Konzert

Mercator-Ensemble mit Musik zum Mitschwingen in Rheinhausen

Das Mercator-Ensemble (v. l. n. r.) Matthias Bruns (1. Violine), Malika Aziz (2. Violine), Eva-Maria Klose (Viola) und Hanno Fellermann (Kontrabass)  gastierte mit dem Konzert „Let’s Dance – Heimat und Aufbruch“ in Rheinhausen. Moderiert wurde der Abend von Lena Siep.

Das Mercator-Ensemble (v. l. n. r.) Matthias Bruns (1. Violine), Malika Aziz (2. Violine), Eva-Maria Klose (Viola) und Hanno Fellermann (Kontrabass) gastierte mit dem Konzert „Let’s Dance – Heimat und Aufbruch“ in Rheinhausen. Moderiert wurde der Abend von Lena Siep.

Foto: Arnulf Stoffel / FUNKE Foto Services

Rheinhausen.  Das Mercator-Ensemble gastierte mit dem Konzert „Let’s dance – Heimat und Aufbruch“ in der Bezirksbibliothek Rheinhausen – und begeisterte.

Tänze bringen nicht nur ausgelassene Stimmungen zum Ausdruck, sie vermitteln genauso melancholische Gefühle an die Heimat. Bei dem Konzert „Let‘s dance – Heimat und Aufbruch“ des Mercator-Ensembles in der Galerie der Rheinhauser Bezirksbibliothek übermittelten die vier Duisburger Musiker genau diese Atmosphäre.

Moderatorin Lena Siep, die sonst Motorsportevents dem Zuschauer näher bringt, sagte denn auch wegweisend: „Die Wurzeln der Musik liegen in der Seele eines Volkes“, und spielte dabei auf einen Besuch in Tansania an, bei dem sie von den Dorfbewohnern mit einem urtümlichen Tanz begrüßt wurde. Und sie stellte klar: „Wer glaubt, dass man zu klassischer Musik nicht tanzen kann, der hätte mich mal sehen sollen, als ich mit sechs Jahren zu Johannes Brahms durchs Wohnzimmer gehopst bin.“ Sehr zum Unwillen ihres Vaters, einem großen Klassikfan, allerdings, wie Lena Siep keck mit einem Lächeln hinzufügte.

Altwiener Stücke und Melodien französischer Arbeitsmigranten

Indes präsentierte das Mercator-Ensemble die „Altwiener Tanzweisen“ des virtuosen Geigers Fritz Kreisler aus dem Jahr 1905. „In allen seinen Konzerten wurden die drei Stücke als Zugaben gespielt“, weiß Lena Siep über Kreisler, der 1938 erst nach Frankreich emigrierte, später dann nach New York übersetzte. „Für ihn waren diese Altwiener Stücke immer eine Erinnerung an seinen Geburtsort.“

Und nicht nur Matthias Bruns an der ersten Geige zeigte seine spieltechnischen Fähigkeiten, sondern auch Hanno Fellermann hüpfte prägnant akzentuierend bei dem ersten Stück „Liebesfreud“ mit seinem Bogen über die Saiten des Kontrabasses. Als „Aushilfe“ für Peter Bonk an der zweiten Geige reüssierte Malikka Aziz. Die Viola bediente Eva-Maria Klose.

Das Ensemble spielte Stücke, deren Melodien französische Arbeitsmigranten im späten 19. Jahrhundert nach Buenos Aires gebracht hatten und aus denen der Tango entstand. „Por una cabeza“ des Tangosängers Carlos Gardel berührte die etwa 100 Gäste in der Galerie durch die eindringliche, melancholische Spielweise des Duisburger Streichquartetts.

Und Lena Siep deckte auf, dass nicht nur Soul-Sänger Pharrell Williams Teile seiner Melodien von anderen Ideengebern, wie Marvin Gaye, übernommen hat. „Auch Johannes Brahms hat in seinen Ungarischen Tänzen schon bei umherfahrenden Zigeunerkapellen geklaut“, verrät sie dem Publikum. Den Tanz No 5. gibt es in einer schmissigen Interpretation des Quartetts. Und Lena Siep lächelte dazu und meinte: „Keine Angst – ich tanze auch nicht!“

Zuschauer wiegten die Köpfe

Beeindruckend aber, als sie die Geschichte über den Bandleader Artie Shaw erzählt, wie dieser bei einem Frontbesuch vor US-Soldaten im Zweiten Weltkrieg den Cole Porter-Song „Begin the Beguine“ mit seiner Big Band spielte. „Da hat der lateinamerikanische Tanz seine Wirkung gezeigt, denn alle US-Soldaten fingen an, langsam hin und her zu schwelgen im Rhythmus des Beguine“, so die Moderatorin.

Und auch die Zuschauer und Zuhörer in Rheinhausen wiegten ihre Köpfe zu der eindrucksvollen Interpretation der vier Musiker aus Duisburg und es gab anschließend einen langen Applaus – auch für die treibende Spielart des Pulp-Fiction-Themas „Misirlou“ im Zugabenteil des feinen Konzerts. Und auch für die kurzweilige Moderation von Lena Siep.

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