Bildung

Mit Friedhelm sind Hausaufgaben nur halb so schwer

Der Pädagoge Friedhelm Mergen verabschiedet sich von der Hausaufgabenbetreuung im Regenbogenhaus in Rheinhausen.

Der Pädagoge Friedhelm Mergen verabschiedet sich von der Hausaufgabenbetreuung im Regenbogenhaus in Rheinhausen.

Foto: Volker Herold / FUNKE Foto Services

Duisburg-Rheinhausen.  Abschied vom Stadtteilladen: Hausaufgabenhelfer Friedhelm Mergen geht in den Ruhestand. Jetzt wird ein Nachfolger gesucht.

Normalerweise sind Sommerferien ein Grund zu jubeln. In diesem Jahr gehen die Kinder der Hausaufgabenbetreuung im Regenbogenhaus allerdings ein bisschen traurig in die Ferien. Denn sie wissen, dass ihr Friedhelm nach dem Sommer nicht wieder in den Stadtteilladen der Grafschafter Diakonie an der Beethoven Straße kommt, um ihnen bei den Hausaufgaben zu helfen. Der 65-Jährige geht nach einem bewegten (Berufs-) Leben in den verdienten Ruhestand.

„Wenn Friedhelm mir etwas erklärt, dann verstehe ich das einfach besser“, sagt die 10-jährige Lindita und ihre Freundin Fatima ergänzt: „Friedhelm kann sehr lustig sein und manchmal auch ein bisschen streng, aber es hat immer viel Spaß gemacht, mit ihm zu lernen.“ Friedhelm Mergen ist mit Leib und Seele Lehrer. Die Arbeit mit den Kindern liegt ihm sehr. Seit 2008 arbeitet er in der Hausaufgabenbetreuung des Stadtteilladens. Seine Schüler besuchen die erste bis vierte Klasse der umliegenden Grundschulen.

Lernen ist wie ein Wald. Manchmal braucht man Hilfe beim Weg durch das Dickicht

„Früher habe ich mir die Arbeit mit kleineren Kindern nicht so vorstellen können und habe deshalb Philosophie und Germanistik für die Sekundarstufe II studiert“, erinnert sich der Pädagoge. Heute findet Mergen gerade die pädagogische Arbeit mit Kindern wichtig. Sie zum Lernen zu motivieren, ist dem Pädagogen ein besonderes Anliegen. „Ich vergleiche Lernen gerne mit einem Wald, mit einem Dickicht, scheinbar ohne Durchkommen, vor dem die Kinder zunächst stehen“, so Mergen. „Kämpft man sich aber immer und immer wieder durch dieses Dickicht, bilden sich Pfade und Wege und es wird immer leichter, seine Ziele zu erreichen.“ Wiederholungen seien wichtig, damit diese Pfade nicht wieder zuwachsen.

Eine Erklärung, die den Kindern einleuchtet, warum es sich lohnt, bei den Hausaufgaben am Ball zu bleiben. „Da kommt der Philosoph in mir durch“, muss Mergen schmunzeln. „Da liegt es in der Natur der Dinge, Sachen aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten.“ Jedes Kind lerne anderes und im eigenen Tempo. Da müsse man sich als Lehrkraft herantasten.

Dazu gehört für Mergen auch, dass die Kinder für sich selbst die Aufgabenstellung formulieren, damit sie überhaupt verstehen, was von ihnen verlangt wird. Die Hausaufgabenbetreuung könne nicht leisten, was Schule leistet, aber „ich kann den Kindern unterschiedliche Lernwege zeigen, ihnen in den Bereichen helfen, in denen sie die meisten Probleme haben.“

Wenn Kinder Ängste zeigen, erzählt ihnen der Pädagoge auch gerne von Erfahrungen aus seiner eigenen Kindheit und wie er es geschafft hat, eigene Ängste zu überwinden. Außerdem sei es immer sinnvoll den Kindern zu erklären, warum sie bestimmte Dinge lernen müssen und wofür sie im Alltag gut sein können. Zudem könnten Schwächen auch immer mit Stärken ausgeglichen werden.

Wenn es mit dem Einmaleins nicht so richtig klappen möchte, wird Mathematik dann auch mal gesungen, um den Kindern einen Zugang zu bereiten. „Nicht nur schulisches Lernen ist wichtig“, findet der 65-jährige Duisburger. „Auch soziales, haptisches und musisches Lernen gehört für mich einfach dazu.“ Es sei aber nicht so, dass Mergen im Regenbogenhaus nur gelehrt hätte.

Mit Witz und Fantasie

Auch er habe von den Kindern viel gelernt. Die Schüler hätten ihn immer wieder mit ihrer Fantasie oder ihrem Witz überrascht. „Und dass Kinder ganz verzwickte Wege finden, um auf eine Lösung zu kommen. Da können wir Erwachsenen uns manchmal eine Scheibe von abschneiden.“ Als guter Lehrer weiß Mergen auch, dass man im Leben nie auslernt. Deshalb weiß er, dass ihm im Ruhestand nicht langweilig werden wird. „Ich bin einfach auch ein sehr wissbegieriger Mensch und freue mich auf viele Bücher, die ich noch gerne lesen möchte“, so Mergen. „Aber auch Malen und vor allem Musik gehören zu meinen Hobbys, für die ich jetzt mehr Zeit habe.“

>>> NACHFOLGER FÜR HAUSAUFGABENBETREUUNG GESUCHT

Auch nach den Ferien soll es mit der Hausaufgabenbetreuung im Stadtteilladen der Grafschafter Diakonie an der Beethovenstraße in Rheinhausen weiter gehen. Die Suche nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin läuft. Wer sich für eine Tätigkeit als Hausaufgaben-Betreuungskraft interessiert, bekommt Informationen bei Nilüfer Yildirim oder Nurcihan Köse unter: 02065 764648

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