Kunst in der Bibliothek

Rückkehr nach Rheinhausen mit Hindernissen

Die Fotokünstlerin Petra Klein, hier vor ihrem Werk „Dream Land“, das extra für die Ausstellung entstanden ist.

Die Fotokünstlerin Petra Klein, hier vor ihrem Werk „Dream Land“, das extra für die Ausstellung entstanden ist.

Foto: Ulla Michels / FUNKE Foto Services

Duisburg-Rheinhausen.  Petra Klein wuchs in Rheinhausen auf. Jetzt zeigt sie ihre Kunst in der Bibliothek. Dies ist gleichzeitig die Wiedereröffnung des Kunstkabinetts.

Die Rückkehr in ihre Heimat hatte Petra Klein sich anders vorgestellt. Als sie ihre Ausstellung vor vielen Monaten plante, dachte sie noch an eine richtige Vernissage. „Mit vielen Gästen, Musik, Schnittchen und Rednern“, erzählte sie. Doch daraus wird wegen Corona nichts. Jetzt gibt es eine abgespeckte Eröffnung mit kleinen Führungen statt der großen Kunstbetrachtung, kontemplative Stille statt Party-Atmosphäre. Aber Hauptsache, das Kunstkabinett kann wieder eröffnen!

Rainer Schmidt von der Bezirksbibliothek berichtete eingangs von einer erheblichen Angst vor einer Ansteckung, die er nach wie vor bei vielen Menschen spüre. „Aber sie merken auch, dass durch die Zwangspause der Kultur etwas verloren gegangen ist.“

Ausstellung bei der Landesgartenschau in Kamp-Lintfort

Gestern kam die Künstlerin mit ihrem Mann aus ihrer Wahlheimat Moers über die Stadtgrenze, um die Schau vorzustellen. „Petra Klein - Fotokunst“ heißt diese denkbar bescheiden und gibt Aufschluss darüber, „was Fotografie alles kann und darf“, so sagt Klein. Sie ist froh, dass sie wieder raus kann aus dem Atelier. Aktuell ist sie auch an einer Gruppenausstellung im Rahmen der Landesgartenschau im Kloster Kamp beteiligt und macht dort ein großes Publikumsinteresse aus. „Der Drang, Kunst zu sehen, ist derzeit riesig.“

Auf Rheinhausen hat sich die 1958 geborene Autodidaktin besonders gefreut. Weil der große helle Raum des Kunstkabinetts ausreichend Platz bietet, um einen Querschnitt ihrer Arbeiten zu zeigen. Und weil sie aus dem Duisburger Westen stammt und gleich gegenüber der Bezirksbibliothek aufgewachsen ist. „Als Kind und Jugendliche war ich ständig hier.“

Rund 40 Arbeiten auf Leinwand sind ab heute zu sehen. Sie skizzieren exemplarisch und „mit Liebe komponiert“ (Rainer Schmidt) den Weg der Petra Klein durch die weite Welt der Fotokunst. Diese bestehe für sie aus „sehen, konzentrieren, komponieren, fokussieren, dokumentieren, abstrahieren und experimentieren“, fasst Klein zusammen.

Am Anfang war das Reisen

Angefangen hat alles auf Reisen. Mit neugierigen, wachen Blicken, die auch hinter die Fassaden fielen. Schwarz-Weiß-Aufnahmen zeigen ein verwittertes „Saint Tropez von hinten“. Daneben entdeckt man Mädchen, „Schwestern“ auf Mallorca, die mit Rollschuhen auf einer Bank sitzen. Bildnerische Nachbarn: zwei Männer in Berlin-Kreuzberg mit Bierflaschen in bester Feierabend-Laune.

Gleichgültigkeit und Ignoranz

Später beginnen sie dann, die digitalen Experimente. „Menschen im Museum“ ist so eine Serie, die mit Licht-, Farb- und anderen Effekten spielt, ein bisschen Showtime, aber schön: Szenen aus Berlin, Hamburg, Düsseldorf. Staunende Besucher, Studenten mit Blöcken. Kunstbetrachtung wird zum Kunstobjekt. Je neuer die Arbeiten sind, desto weiter entfernen sie sich von klassischer Fotografie, desto mehr packt Kollege Computer mit an. In „Waiting for“ wird ein Selbstporträt der „Schmerzensfrau“ Marina Abramović mit alltäglichen Aufnahmen wartender Menschen kombiniert. Während die serbische Performancekünstlerin ihren Finger mit stoischer Miene mit einer Kerze verbrennt, lümmeln sie sich gleichgültig in ihren Sesseln.

Wer genau hinschaut erkennt Dalí und die junge Brigitte Bardot

Ein paar Schritte später funkelt bunt und provokant ein Berg zerknautschter Dosen. Ein Beitrag zur Wegwerfgesellschaft, der zum Thema „Grün“ für die Landesgartenschau entstand. Wenig weiter hängt ein mehrteiliges Werk, das in die gleiche Richtung zielt. Gesichter lösen sich in Wiesen- und Waldstrukturen auf, wer genau hinschaut, erkennt Salvator Dalí und die junge Brigitte Bardot. Die Natur überdauert den Menschen, trotz allem - vielleicht.

Hier gibt es mehr Artikel aus dem Duisburger WestenGanz und gar abstrakt am Ende ihre „Großstadt“-Bilder. Häuser aus Papier fliegen förmlich vorbei. Meer, Sand und Wind mischen sich zum „Traum“ in Pastell. Ihren persönlichen Traum lebt Klein übrigens seit ihrem 53. Lebensjahr. Damals gab ihren Job im Qualitätsmanagement einer großen Firma auf und widmete sich ganz der freien Kunst. Und? Es hat geklappt. „Die Entscheidung habe ich nie bereut.“

>>>>>Führungen im kleinen Kreis<<<<<

Die Ausstellung ist bis zum 29. Oktober im Kunstkabinett in der Bezirksbibliothek, Händelstraße 6, zu sehen.

Führungen starten am heutigen Samstag und am 26. September und 24. Oktober, jeweils im Stundentakt von 10 bis 13 Uhr. Die Teilnahme ist begrenzt. Eine verbindliche Anmeldung ist erforderlich (02841 42438 oder per E-Mail: petra@klein2.de)

Bei einem Ausstellungsbesuch gelten die üblichen Corona-Abstands- und Schutzregeln, eine Mund-Nase-Bedeckung ist Pflicht

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