Kohlekraft

Rheinhauser Umweltschützer klagen Venator an

Blick von oben auf die Firma Venator in Duisburg-Homberg. Umweltschützer kritisieren ein Braunkohlekraftwerk, das der werkseigenen Stromversorgung dient.

Blick von oben auf die Firma Venator in Duisburg-Homberg. Umweltschützer kritisieren ein Braunkohlekraftwerk, das der werkseigenen Stromversorgung dient.

Foto: Hans Blossey / www.blossey.eu

Duisburg-Homberg.  Auf dem Gelände des Duisburger Chemieunternehmens liegt ein Braunkohlekraftwerk. Man sei bereits mit Alternativen befasst, heißt es bei Venator.

Forscher warnen vor den Folgen der Erderwärmung, gerade wieder im Rahmen der Weltklimakonferenz. Bis 2038 sollen in Deutschland alle Kohlekraftwerke vom Netz, um den Ausstoß von Kohlendioxid zu verringern. Da wird es Zeit, allmählich mit der Umrüstung zu beginnen, fordern Umweltschützer im Duisburger Westen. Die Kritik richtet sich gegen die Firma Venator, die seit den 70ern in Homberg ein Braunkohlekraftwerk betreibt.

Im Gegensatz zu Anlagen der RWE in Weisweiler oder Neurath ist es klein. Während die Leistung in Weisweiler rund 2450 Megawatt beträgt, sind es in Homberg knapp 30 Megawatt. Dennoch würden jährlich rund 250 000 Tonnen des schädlichen Treibhausgases CO2 plus einiger Tonnen Feinstaub emittiert, so Norbert Bömer vom Bündnis Saubere Luft. „Und kaum jemand spricht darüber.“ Obendrein gefährde, wer nicht rechtzeitig investiere, Jobs.

Die Energiewende fordert Investitionen in Millionenhöhe

Die Kohle-Debatte kommt zum ungünstigen Zeitpunkt. Vor wenigen Wochen wurde öffentlich, dass auch das Homberger Chemieunternehmen, das größte der zum US-Konzern gehörenden Venator-Gruppe, unter der kriselnden Weltwirtschaft leidet. Wie berichtet, sollen 180 der 1000 Stellen abgebaut werden. Umstrukturierungen, so heißt es aus dem Werk, stünden bevor.

Trotzdem weiß man: Die Energiewende fordert Investitionen in Millionenhöhe. Venator sei mit der Angelegenheit befasst, sagt Standort-Chef Jürgen Koy. „Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst.“ Derzeit prüfe ein Team aus Bauingenieuren und Energiemanagern Alternativen zur Kohle, „wir suchen eine Lösung, die nachhaltig und wirtschaftlich ist.“ 1989 war die Dünnsäure-Recyclinganlage auf dem Firmengelände die erste in Europa. „Und darauf sind wir noch immer stolz.“

Rund 1500 Homberger wohnen im Umkreis des Chemieunternehmens

Denkbar sei die Umstellung der betrieblichen Stromerzeugung auf Biogas oder andere natürliche Ressourcen. Da sei man „ergebnisoffen“, so Koy. „Man muss bedenken: Welches sind die besten Technologien? Und: Was wird gefördert?“ Die Umrüstung ist in jedem Fall ein Großprojekt, „schon deshalb, weil wir ja weiter produzieren müssen.“

Die Umwelt-Auflagen, betont er, sind jetzt schon hoch. Gerade wegen der Nähe zum Wohngebiet, rund 1500 Homberger leben im Umkreis. Die Bezirksregierung als Meldebehörde sorge für die dauerhafte Überwachung der Emissionswerte. In einem firmeneigenen Prozessleit- und Kontrollsystem werde der Schadstoffausstoß ständig dokumentiert. Dabei würden die gesetzlichen Grenzwerte sogar unterschritten, heißt es. Rund 80 Venator-Mitarbeiter sind im weiteren Sinn mit dem Kraftwerk beschäftigt, schätzt Betriebsmanager Klaus Pilger. Vor Ort gibt’s einen 24-Stunden-Betrieb: drei Schichten, jeweils drei Mann.

1989 wurde das Werk auf das Prinzip Kraft-Wärme-Kopplung umgerüstet

Das Klima habe man bereits länger im Blick, schildert Pilger. 1989 wurden Titandioxidfabrik und Kraftwerk erweitert. Schon damals stellte die Firma auf das Prinzip Kraft-Wärme-Kopplung um. Hierbei wird ähnlich wie beim Auto parallel Strom und nutzbare Wärme erzeugt - die Energie, die durch die Verbrennung entsteht, wird dafür umgeleitet und ins Fernwärmenetz eingespeist. Die Effektivität sei viel höher als bei herkömmlichen Kraftwerken, betont Pilger. Etwa 80 Prozent der produzierten Energie werden genutzt. Außerdem verringere das Verfahren den CO2-Ausstoß um die Hälfte. Mit der Abwärme der betrieblichen Schwefelsäureproduktion versorge die KWK-Anlage rund 600 Haushalte mit Fernwärme. Spezielle Filter, im Prinzip wie in einer Fritteuse, sorgten für möglichst geringe Emissionen. Als Brennstoff dient Wirbelschichtbraunkohle, die für die KWK-Technologie entwickelt wurde.

Klaus Pilger ist ein lockerer Typ. Er kennt das Werk wie seine Westentasche. Bereits sein Vater arbeitete für das Unternehmen. Das Homberger Kraftwerk sei klein, führt er noch einmal an. „Also für uns wird der Hambacher Forst nicht abgeholzt. Was hier täglich verfeuert wird, fällt bei Rheinkohle vom Band.“

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Das Braunkohlekraftwerk der heutigen Firma Venator liegt an der Dr.-Rudolf-Sachtleben-Straße in Homberg. Es wurde 1971 in Betrieb genommen und 1989 umgerüstet und erweitert.

Neben dem Chemieunternehmen betreibt in Duisburg auch die Steag auf der ehemaligen Haldenfläche in Walsum ein Heizkraftwerk, das mit Steinkohle betrieben wird

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