Gesundheit

Legionellen im Trinkwasser: Duisburger Mieter in Angst

In Anschreiben wurden die Mieter der Breslauer Straße 52-58 unter anderem aufgefordert, erst einmal nicht zu duschen. Inzwischen hat der Vermieter Sterilfilter einbauen lassen.

Foto: Volker Herold

In Anschreiben wurden die Mieter der Breslauer Straße 52-58 unter anderem aufgefordert, erst einmal nicht zu duschen. Inzwischen hat der Vermieter Sterilfilter einbauen lassen. Foto: Volker Herold

Duisburg-Rheinhausen.   Bei einer Kontrolle wurde in Bergheim ein Legionellenbefall festgestellt. Der Vermieter hat Sterilfilter einbauen lassen. Das reicht – zunächst.

Die Anruferin klingt nicht wie jemand, der leicht in Panik gerät. Doch seit dem 11. Juni hat sie Angst, zuhause den Wasserhahn aufzudrehen. Der Grund: Bei einer Routinekontrolle wurde in drei von insgesamt 18 Wohnungen an der Breslauer Straße 52-58 ein Legionellenbefall nachgewiesen. Seither herrscht in Bergheim große Unsicherheit: Die Keime können bei immungeschwächten Menschen eine schwere Lungenerkrankung hervorrufen. Der Vermieter, die LEG, hat Sterilfilter einbauen lassen und trotzdem: „Wir haben alle Angst“, sagt die 73-jährige Bewohnerin. „Momentan gebe ich das Kranenwasser nicht mal meinem Hund.“

Legionellen kommen überall vor

Dr. Barbara Nieters, Ärztin und Leiterin der Gesundheitsaufsicht des Gesundheitsamtes, kann die Sorgen der Menschen verstehen. Sie warnt dennoch vor Panik. Legionellen finden sich in Wasserleitungen von Häusern, Klimaanlagen, Schwimmbädern und Whirlpools – in geringer Konzentration sind sie unproblematisch. „Legionellen kommen überall vor. Das sind Umweltkeime. Die kann man gar nicht verhindern.“ Handeln müssen Vermieter oder Betreiber ab einem Grenzwert von 100 KBE pro 100 Milliliter. Aber selbst erhöhte Werte sind erstmal kein Grund zur Aufregung. Dem Amt für Verbraucherschutz werden jährlich zig Fälle wie jetzt in Bergheim gemeldet.

Trotzdem ist die Angst vor Krankheit berechtigt. Denn manche Legionellen-Arten können bei immungeschwächten oder aber auch älteren Menschen Atemwegs- und Lungenerkrankungen hervorrufen, so genannte Legionellosen - die Legionärskrankheit, eine Form der Lungenentzündung, kann sogar tödlich verlaufen. Die Wahrscheinlichkeit, zu erkranken, ist aber gering, wissen Experten. Gesunden Menschen können Legionellen nichts anhaben. Eine Übertragung erfolgt nur durch lungengängige Aerosole. Heißt: Eine Infektion findet beim Einatmen von heißem Dampf statt, wie es etwa beim Duschen passiert.

Erst ab 60 Grad sterben die Bakterien ab

Entscheidend für die Vermehrung der Bakterien sind immer die Temperatur des Wassers und seine Verweildauer im Leitungssystem. Und das muss der Vermieter bei einem Fall wie jetzt in Bergheim überprüfen lassen. Dr. Nieters zählt Ursachen auf. Das Problem kann an der zentralen Warmwasseranlage liegen; erst ab 60 Grad sterben die Bakterien ab. Es könnte aber ebenso eine schlechte Dämmung der Rohre verantwortlich sein oder die Tatsache, dass eine Wohnung lange Zeit leer steht und Bakterien das Wasser, das sich in den Leitungen befindet, befallen.

Wie alle Vermieter ist die LEG verpflichtet, alle drei Jahre Wasserproben zu nehmen. So will es das Gesetz. Gleich nach dem Ergebnis wurden an allen Duschköpfen Sterilfilter angebracht, reagiert Judith-Maria Gillies von der LEG. Diese verhinderten eine Übertragung. Das bestätigt Dr. Nieters: „Der Hersteller garantiert, dass keine Legionelle durchkommt. Man muss nur darauf achten, dass die Filter regelmäßig gewechselt werden.“ Sterilfilter hätten eine Standzeit zwischen 30 und 70 Tagen.

Der Wärmetauscher muss erneuert werden

Die Menschen in Bergheim sorgen sich trotzdem. Nicht alle Wohnungen hätten Filter erhalten, da einige Bewohner nicht erreichbar gewesen seien, sagen sie. Um das Problem schnell lösen zu können, habe man sofort um eine schnellstmögliche Terminabsprache gebeten, so die LEG. Als reine Vorsichtsmaßnahme seien die Filter in allen 18 Wohnungen eingebaut worden.

Inzwischen wurde die Ursache ermittelt. Bei der Kontrolle der Wasseranlage habe man festgestellt, dass der Wärmetauscher ausgewechselt werden muss, da er nicht mehr die volle Leistung bringt. Das Gerät muss neu produziert werden, kann aber in voraussichtlich zwei Wochen ausgetauscht werden, meldet die LEG. Danach werde ein Labor eine Probe untersuchen. Als Termin hierfür steht der 2. August im Raum.

Tatsächliche Fälle von Legionellose sind selten. In Duisburg gab es in diesem Jahr bisher fünf, 2017 acht und 2016 drei gemeldete Erkrankungen. Der geringe Anstieg liege vor allem an einer erhöhten Aufmerksamkeit dem Thema gegenüber, so Dr. Nieters: „Es spricht ja für unsere Gesellschaft, dass wir mittlerweile viel untersuchen und versuchen, Dinge aufzudecken.“

>>>> Das raten Experten

Bei Legionellen handelt es sich um Stäbchenbakterien, die in zig Arten und Untergruppen vorkommen. Am wohlsten fühlen sie sich bei einer Wassertemperatur von 25 bis 45 Grad.

Die Initiative Lungenärzte im Netz rät, in warmen Ländern die Dusche erst einige Minuten heiß laufen zu lassen und das Bad dabei zu verlassen. Und: Die Wassertemperatur in Boilern muss mindestens 60 Grad betragen, in Rohrsystemen darf sie nicht unter 50 Grad sinken.

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