Comedy

Martin Fromme: Als „inklusiver Komiker“ nach Rheinhausen

Der Comedian Martin Fromme in seinem Element.

Der Comedian Martin Fromme in seinem Element.

Foto: Thorsten Lindekamp

Duisburg-Rheinhausen.   Das Johanniter-Krankenhaus in Duisburg lud zum Comedy-Abend mit Martin Fromme ein. Der hat einen „appen Arm“ und eine ganze Menge zu erzählen.

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Mit dem Tabuthema Darmkrebsvorsorge offensiv umgehen, das will man im Magen-Darm-Zentrum des Johanniter-Krankenhauses. Innerhalb einer Infoveranstaltung im Ohletz-Saal erinnerte der Chefarzt der Chirurgischen Klinik 1, Dr. Alexander Meyer, wie wichtig endoskopische Vorsorgeuntersuchungen seien. „Gerade Darmkrebs kann man bei rechtzeitiger Früherkennung sehr gut heilen. Männer sollten ab dem 50. Lebensjahr zur Vorsorge gehen, Frauen ab 55“, so der Leiter der Chirurgie.

Halsbrecherische Rollstuhlfahrten

Jetzt hatten die Betreiber des Magen-Darm-Zentrums (MDZ) einen Comedian eingeladen, der ebenfalls mit allen Tabus bricht. „Aktion Sorgenmann“ prangt auf seinem hippen T-Shirt. Selbst bezeichnet sich Martin Fromme als „Spasti-Comedian“ - und genauso offensiv reißt der einarmige Komiker Themen rund um den Umgang mit Behinderten an. Seit 30 Jahren steht Fromme auf der Bühne – als „inklusiver Komiker“ mit einer Contergan-Schädigung. „Ich habe jetzt extra einen Führerschein gemacht, damit ich in den Genuss der nigelnagelneuen Behindertenparkplätze am Eingang zum Supermarkt komme. Und ich schaue Euch dann zu, wie Ihr völlig entnervt nach einem Parkplatz sucht“, geht der Mann aus Wanne-Eickel in die Offensive. Dabei gibt er Auszüge aus seinem Programm „Besser Arm ab, als arm dran“.

Blinde sollten nicht so schwarz sehen

„So hat mich noch nie ein Arzt zur Begrüßung gefragt: ,Ja, was fehlt Ihnen denn heute?’“, lacht Fromme mit dem „appen Arm“. Er habe bei seinem Schwiegervater auch nicht um die Hand seiner Frau angefragt, während man einem Blinden nicht unbedingt raten möge, dass er nicht so schwarz sehen soll für die Zukunft.

Hier geht Fromme spielerisch leicht mit Redewendungen um, die aus der Zeit vor der Inklusionsdebatte, einem derzeitigen „Hipster-Thema“, stammen. Richtig witzig wird es, als er halsbrecherische Rollstuhlauffahrten in einer Fotoreihe dokumentiert. Eine führt sogar in einem kaum zu bewältigenden Zick-Zack-Kurs eine Rampe hoch, eine andere auf ramponierten Holz-Pontons über einen modrigen Koi-Teich im Japanischen Garten. „Darin sind schon einige Rolli-Fahrer versackt“, scherzt Fromme, so dass die etwa 110 Zuschauer im Ohletz-Saal schon prusten müssen vor Lachen.

Warum parkt der da, der kann ja gehen?

Und er hinterfragt geschickt die Haltung seines Publikums: „Wenn ich jetzt nicht über einen Behinderten-Witz lache, bin ich dann behindertenfeindlich?“ Fragen, die sich ein jeder unweigerlich stelle – aber egal, wichtig sei ja nur der Respekt zwischen „Normalos“ und „Menschen, mit besonderen Fähigkeiten“.

Zurück zum Supermarkt: „Wenn ich dann auf dem Behindertenparkplatz stehe, dann spacke ich erst mal durch den Laden. Viele gucken nämlich schon skeptisch und denken: ‚warum parkt er da, der kann ja gehen?‘.“ Und dabei hält Martin Fromme seinen „appen Arm“ ostentativ in die Höhe – und spackt. „Der Arme, jetzt ist er auch noch Epileptiker, denken dann die Angestellten im Supermarkt.“ Es gab große Lacher der 110 Gäste dieser witzigen, aber letztendlich sehr hintergründigen Infoveranstaltung des MDZ.

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