Medizin

Neuer Chefarzt für Geriatrie im Johanniter Rheinhausen

Jan Michels, 38, neuer Chefarzt der Klinik für Altersmedizin vor dem  Johanniter-Krankenhaus am Kreuzacker. Foto:

Jan Michels, 38, neuer Chefarzt der Klinik für Altersmedizin vor dem Johanniter-Krankenhaus am Kreuzacker. Foto:

Foto: Volker Herold / FUNKE Foto Services

Duisburg-Rheinhausen.  Jan Michels leitet künftig die Fachabteilung des Johanniter-Krankenhauses. Der Bedarf ist wird immer größer. 2030 ist fast jeder Dritte über 65.

Einen entscheidenden Schritt in die Zukunft macht das Johanniter-Krankenhaus in Bergheim: Mit Jan Michels als neuen Chefarzt richtete die für den Duisburger Westen zuständige medizinische Versorgungseinrichtung die Klinik für Altersmedizin/Geriatrie ein. Seit knapp drei Monaten bereits leitet der 38-Jährige die Fachabteilung, jetzt wurde er offiziell vorgestellt.

Jan Michels freute sich auf die Feier. Auffallend: Von seiner Familie war sein Vater, aber nicht seine Ehefrau gekommen. „Heute ist ein aufregender Tag“, sagt der Chefarzt und verrät: „Meine Frau befindet sich gerade in der Facharztprüfung zur Allgemeinmedizinerin.“ Sie möchte sich später gerne als Hausärztin niederlassen und geht damit eine ganz andere Richtung als ihr Ehemann.

Erste Einblicke in seinen späteren Beruf erhielt der Chefarzt bereits als 14-Jähriger, als er ein Schulpraktikum in seinem Geburtsort Bottrop im dortigen Knappschaftskrankenhaus absolvierte: „Ich hatte viel Respekt vor der Arbeit und habe damals gelernt, dass Sterben zum Leben dazu gehört.“ Seinen Zivildienst leistete er bei der Berufsfeuerwehr Oberhausen, fuhr als Rettungshelfer auf Krankenwagen mit, absolvierte danach eine Ausbildung als Gesundheits- und Krankenpfleger.

Der neue Chefarzt arbeitete zuvor in Essen

Ein Beruf, der ihm während des anschließenden Medizinstudiums nicht nur in fachlicher Hinsicht, sondern auch in finanzieller Hinsicht nützlich war: „Ich habe jedes zweite Wochenende am Alfried-Krupp-Krankenhaus in Essen gearbeitet und so auch klinische Erfahrungen gesammelt.“Seine ärztliche Tätigkeit konzentrierte sich zunächst auf die Innere Medizin und Allgemeinmedizin. 2018 machte der Vater von zwei Töchtern (sechs und drei Jahre alt) Zusatzqualifikationen mit der Zusatzbezeichnung Palliativmedizin und Geriatrie.

Die Geriatrie betrachtet den Menschen ganzheitlich

Bevor Jan Michels zum Rheinhauser Johanniter-Krankenhaus wechselte, war er Leitender Oberarzt im Geriatrie-Zentrum Haus Berge in Essen. „Ich wollte mich als Arzt nie auf nur ein Organ konzentrieren. Die Geriatrie betrachtet den Menschen ganzheitlich“, begründet der Mediziner seine Entscheidung für dieses Fachgebiet. Alte Menschen hätten meistens mehrere Erkrankungen, seien manchmal mobil massiv eingeschränkt und kämen mit einem akuten Problem ins Krankenhaus.

In der Klinik für Altersmedizin/Geriatrie mit ihren 27 Betten kümmern sich Ärzte und Pfleger um vielfältige Dinge. In der Regel sind die Patienten über 70 Jahre alt. Jan Michels: „Viele von ihnen sind existenziell bedroht. Wir wollen ihnen helfen, ihre Ziele zu erreichen und arbeiten daran intensiv mit den anderen Abteilungen, zum Beispiel Kardiologie und Orthopädie zusammen“, sagt der Chefarzt, der immer wieder die schöne Erfahrung der Dankbarkeit von alten Menschen macht.

Die Altersmedizin wird immer mehr an Bedeutung gewinnen

Die Geriatrie wird seiner Überzeugung nach in Zukunft an Bedeutung gewinnen, zumal Statistiken belegen, dass 2030 circa 30 Prozent der Menschen in Deutschland über 65 Jahre alt sein werden. Deshalb ist das Ziel von Jan Michels, die Klinik zu erweitern und dort auch den Bereich „Demenz“ zu etablieren.

Als Privatmensch spielt der Chefarzt gerne Gitarre, war sogar mal ein Bandmitglied und hat gesungen. Zudem kocht er gerne und verbringt seine Freizeit an der frischen Luft. Seine offizielle Vorstellung im Krankenhaus dürfte für ihn ein Tag der doppelten Freude gewesen sein: Es war eine schöne Feier – und seine Frau hat die Facharztprüfung bestanden.

Die Abteilung soll weiter ausgebaut werden

Wie wichtig die Geriatrie ist und dass sie künftig noch weiter ausgebaut werden muss, betonten während der offiziellen Vorstellung verschiedene Redner in ihren Grußworten.

Dr. Thomas Krössin, Geschäftsführer Akutkrankenhäuser Johanniter-GmbH, unterstrich die Wertschätzung des Fachgebiets, bedauerte aber, dass es immer noch zu wenig Hochschullehrer für den Bereich der Geriatrie gebe. Dr. Ludwig Paull, Kurator des Johanniter-Krankenhauses Rheinhausen, betonte, dass man hochwertige Medizin anbieten wolle, wenngleich das Gesundheitssystem manchmal viele Kopfschmerzen bereite.

Ebenfalls zu Gast war Dr. Ralf Krumpholz, Gesundheitsdezernent der Stadt Duisburg. Er stellte heraus, dass die Stadt die Geriatrie am Standort Rheinhausen zu schätzen wisse und das Krankenhaus mit der Altersmedizin eine wichtige Aufgabe erfülle.

Dr. Karlheinz Lüdtke, Ärztlicher Direktor, ist froh, dass die Abteilung ausgebaut wird. Das Krankenhaus biete somit sämtliche Behandlungen eines ganzheitlichen Konzeptes. Prof. Dr. Ulrich Thiem, Lehrstuhlinhaber „Geriatrie“ der Universitätsklinik Hamburg, befasste sich in seinem Festvortrag mit dem Thema „Altersmedizin – Zukunft der Medizin?“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben