Kunst

Rheinhauser Museum gedenkt dem Künstler Volkram Anton Scharf

Sabine Haustein (l.) und Jutta Hetger vom Museum St. Laurentius vor Ölgemälden mit Familienmotiven.

Sabine Haustein (l.) und Jutta Hetger vom Museum St. Laurentius vor Ölgemälden mit Familienmotiven.

Foto: Volker Herold

Duisburg-Rheinhausen.   St. Laurentius in Friemersheim widmet dem fast vergessenen Künstler eine Ausstellung. Rund 50 Arbeiten des Malers und Bildhauers sind zu sehen.

„Erst der Tod konnte ihm den Zeichenstift aus der Hand nehmen“, so steht es in einer Denkschrift über den Duisburger Künstler Volkram Anton Scharf. Auch deswegen weil er gelähmt und über 80 Jahre alt noch etwa 200 Skizzen anfertigte, die seinen körperlichen Verfall dokumentierten. Jetzt ist eine Sonderausstellung mit etwa 50 Exponaten des Rheinhauser Malers und Bildhauers im Museum St. Laurentius an der Martinistraße in der Friemersheimer Eisenbahnsiedlung zu sehen.

Sabine Haustein vom Museum: „Es gab nur wenige Ausstellungen dieses in Vergessenheit geratenen Künstlers und wir wollen die Erinnerung an ihn wachhalten, vielleicht findet sich auch ein Kenner, der ein Werksverzeichnis über ihn anlegt.“ 2006 zu seinem 100. Geburtstag gab es eine Ausstellung in der Galerie der Bezirksbibliothek.

Bühnenbilder für das Düsseldorfer Schauspielhaus

Volkram Anton Scharf ist einzigartig, weil er sich mit vielen Kunsttechniken, vom Aquarell über Ölbilder bis zu Kunst am Bau, auseinandersetzte und immer versuchte, der Gestaltungsform auf den Grund zu gehen und „den schöpferischen Gedanken und das Formale dabei in Einklang zu bringen.“ Die künstlerische Wurzel liegt im „rheinischen Expressionismus“, denn er war um 1930 ein Schüler von Heinrich Campendonk und Wilhelm Herberholz an der Düsseldorfer Kunstakademie.

Weiterhin gestaltete er am Düsseldorfer Schauspielhaus mit Werner Schramm Bühnenbilder und wandte sich vom Expressionismus zum abstrahierenden Realismus. Märchen spielen im Gesamtwerk, das bis heute von der Nachlassverwalterin Iduna Schnepf-Scharf, seiner Tochter, noch nicht überschaut werden kann, eine wichtige Rolle.

Zu sehen sind in St. Laurentius zwölf Aquarelle mit russischen Märchenmotiven, die von 1924 bis 1926 entstanden sind, „Sie sehen aus wie ein Bühnenbild als Miniatur, so detailverliebt hat Scharf sie gestaltet“, sagt Sabine Haustein. Eine Art metaphysisch-expressionistisches Weltbild lässt sich unweit in dem „Großen Märchenbild“ erkennen. Daneben hängen Aquarelle, die das Rheinhauser Krupp-Hafen-Becken um 1936 zeigen oder einen alten Mühlenbetrieb abbilden.

Zeitlebens ist Volkram Anton Scharf viel gereist. „Es war so, dass er als Schiffsjunge anheuerte, um eine Mitfahrgelegenheit über See zu bekommen“, weiß Sabine Haustein. So verschlug es ihn nach Asien. Von dort stammen die Aquarelle „Drei Frauen“ oder „Die japanische Weberin“.

Mit dem Wanderstab nach Italien

An die Reise nach Italien erinnert das Ölbild „Sandalen“, bezeichnend mit einem Wanderstab, der neben den Schuhen liegt. „Nach Italien ist er wirklich gewandert, Scharf war in Rom, Florenz und Messina, teilweise bei befreundeten Künstlern“, weiß Haustein.

Viele Porträts zieren die Ausstellung: So sind einige von seiner Tochter Iduna als Kind zu sehen, von seiner Frau Ida Scharf, aber auch von Ernst Barlach und dem Krefelder Architekten Karl Buschhüter, dessen Schüler er war und mit dem er befreundet war. Vom großen Philosophen Friedrich Nietzsche hat Scharf einen Gipskopf entworfen. „Er war nicht nur als Maler, sondern auch als Bildhauer tätig“, weiß Sabine Haustein.

Ein Quer- und Gegendenker

Volkram Anton Scharf war ein Quer- und Gegendenker. 1933 wurde er kurzfristig von den Nazis verhaftet, weil seine Kunst als entartet galt, wurde er 1936 mit dem Berufsverbot belegt. 1940 wurde er eingezogen für den Dienst bei der Wehrmacht. 1947 kehrte er aus der Kriegsgefangenschaft zurück, ließ sich in Rheinhausen-Oestrum nieder. Seit 1948 lud er zu den „Cirkel-Abenden“ alle zwei Wochen donnerstags in sein Wohnhaus, das später zur „Sammlung Ostarhem“ wurde, ein, und hielt dort Vorträge über Kunst. Später wirkte er als Volkshochschullehrer oder als Kunstlehrer an den Rheinhauser Gymnasien.

„Er hatte eine Art, den Schülern auf mitreißende Weise Kunsttechniken beizubringen“, weiß Sabine Haustein von Augenzeugen. Auch die Rheinhauser 3D-Straßenmalerin Marion Ruthardt, die gerade wieder auf einem großen Festival in Florida malt, kennt ihn noch aus der Schulzeit, sie sagt: „Ich habe viel von ihm gelernt.“

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Volkram Anton Scharf wurde am 9. September 1906 in Duisburg geboren und starb am 10. April 1987. Auch für seine Kunst am Bau ist er bekannt. So gestaltete er in den 1950er-Jahren das Natursteinmosaik „Daphne“ für das ehemalige Stadttheater Rheinhausen. Nach dem Abriss der Kulturstätte ist das Mosaik ins Willy-Brandt-Kolleg an der Krefelder Straße verlegt worden. Auch ein Treppengeländer in der Friemersheimer Dahlingschule mit Motiven der „Bremer Stadtmusikanten“ gestaltete der Oestrumer Künstler.

Die Ausstellung dauert noch bis zum 7. Oktober.

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