Verkehr

Lkw-Lärm raubt Anwohnern in Duisburg-Rheinhausen die Ruhe

Erich Peeck, Horst Clemens, Bettina Gebicke und Joerg Thiele mit einem Lautstärkemessgerät im Garten. Sie klagen über den Lkw-Lärm auf der Moerser Straße in Duisburg-Rheinhausen. Foto: Christoph Wojtyczka

Erich Peeck, Horst Clemens, Bettina Gebicke und Joerg Thiele mit einem Lautstärkemessgerät im Garten. Sie klagen über den Lkw-Lärm auf der Moerser Straße in Duisburg-Rheinhausen. Foto: Christoph Wojtyczka

Foto: Christoph Wojtyczka / WAZ FotoPo

Duisburg-Rheinhausen.   80 Dezibel bei jedem Lastwagen. Diesen Lärm müssen die Anwohner der Moerser Straße in Rheinhausen über sich ergehen lassen. Doch die Stadt tue nichts, so die Anwohner. Jetzt haben sie bei der Bezirksregierung in Düsseldorf Beschwerde eingelegt.

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Lauschig hat er es in seinem weißen Haus an der Jahnstraße. Seit 40 Jahren wohnt Hans-Georg Clemens hier, vor dem Haus mit den brauen Fensterläden hört man die Vögel zwitschern, kaum ein Auto stört die Hochemmericher Idylle. Anders hört sich das an, wenn man durch das Törchen in den Garten auf der Rückseite geht. Dort verläuft die Moerser Straße, donnert Lkw über Lkw am Haus vorbei. Ein Besuch zum heutigen Internationalen Tag gegen den Lärm.

Im Garten des 75-Jährigen haben sich auch einige Nachbarn versammelt. Jörg Thiele (49) und Bettina Gebicke (43) wohnen direkt nebenan, Erich Peek (75) hat es ebenfalls nur einige Schritte bis nach Hause. Fürs Foto hat Jörg Thiele seinen Gehörschutz aufgesetzt. „Bei der Arbeit ist er Vorschrift“, sagt er. Nur ist es im Eigenheim oft lauter als in den Hüttenwerken Krupp-Mannesmann. Dort schafft er als Kranschlosser, seine Freundin Bettina als Telefonmonteurin.

Hans-Georg Clemens hat sich ein Messgerät gekauft

Clemens und Peek sind längst im Ruhestand, die beiden haben also 24 Stunden am Tag etwas von dem Dröhnen, das die Lkw in ihre Gärten und Häuser tragen. „Voltkraft SL-50“ heißt das Lärmmessgerät, das sich Hans Georg-Clemens in einem Elektronik-Geschäft für 39,90 Euro gekauft hat. Der Apparat zeigt bei normaler Geräuschkulisse um die 60 Dezibel an, fährt ein Lkw vorbei, sind’s mehr als 80.

„Ab 55 Dezibel Dauerbelastung sprechen die Ärzte davon, dass der Lärm die Gesundheit schädigt“, sagt Clemens. Der Lkw-Lärm macht also krank. Aber woher kommen die vielen Lastwagen? „Sie fahren Logport an“, sagt Peek. Über die Moerser Straße aber erst seit einem Jahr, seitdem gilt für die Friedrich-Ebert-Straße ein Durchfahrtverbot, viele Brummifahrer nutzen die Moerser Straße.

„Ein Unding“, sagen die um ihre Lebensqualität fürchtenden Anwohner, die Zahl der Laster sei um bis zu sagenhaften 330 Prozent gestiegen, 15 bis 20 Sekunden würde die Durchfahrt eines Lkw dauern. An ein gemütliches Sitzen auf der Terrasse ist nicht zu denken, „das ist erst nach 22 Uhr möglich.“ Die Lösung wäre der Bau der Osttangente und ein Durchfahrtverbot für Lkw an der Moerser Straße. Nun gilt das unter anderem wegen des Protestes der Grünen als politisch wenig durchsetzbar.

Lkw-Fahrer auf die L473N zwingen

Weitere Idee: Die Lkw-Fahrer müssten per Durchfahrtverbot gezwungen werden, die L473N zu nutzen. Ob die Brummifahrer diesen Umweg von rund sieben Kilometern aber in Kauf nehmen würden, sei ebenfalls fraglich.

„Die Stadt lässt uns brutal im Stich“, sagt Clemens. Es passiere gar nichts, Anträge auf Flüsterasphalt seien ebenso abgeleht worden wie solche nach einem Starenkasten oder einer Tempo 30-Regelung. Die Anwohner der Moerser Straße sind sauer, „wir haben noch nicht einmal Antwort von der Stadt erhalten.“ Die Beschwerde liegt jetzt bei der übergeordneten Behörde, bei der Bezirksregierung Düsseldorf. Wie viele Jahrestage gegen den Lärm wohl noch vergehen, bis man an der Moerser Straße wieder mehr Vögel als Lkw hört?

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