Raserszene

Raser-Debatte zu Unfall mit Kind auf einem Zebrastreifen

Auf diesem Zebrastreifen auf der Atroper Straße/Ecke Bertastraße am Marktforum wurde vergangenen Freitag ein Kind angefahren.

Auf diesem Zebrastreifen auf der Atroper Straße/Ecke Bertastraße am Marktforum wurde vergangenen Freitag ein Kind angefahren.

Foto: Foto: elwi

Rheinhausen.  Ein Junge wurde auf einem Zebrastreifen am Hochemmericher Markt in Rheinhausen von einem Auto erfasst. Die Polizei spricht von einer Störerszene.

Es ist Freitagabend, etwa 20 Uhr. Ein achtjähriger Junge will auf der Atroper Straße, Höhe Bertastraße, am Hochemmericher Markt (Seiteneingang zum Marktforum) auf dem Zebrastreifen sicher und ordnungsgemäß mit seinem Fahrrad die Straße überqueren. „Und muss dafür beinahe mit seinem Leben bezahlen“, schreibt am gleichen Abend eine mögliche Zeugin des Unfalls, die sich Bine Schwabenpower nennt, im Internet in der Facebook-Gruppe „Wir sind Rheinhausen“.

Das Kind wird beim Überqueren von dem VW Golf GTI eines 21-Jährigen erfasst und verletzt, der vermutlich zu schnell fuhr, meldet die Polizei am Montag in einer Pressemitteilung (wir berichteten).

„Der Junge hatte Hämatome am Körper und eine Schnittverletzung in der Kniekehle und wurde in ein Krankenhaus gebracht“, zitiert Polizeihauptkommissar Stefan Hausch, Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei der Polizei Duisburg, den Unfallbericht seiner Kollegen vom vergangenen Freitag. Wie lange der Junge im Krankenhaus bleiben musste und ob er neben den äußerlich sichtbaren Verletzungen weitere hatte, „das geht aus der Vorlage zum Unfallhergang nicht hervor“, so Hausch.

Fahrer soll 35 bis 40 Stundenkilometer gefahren sein

Kurz vor der ausgewiesenen Spielstraße rund um den Hochemmericher Markt, auf der nur mit Schrittgeschwindigkeit gefahren werden darf, gilt an dem Zebrastreifen ein Tempolimit von 20 Stundenkilometern. „Die Zeugenaussagen zu der Geschwindigkeit des Golf-Fahrers sind sehr unterschiedlich“, sagt der Beamte. „Er soll zu schnell gefahren sein. Die Angaben der Zeugen liegen zwischen 35 und 40 Stundenkilometern.“

Die mögliche Zeugin des Unfalls schreibt in der Facebook-Gruppe dazu: „Da kommt mir von Richtung Markt dieses verhasste Geräusch ins Ohr. Dieses Geräusch, das mich mittlerweile sofort rasend werden lässt: Es ist der Soundtrack der Rücksichtslosigkeit. Man hört sie nämlich schon von Weitem, weil sie mit röhrenden Auspuffanlagen und Vollgas-Mentalität nach der Aufmerksamkeit lechzen, die ihnen offenbar sonst niemand schenkt.“

In der Internet-Gruppe erhitzt sich nach dem Unfall schnell eine Debatte über eine angebliche Raserszene am Hochemmerich Markt. Die Polizei spricht allerdings vielmehr von „einer Störer- oder Poserszene, die uns durchaus bekannt ist“, so Hausch.

Polizei spricht von einer stadtweiten Störer- und Poserszene

Und die gebe es im gesamten Stadtgebiet an verschiedenen Stellen, wie auf der L1 im Duisburger Norden oder auch auf der Friedrich-Wilhem-Straße in der Stadtmitte. „Wie überall im Ruhrgebiet treffen sich auch hier immer wieder junge, vom Auto faszinierte Menschen, die nicht nur durch Geschwindigkeit, sondern auch durch Lautstärke und anderes ungebührliches Verhalten auffallen“, so der Polizeihauptkommissar.

Auch die Unfallhäufigkeit vor Ort spreche nicht für einen Raser-Schwerpunkt an dieser Stelle in Rheinhausen, so der Polizist: „Von Januar 2017 bis heute ereigneten sich in dem Bereich rund um den Hochemmericher Markt mit Krefelder- und Duisburger Straße, Atroper Straße und den Seitenstraßen Hans-Böckler-Straße, Berta- und Annastraße 17 Unfälle insgesamt – also von Fußgängern, Radfahrern und Autofahrern zusammen. Das wird von uns als unauffällig bewertet. Da gibt es ganz andere Schwerpunkte im Stadtgebiet.“

Die Polizei werde auf den Unfall nun mit mehr Präsenz und stärkeren Kontrollen reagieren, versichert der beamte. „Aber wir werden irgendwann auch wieder andere Schwerpunkte bei unserer Arbeit haben und können leider nicht garantieren, dass so etwas nicht wieder passiert.“

Eine Menge Menschen mit viel Tagesfreizeit im Stadtgebiet

Abstellen lässt sich auch ein anderes Verhalten bei solchen Unfällen leider nicht: Rund 150 Personen, so die Polizei, versammelten sich am vergangenen Freitag umgehend an der Unfallstelle. „Wir erleben solche Schaulustigen, die unsere Arbeit und die der Rettungskräfte nicht nur als Schaulustige beobachten, sondern auch teilweise massiv behindern, leider tagtäglich“, sagt Stefan Hausch. „Wir haben in Duisburg eine Menge Menschen mit viel Tagesfreizeit.“

Die Kollegen, die am vergangenen Freitagabend zuerst an der Unfallstelle an der Atroper Straße eingetroffen seien, hätten daher sofort Verstärkung angefordert, um eine umgehende und ungestörte Versorgung des Unfallopfers sicher zu stellen. „Und auch um eine Eskalation der Situation zu verhindern“, so der Polizeihauptkommissar. Dass die Beamten dabei massiv beschimpft wurden, wie in den Beiträgen der Internet-Gruppe zu lesen ist, ahndeten die Polizisten allerdings nicht. „Die Duisburger Polizisten haben da mittlerweile ein dickes Fell“, weiß der Beamte. „Die Kollegen waren ja nicht dort, um den Leuten Manieren beizubringen. Wenn wir diese Beleidigungen in Duisburg jedes Mal sanktionieren würden, wären wir nur damit allein den ganzen Tag beschäftigt.“

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