Regionalplan Ruhr 2019

Rheinhauser Umweltschützer protestieren gegen Flächenplan

Zwei Initiativen, ein Ziel. Norbert Bömer und Gisela Komp ziehen an einem Strang. Sie wollen eine weitere Reduzierung der Duisburger Grünflächen verhindern. Am Mittwoch, 6. Februar, 18 Uhr, laden sie zur Informationsveranstaltung rund um den neuen Regionalplan Ruhr.

Zwei Initiativen, ein Ziel. Norbert Bömer und Gisela Komp ziehen an einem Strang. Sie wollen eine weitere Reduzierung der Duisburger Grünflächen verhindern. Am Mittwoch, 6. Februar, 18 Uhr, laden sie zur Informationsveranstaltung rund um den neuen Regionalplan Ruhr.

Foto: Volker Herold

Duisburg-Rheinhausen.   Umweltinitiativen im Duisburger Westen befürchten einen Schwund der Grünflächen des Essenberger Bruchs und die Wiederbelebung einer Deponie.

2200 Seiten, vier Aktenordner voller Pläne und Skizzen: Der neue Regionalplan Ruhr ist ein Mammutwerk. Acht Jahre hat es gedauert und etliche politische Debatten - jetzt liegt der Kompass für die künftige Flächenpolitik des Ruhrgebiets auf dem Tisch. Nach Jahrzehnten gibt es erstmals einen einheitlichen Flächenplan, der die Marschroute für die nächsten 15 bis 20 Jahre vorgeben soll. Viel Stoff also - auch für Widerspruch. Am Mittwoch, 6. Februar, 18 Uhr, laden die Umweltverbände des Duisburger Westens zum Info-Abend mit Debatte rund um die aktuellen Planungen für das Gebiet des Essenberger Bruchs. Zuhörer werden vor Ort mit vorgefertigten Widersprüchen versorgt.

Denn die Zeit drängt, weiß Norbert Bömer als Vorsitzender der Bürgerinitiative Saubere Luft. Bis Ende Februar kann Widerspruch gegen die Pläne eingelegt werden. „Und es geht um aktuell eine der größten Grünflächen der Stadt.“ Als Gast wird Johannes Meßer, Baumexperte des Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) und Vorsitzender des Beirats der Unteren Naturschutzbehörde Duisburg bei der Veranstaltung erwartet. Er steht auch für das Unterthema „Alleenkonzept für Duisburg“ zur Verfügung. „Regionalplan Ruhr – Deponiepläne und neuer Flächenfraß für Rheinhausen?“, ist der Abend übertitelt.

Die Frischluftschneise ist verschwunden

Für die Umweltverbände ist der Essenberger Bruch kein neues Betätigungsfeld. Bömer: „Das hatten wir alles schon mal!“ Gisela Komp, Sprecherin des Mitveranstalters, der Umweltgruppe West, stimmt zu. Sie hat Artikel aus den 80ern dabei. Schon damals rangen Naturschützer um das Gebiet in Asterlagen - eine Auseinandersetzung, die 1990 mit dem Bau des Businessparks ein vorläufiges Ende fand. Damals wurden Kompromisse geschlossen, etwa was die Lage und Höhe der Gebäude betrifft, erinnert Bömer. Ein Drittel des Essenberger Bruchs wurde bebaut.

Seit vorigen Sommer gibt es nun neue Ideen. Der Regionalplan Ruhr gibt den Kommunen verbindlich vor, wo im Ruhrgebiet künftig Wohnen, Gewerbe, Landwirtschaft, Naherholung und Verkehr möglich sein werden. Festgeschrieben sind auch so genannte Kaltluftschneisen, die frische Luft in die Ballungsräume leiten sollen. Und genau die sehen Bömer und Komp jetzt in Gefahr.

Mehr Gewerbe im Essenberger Bruch

An zwei Punkten stoßen sich die Bürgerinitiativen. Da ist zum einen das Gelände rechts vom Businesscenter, die Ackerflächen östlich Essenberger Straße bis zum Deich. Es soll künftig als Gewerbegebiet ausgewiesen werden, teilt Bömer mit. Im alten Landesentwicklungsplan galt der Bereich noch als Frischluftschneise Richtung City - im Abschnitt Klimaanpassung des Regionalplans tauche diese nun nicht mehr auf.

Laut einem Gutachten des Deutschen Wetterdienstes, das die Umweltgruppe in Auftrag gegeben hat, eine Fehlentscheidung, führt Bömer aus. Weitere Sorgen macht ihm die ehemalige Deponie südlich der A40. Hier deponierte die Chemiefirma Sachtleben, heute Venator, früher ihre Abfälle. Heute ist das Gelände begrünt.

Einsatz für kommende Generationen

Im neuen Regionalplan taucht die Deponie aber wieder auf. Zwar als „stillgelegt“ - dennoch befürchten Umweltverbände eine Wiederbelebung. Bömer: „Die Verwaltungsvorschriften lassen das theoretisch zu. Und die Regionalplanung ist dringend auf der Suche nach Deponieflächen.“ Auch angesichts der Debatte über die Lohmannsheide könne das Areal durchaus als Alternative herhalten, fürchtet er. Die Umweltgruppen fordern nun, dass sich die Stadt und die Firma Venator verbindlich festlegen, was künftig mit dem Gelände geschieht.

Bei der Debatte am Mittwoch hoffen die Veranstalter auf viele Zuhörer und bestenfalls auf Mitstreiter. Bömer wird nicht müde, auf die Bedeutung des Umweltschutzes auch auf lokaler Ebene zu pochen. „Der neue Regionalplan ist für die künftigen Generationen bestimmt. Mit einer solchen Hypothek sollten wir sie nicht belasten.“

>>> Darum geht es bei der Versammlung <<<

Die Umweltgruppe West und die Bürgerinitiative Saubere Luft e.v. laden am Mittwoch, 6. Februar, 18 Uhr, zur Debatte. Thema: „Regionalplan Ruhr – Deponiepläne und neuer Flächenfraß für Rheinhausen ? 30 Jahre weiter so wie bisher ? Klimawandel – War da was ?“ Außerdem geht es um das Alleenkonzept für Duisburg und die Frage: „Droht ein neuer Baumkahlschlag?“

Treffpunkt ist das Alte Pastorat an der Dorfkirche, Friemersheimer Straße, 47229 Duisburg

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