ist er überzeugt. Spontane Ausstellungen seien ebenso denkbar, wie feste Ateliertage. „Für alle, ganz gleich, ob Kunstmacher oder Kunstbeobachter“, sagte er. Sein „Kunst-Wald“ soll nur ein Beginn sein...

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