Stadtentwicklung

Neue Nutzung für alte Kaufhaus Nünninghoff in Homberg

760 Quadratmeter groß ist die Fläche, die der Discounter im Erdgeschoss nutzt. Im ersten Obergeschoss verfügt er zudem über ein Lager. Foto: Volker Herold / FUNKE Foto Services

760 Quadratmeter groß ist die Fläche, die der Discounter im Erdgeschoss nutzt. Im ersten Obergeschoss verfügt er zudem über ein Lager. Foto: Volker Herold / FUNKE Foto Services

Homberg.  In dem Denkmal von 1907eröffnete gestern ein Billigdiscounter. Aber das ist nur ein Schritt in der langwierigen Sanierung dieses Juwels

Das Kaufhaus Nünninghoff in Homberg ist ein Juwel. Aber das Schmuckstück an der Ecke Viktoria- und Augustastraße, dessen Karriere als Kaufhaus schon in den 80er passé war, hat schon bessere Zeiten erlebt. Vor gut fünf Jahren ist der Krefelder Immobilienentwickler Kai Mann angetreten, um das 1907 errichtete Gebäude wieder herauszuputzen. Er liebt, wie er versichert, diese Kulturdenkmäler, möchte daraus keinen kurzfristigen Profit herauspressen, sondern denkt langfristig, sozial und ganz im Sinne der Stadtentwicklung. Die Eröffnung des Discounters Tedi auf knapp 750 Quadratmetern ist ein weiterer Schritt auf diesem Weg.

Mann ist von der Stimmung nach der Geschäftseröffnung begeistert. „Der Effekt, den ich erhofft habe, ist eingetreten. Das Interesse der Kunden ist sehr groß.“ Ist denn ein Billigdiscounter die richtige Nutzung für dieses Denkmal? „Daran scheiden sich Geister“, sagt Mario Mikesic, Vorsitzender des Homberger Werberings, neugierig ist er dennoch und will sich vor Ort rasch ein Bild machen. Gerne würde er Tedi als Partner für das bevorstehende Brunnenfest gewinnen. Aber große Ketten beteiligen sich oft nicht an den Aktionen der örtlichen Werberinge. „Ich bin froh, dass überhaupt ein Händler gefunden wurde, der in diesem Gebäude für Leben sorgt“, sagt der Osteopath. Als zuvor ein Kostümverleih die Fläche nutzte, habe es dort zuweilen schlimm ausgesehen.

Für Mann passt der Discounter, der zudem im ersten Obergeschoss ein großes Lager bezogen hat. „Tedi verfolgt nicht mehr das Konzept, mit dem er vor ein paar Jahren gestartet ist. Ich würde Tedi nicht mehr als Billigladen bezeichnen. Er zieht mit seinem breiten Sortiment jegliche Kundschaft an und nicht nur eine bestimmte.“ Und außerdem hat der Discounter für die Sanierung der Verkaufsfläche selbst kräftig in die Tasche gegriffen.

Bundesmittel wurden mobilisiert

Mit Spannung kann jetzt die weitere Sanierung des Gebäudes erwartet werden. Dafür konnten Bundesmittel mobilisiert werden. 276.000 Euro fließen nach Homberg, Kai Mann wird die gleiche Summe aus Eigenmitteln stemmen. Hinter den Kulissen laufen bereits die Vorbereitungen. „Wenn es nach mir ginge, würde ich am liebsten gleich mit dem Bau beginnen“, was technisch kein Problem sei, da er auch wirtschaftlich an den nötigen Fachbetrieben beteiligt sei. Aber er muss auf den Zuwendungsbescheid der Bezirksregierung warten. Ein vorzeitiger Baubeginn wäre förderschädlich, wie es im Bürokratenjargon heißt. Neben der Fassade wird auch das Dach und die beiden Wohnungen im Dachgeschoss saniert. In den anderen Wohnungen - im Denkmal gibt es sieben Wohnungen und im Neubau zwölf - sei bereits viel modernisiert worden: von den Badezimmern bis zu den Heizkörpern. Er arbeite von innen nach außen.

2450 Quadratmeter Nutzfläche im gesamten Ensemble

Das Gebäude-Ensemble mit einer Gesamtnutzfläche von 2450 Quadratmetern besteht aus drei Teilen. Neben dem Kern existieren das ebenfalls denkmalgeschützte, 1905 errichtete Haus, Augustastraße 44, und der „Neubau“ am Bismarckplatz aus den 60er Jahren, dessen Fassade dem Zeitgeschmack folgend mit Eternitplatten verkleidet ist. Man würde sich freuen, wenn das Traditionsgebäude von dem Vordach aus späterer Zeit befreit würde. Doch das wird nicht passieren. Mann hat immerhin dafür gesorgt, dass es neu gestrichen und schadhafte Stellen ausgebessert werden.

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