Gastronomie

Rheinhausen: Im Stellwerkhof gehen die Lichter aus

Ein bitterer Job: Freddy Driesen räumt die Stühle weg. Er rechnet damit, dass das für Monate so bleiben wird und dass er vielleicht auch nie wieder öffnen kann. Der Stellwerkhof gehört ihm. Er würde das Gebäude für die Behandlung von Corona-Kranken zur Verfügung stellen.

Ein bitterer Job: Freddy Driesen räumt die Stühle weg. Er rechnet damit, dass das für Monate so bleiben wird und dass er vielleicht auch nie wieder öffnen kann. Der Stellwerkhof gehört ihm. Er würde das Gebäude für die Behandlung von Corona-Kranken zur Verfügung stellen.

Foto: Ulla Michels / FUNKE Foto Services

Duisburg-Rheinhausen.  Der Wirt des beliebten Stellwerkhofs in Rheinhausen hat allen Mitarbeitern kündigen müssen. Das Frühjahr wäre für ihn sonst Hochsaison gewesen.

Freddy Driesen hat bereits zur drastischsten aller Möglichkeiten gegriffen und seinen Mitarbeitern gekündigt. „Das ist die einzige Chance, um irgendwie über die Runden zu kommen“, sagt der Inhaber des Restaurants Stellwerkhof in Friemersheim. Am Mittwochnachmittag mussten wegen des Coronavirus auch die Gastronomiebetriebe in Duisburg schließen. Driesen rechnet damit, dass das monatelang so bleibt und er nie wieder öffnen kann.

Die Verluste sind bereits jetzt groß: „Normalerweise haben wir im Frühjahr Hochsaison. Die ganzen Hochzeiten, Geburtstage, Kommunionen, Konfirmationen – das wurde alles abgesagt“, sagt Driesen resigniert. „Ein regelmäßiger Gast waren außerdem die Mitarbeiter des Chemparks, die veranstalteten öfter mal ihre Teamtage hier. Auch das fällt weg.“

Die Devise lautet deswegen: Kosten sparen, wo es nur geht. Am Donnerstag kündigte Driesen all seinen Mitarbeitern, vier festangestellten und sechs geringfügig beschäftigten Arbeitskräften. Sogar die Mülltonne hat er abgemeldet. „Jetzt muss ich nur die monatliche Rate an die Bank bezahlen und die Grundsteuer. Das Grundstück und das Gebäude gehören uns zum Glück. Jemand, der jetzt noch Pacht bezahlen müsste, hätte es ganz schwer“, sagt er. „Vier Wochen würden wir sicher durchhalten, aber was, wenn wir noch sechs Monate geschlossen haben müssen?“Hier gibt es mehr Artikel aus dem Duisburger Westen

Driesen und seine Frau haben sich dagegen entschieden, ihren Betrieb mit einem Lieferservice aufrecht zu erhalten, wie es viele Restaurants in diesen Tagen tun. „Das geht 14 Tage gut, danach nutzt das niemand mehr. Auch Essen zum Mitnehmen anzubieten bringt nichts. Dazu liegen wir zu weit außerhalb“, glaubt er.

Die Idee mit der Gulaschkanone

Seine Idee: Eine Gulaschkanone auf dem Friemersheimer Marktplatz. „Das würden wir hier produzieren und die Leute könnten sich das vor Ort abholen. Auch mit dem vorgeschriebenen Sicherheitsabstand, das wäre alles machbar“, meint Driesen. Das Problem: „Die rechtliche Lage dazu ist unklar. Ich müsste einen Antrag beim Ordnungsamt einreichen, aber die sind momentan völlig überlastet. Die Feuerwehr müsste ebenfalls eine Stellungnahme abgeben. Das ist viel zu viel Bürokratie im Moment“, sagt Driesen. „Eigentlich ist das schade, denn Friemersheim hat abgesehen von den Supermärkten keine gute Versorgung.“

Hilfe lässt auf sich warten

Unterstützung zu bekommen, sei momentan kein leichtes Unterfangen. „Wir waren schon beim Steuerberater und beim Arbeitsamt. Die Landesregierung verspricht schnelle Hilfe, aber nichts passiert“, klagt er. Auch mit dem angekündigten Kurzarbeitergeld laufe es nicht wie gedacht. „Da fließen viele Abzüge mit ein, am Ende hat man stattdessen Verluste.“

Dennoch hat Driesen lobende Worte für die Verwaltung übrig: „Ich habe den Eindruck, die machen seit dem Ausbruch des Virus gute Arbeit. Beispielsweise haben sie mir eine Mail mit Hilfsangeboten geschickt, ohne dass ich darum gebeten hätte. Wir werden nicht allein gelassen“, unterstreicht er.

Ein Lazarett im Lokal?

„Aber ich glaube, die Kommunikation der Ämter untereinander funktioniert nicht.“ In der Nacht zu Freitag kam noch ein weiteres Problem hinzu: „Jemand hat versucht, in den Stellwerkhof einzubrechen. Derjenige ist aber schon am Eingangstor gescheitert.“

Falls nötig, will Driesen sein Lokal übrigens der Stadt zur Verfügung stellen. „Das sind große, überdachte Flächen. Da könnte man vielleicht ein Lazarett einrichten“, sagt er und stellt klar: „Die Gesundheit geht vor, deswegen ist es selbstverständlich, weiterhin zu helfen.“

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