Kabarett

Onkel Fisch: Überlebenstraining in Rumeln-Kaldenhausen

Adrian Engels und Markus Riedinger  sind Onkel Fisch. Im Kulturspielhaus in Rumeln-Kaldenhausen stellten sie jetzt ihr neues Programm vor.

Adrian Engels und Markus Riedinger sind Onkel Fisch. Im Kulturspielhaus in Rumeln-Kaldenhausen stellten sie jetzt ihr neues Programm vor.

Foto: Ulla Michels

Duisburg-Rumeln/Kaldenhausen.   In Duisburg-Rumeln/Kaldenhausen ließen „Onkel Fisch“ Angstschürer alt aussehen. Titel des neuen Programms: „Populisten haften für ihre Kinder“.

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Politik ist öde, verstaubt und viel zu schwierig? Mitnichten. Populisten, so scheint es, kommen in der komplizierten Welt gut klar: Halt bekommen sie vom heiligen Horst aus Bayern, Fake-News-Papst Trump, der gleich seinen Pressesprecher Twitter mitbringt und von Verschwörungstheoretikern, die für alles eine leichte Lösung haben.

Klingt komisch? In der Tat. Das finden auch Adrian Engels und Markus Riedinger alias Onkel Fisch. Das Duo ist bekannt aus dem WDR-Programm: Seit 1994 wirken die beiden als Autoren, Regisseure und Schauspieler. Am Freitag luden sie zur Vorpremiere ihres neuen Programms ins Kulturspielhaus Rumeln ein.

Zuschauer jeden Alters füllten die Reihen und waren gespannt auf eine volle Portion Polit-Kabarett. Allein der Titel des neuen Programms ließ die Gedanken sprudeln: „Populisten haften für ihre Kinder“ erscheint fast als Warnhinweis. Und Adrian Enkels und Markus Riedinger kündigten es gleich zu Beginn an: „Das wird ein satirisches Überlebenstraining für Politikverdrossene!“ Die beiden Herren in den schwarzen Anzügen nahmen die Lage der Nation gnadenlos witzig auseinander.

Bei „Höcke“ macht das brave Hundchen Platz

Das Gelände, das sie betraten, war groß: Gender, Kriminalität, Toleranz und Migration. Auf dem Gelände treibt sich der erste Populist herum: Ein Hund, den Markus Riedinger bellend mimte. „Das ist ein AfD-Wähler“, erklärte Engels. Ein Wachhund? „Eher ein revierorientierter Golden-Naiver“, witzelte Engels.

Das Hündchen schnupperte sich durchs Publikum – und machte beim Ausruf „Höcke“ Sitz. Klar: In einer Welt, in der Helikopter-Eltern an Sankt Martin ihr Kind als fackeltragenden Wikinger betrachten und eine persönliche Feuerschutzfachkraft fordern, kann das Hirn schon mal platzen. Und wenn einem dann noch die Grünen das Schnitzel wegnehmen wollen, steht die Welt Kopf.

Alle 273 Jahre bricht jemand ein

Aber: Alles halb so wild. „Zum Beispiel die gestiegene Kriminalität. Sie warten statistisch 273 Jahre, bis einer bei Ihnen einbricht“, stellte Riedinger klar und nahm den Populisten mit Fakten den Wind aus den Segeln. „Es gibt auch keine CIA-Spezialabteilung für Enkeltricks in Rumeln-Süd.“ Fakten gegen Fremdenhass ging einfach: „Die Chance, in der heimischen Badewanne vom Zitteraal elektrisiert zu werden ist höher, als bei einem Terroranschlag zu sterben.“

Natürlich fehlten beim Politritt des Duos auch die Tanzeinlagen nicht: Da tanzt Orang-Utan Trump mit schlecht sitzendem Haar schon mal mit dem atombetriebenen Pokémon Kim Jong-Un. Aber, Achtung: Beim Tanzen nicht auf die Tellermine treten. Letztlich blieb eine Message: „Man muss mit Populisten reden.“ Wie? „Einfach ‘Hallo’ sagen“, entgegnete das Publikum.

Ein paar Rezepte gegen Hass

Onkel Fisch fassten zusammen: Hallo sagen, Fakten entgegnen und vor allem nicht in Panik ausbrechen, ist das Rezept gegen Hass. Zwischen hysterieabweisenden Survival-Liedern auf der Ukulele und lauten Lachern des Publikums, entstand etwas Besonderes: Jene Stimmung, die Populisten im Lachen untergehen ließ. Bundesweit touren Onkel Fisch nun mit ihrem Programm, das beweist: Humor verbindet und lässt humorlose Angstschürer alt aussehen.

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