Sozialer Einsatz

Maureen aus Baerl ist Botschafterin in Nordostindien

Dicke Freunde: Maureen Salamon und drei ihrer Jungs.

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Dicke Freunde: Maureen Salamon und drei ihrer Jungs.

Duisburg-Baerl.   Die 21-Jährige war dreimal für die Karma-Riders in Guwahati. In einem Straßenkinderheim lernte sie viel über das Leben und die eigene Situation.

Maureen Salamon war zuletzt im September weg. Jetzt wird’s erstmal nichts mit dem Reisen: keine Rückkehr nach Indien. Kein Wiedersehen mit „ihren“ Jungs. Die 21-Jährige muss an die Zukunft denken. Sie studiert, will Lehrerin werden. Gerade kommt Maureen von ihrer ersten eigenen Unterrichtsstunde am Adolfinum im Moers. Sie hat gute Laune. Lief super! Klar, wer mit 30 indischen Kindern zurechtkommt, ohne ein Wort zu verstehen, setzt sich auch am Niederrhein durch. Dreimal war sie für die Karma-Riders in Guwahati und hat in einem der Straßenkinderheime mit angepackt, die von Duisburg aus unterstützt werden.

Zurzeit wohnt Maureen wieder bei ihren Eltern in Baerl. Eigentlich studiert sie mittlerweile in Hannover, Englisch und Physik auf Lehramt. Für die junge Frau ein Traumjob. Lehrerin wollte sie gleich nach dem Abitur werden. Aber damals war ihr der Sprung aus der Schule auf die Uni zu krass. „Ich wollte vor der Rente noch etwas erleben.“

Schon als Schülerin sammelte sie Geld für Indien

Eine soziale Ader hatte Maureen Salamon immer. Bereits als Schülerin sammelte sie Geld für Indien. Seit 2010 fährt sie bei den Ruhrpott-Spenden-Touren der Karma-Riders mit, 2013 wurde sie Mitglied. Da lag es nah, sich an die Hilfsorganisation zu wenden. Mit der Partner-Stiftung Childaid Network vermittelten ihr die „Riders“ 2014 ein siebenmonatiges Praktikum in einem ihrer Kinderheime. Kurz drauf saß die damals 18-Jährige im Flieger nach Delhi.

Ziel war ein Don-Bosco-Haus in Guwahati, Nordostindien. 30 Jungs zwischen vier und 12 Jahren leben dort. Maureen kann sehr anschaulich von ihren ersten Problemen berichten. Die begannen mit der Sprache und endeten bei ihrer Jeans. „Die habe ich nur einmal getragen. Viel zu heiß!“ Anfangs, erinnert sich Maureen, konnte sie sich mit den Jungs kaum verständigen. So hat sie mit ihnen Fußball gespielt und Zumba getanzt, „zu Musik aus meinem Laptop.“ Einen Monat später kannte sie alle mit Namen. Der Beginn einer wunderbar dicken Freundschaft. Heute nennen sie die Jungs „Maureen baido“, was auf deutsch soviel heißt wie „große Schwester Maureen“.

Schule bedeutet Zukunft

Vor allem aber erlebte Maureen: Für die Kinder bedeuten die Heime eine echte Chance. Sie schlugen sich auf der Straße durch - jetzt haben sie ein Zuhause, besuchen eine Schule und werden in Asamiya, der Sprache des Bundesstaates Assam, Hindi und Englisch unterrichtet. In den Snehalaya-Heimen („Haus der Liebe“) wohnen Kinder aller Religionen; Krishna, der Hindu, lebt mit dem Christen Francis und dem Muslim Raoul unter einem Dach.

„Schule ist total wichtig“, weiß Maureen. Sie hat in den Slums viele Kinder ohne Zukunft gesehen, darunter Fünfjährige, die abhängig sind von Suchtstoffen wie Terpentin. „Die stecken sich Benzin getränkte Tücher in den Mund.“ Andere werden von den Eltern bewusstlos auf die Straße gelegt, die Geldschüssel daneben. Oder ihre Familie verstümmeln sie.

Maureen erzählt vom kleinen Vishnu, dem die Mutter Tropfen in die Augen träufelte, damit er blind wurde und beim Betteln mehr verdiente. Umso glücklicher machen sie die Erfolgsgeschichten: Ein ehemaliges Straßenkind zog nach Bombay und komponiert Musik für Bollywood-Filme. Ein Junge studiert Sozialarbeit. Andere arbeiten im Hotelbereich oder für die Textilindustrie.

Wertschätzung kann man erlernen

Dreimal war Maureen Salamon in Guwahati. Sie würde auch in diesem Jahr gern fliegen, hat aber aktuell kein Geld. Ihre Aufenthalte, und das ist ihr wichtig, hat sie immer selbst finanziert. 2019 will sie wieder reisen. Maureen freut sich schon. Sie hat selbst viel von ihren Aufenthalten mitgenommen. „Wie offenherzig die Menschen sind, wie nötig die Hilfe ist“, überlegt sie. „Ich habe Wertschätzung gelernt, für das, was ich habe. Im Grunde besteht der einzige Unterschied darin, dass man an verschiedenen Orten geboren wird.“

>>>> Die Karma-Riders <<<<

Die Karma-Riders arbeiten mit Childaid Network zusammen. Die Spenden, die bei den Ruhrpott-Touren gesammelt werden, unterstützen zwei Hilfsprojekte. Neben den Straßenkinderheimen, den Snehalaya Heimen, fließt das Geld in Abendschulen, in denen Jugendliche nach der Arbeit unterrichtet werden. Ziel beider Projekte ist eine Rückkehr in die Gesellschaft. Alle Spenden kommen zu 100 Prozent an. Das garantiert Childaid Network.

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