Schulzeit

Rheinhauser sucht nach 66 Jahren seine ehemaligen Mitschüler

Jürgen Fritz vor seiner ehemaligen Schule in Duisburg-Friemersheim. Er würde seine ehemaligen Klassenkameraden sehr gern wiedersehen.  Foto:

Jürgen Fritz vor seiner ehemaligen Schule in Duisburg-Friemersheim. Er würde seine ehemaligen Klassenkameraden sehr gern wiedersehen. Foto:

Foto: Volker Herold / FUNKE Foto Services

Duisburg-Rheinhausen.  Jürgen Fritz wurde 1953 mit 52 anderen Kindern in die evangelische Volksschule an der Geeststraße eingeschult. Jetzt plant er ein Klassentreffen.

Jürgen Fritz sitzt gemütlich im Sessel seines Wohnzimmers an der Walter-Rathenau-Straße und erinnert sich: An seine Kindheit, die Jugend, die Schule, und vor allem an einen: an Klassenlehrer Johann Kuckes „Der war ein ganz harter Hund, vor dem hatten wir alle Respekt. Aber er hat auch viel für uns getan“, sinniert der ehemalige Ratsherr für Friemersheim grinsend. Nun, 66 Jahre nach seiner Einschulung, möchte er gerne wissen, ob es noch andere Ehemalige gibt, die Lust haben, sich einen Abend lang gemeinsam mit ihm zurückzuversetzen.

Jürgen Fritz würde gern auf Zeitreise zurück ins Jahr 1953 gehen

Zurück ins Jahr 1953, zurück in die evangelische Volksschule an der Geestraße in Rheinhausen. Dorthin, wo sie gemeinsam vor Kuckes gezittert haben, aber auch jede Menge von ihm gelernt haben. Nämlich Respekt, Wertschätzung und Geradlinigkeit. Es soll aber auch zurückgehen zu den vielen Klassenfahrten, die der damalige Rektor und Klassenlehrer mit den Kindern unternommen hat. „Johann Kuckes war damals Ratsherr in Rheinhausen und SPD-Mitglied. Deshalb hatte er gute Verbindungen zu den ganzen Bildungsstätten. Wir waren in Bad Honnef, in Stenden und auf Wangerooge“, erzählt Jürgen Fritz.

Das Radio übertrug das WM-Spiel Deutschland gegen Schweden

Nun blitzt der Schalk in den Augen des zweifachen Großvaters auf: „Wir waren gerade auf Klassenfahrt, als 1958 das Fußball-WM-Spiel Deutschland gegen Schweden im Radio live übertragen werden sollte. Für uns Jungs war das natürlich das Größte. Doch irgendwie hatten wir uns den Ärger von Kuckes zugezogen“, erinnert Fritz sich.

Das Ergebnis dieses Missfallens war, dass die Jungs kurzerhand in die Jugendherbergsküche zum Kartoffelschälen verbannt wurden. Ohne Radio versteht sich. „Wir waren so traurig und sauer, das weiß ich noch wie heute. Doch dann hatten wir Glück.“ Glück in Form von Solidarität, Mitgefühl und Klassenzusammenhalt. Denn kurz vor Anpfiff kamen die Mädchen aus Fritz Klasse in die Küche und haben die Jungs heimlich abgelöst, so dass die Fußballfans doch nichts verpasst haben.

Eine nette Geste der Solidarität, früher nicht unbedingt ungewöhnlich. „Das waren ganz andere Zeiten damals. Wir kamen ja alle aus derselben Ecke und haben uns ständig gesehen. Auch unsere Eltern kannten sich untereinander“, erzählt der 72-Jährige weiter.

Anstatt in die Kirche ging Jürgen lieber zu Spielen des MSV

Und vor allem kannten sich die Eltern und die Lehrer, denn auch Herr Otschick, der erste Klassenlehrer, den der 1953er Jahrgang hatte, wohnte direkt im Viertel, keine 200 Meter von Jürgen Fritz heutiger Wohnung entfernt. „Damals traf man sich ständig im Verein oder auf der Straße und es war völlig normal, dass die Eltern im Vorbeigehen fragten, ob in der Schule alles in Ordnung sei.“

Da blieb natürlich nicht viel geheim. Jürgen Fritz bekam das vor allem beim Kindergottesdienst zu spüren, denn statt in die Kirche, ging der glühende MSV-Anhänger in gebetsmühlenartiger Regelmäßigkeit lieber zum Fußball und kassierte genauso regelmäßig dafür heimische Prügel. „Prügel waren damals sowieso so eine Sache“, sinniert Fritz. Seiner Erinnerung nach hatte Rektor Kuckes die Eltern damals gefragt, ob er auf erzieherische Maßnahmen zurückgreifen könne. Das Ergebnis war einstimmig - und deshalb setzte es für einige öfter auch saftige Prügel mit dem Rohrstock.

Ein guter Schüler war er damals nicht

Fritz selbst hat von seinem Lehrer nur ein einziges Mal etwas abbekommen. Das reichte aus, um künftig regelmäßig Hausaufgaben zu machen und ordentlich dem Unterricht zu folgen. „Ein guter Schüler war ich nicht“, gibt er zu. Während der Ausbildung zum Chemielaboranten musste er vieles in Seminaren und an der Abendschule nachholen. Doch den Job vermittelt hat ihm sein Rektor. „Der war zwar streng, hat sich aber um seine Schüler auch gekümmert. Allen hat er bei der Lehrstellenvermittlung geholfen und aus allen ist später auch etwas geworden.“

Und vor allem einer ist in die Fußstapfen des 1964 bei einem Autounfall tödlich verunglückten Rektors getreten. Nämlich Jürgen Fritz. „Er hat uns natürlich auch in besonderem Maße die Politik nähergebracht. Und das hat mich dann immer und immer mehr fasziniert. 1989 saß ich als Ratsherr schließlich auf demselben Stuhl wie Johann Kuckes ein paar Jahrzehnte vor mir.“

Wer also gemeinsam mit Jürgen Fritz die Vergangenheit noch einmal aufleben lassen möchte, der meldet sich einfach.

>>>Der Kontakt zu Jürgen Fritz <<<

Jürgen Fritz sucht ehemalige Mitschüler für sein Klassentreffen des Einschulungsjahrgangs 1953 und 1954 der evangelischen Volksschule Geestraße Rheinhausen, Geestraße 1, 47229 Duisburg

Kontakt zu Jürgen Fritz: per E-Mail: erich-juergn.fritz@web.de) oder 02065-40565.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben