Stadtplanung

SPD im Bezirk Homberg will Baerls grünes Image bewahren

Der grüne Stadtteil von oben: Blick auf Duisburg-Baerl mit dem Lohheider See.

Der grüne Stadtteil von oben: Blick auf Duisburg-Baerl mit dem Lohheider See.

Foto: Hans Blossey / www.blossey.eu

Baerl.  Ein Bebauungsplan für die Schulstraße in Baerl sorgt für Diskussionen. Die CDU schlägt sich auf die Seite der Kirche, die SPD hält dagegen.

Baerl boomt. Und das wirft Probleme auf. Einerseits schmückt es die Stadt, wenn sie etwa jungen Familien dörfliche Wohnstrukturen bieten kann - andererseits drohen gerade diese durch die Beliebtheit des Stadtteils verloren zu gehen. Und so sorgte die Bebauung von Duisburgs nördlichstem Stadtteils bei der Sitzung der Bezirksvertretung Homberg/Ruhrort/Baerl am Donnerstag einmal mehr für Diskussionen. Bereits im vorigen Jahr hatten SPD und Grüne einen Bebauungsplan für den Bereich Grafschafter Straße/Heinrich Kerlen-Straße/Bahnstraße auf den Weg gebracht, um ein klotziges Mehrfamilienhaus zu verhindern - nun will die Politik nachlegen.

Das Problem ist vergleichbar - nur dreht sich diesmal alles um die Schulstraße und das Gelände der Evangelischen Kirche. Diese plant, ihre Fläche an die Gesellschaft Durin Investitions UG zu verkaufen, die dort eine Altentagespflege, Demenzwohnungen und Servicewohnungen bauen will. Drei Objekte mit jeweils etwa 1000 Quadratmetern sollen entstehen. Rund 3800 Quadratmeter Platz insgesamt braucht das Projekt, um das es geht. Bereits im Mai hatte sich der SPD-Fraktionsvorsitzende Hans-Gerd Bosch entschieden gegen die Pläne ausgesprochen und sich gegen ein „Zupflastern“ des Areals gewehrt. Jetzt ließen die Politiker Taten folgen.

Das Bauprojekt der Kirche ist der SPD viel zu groß

Ziel der Planung sei es, eine zukünftige wohnbauliche Entwicklung zu ermöglichen und gleichzeitig die bestehenden sozialen und kirchlichen Einrichtungen samt und sonders Spielflächen im Freien zu erhalten und zu sichern. So steht es im Aufstellungsbeschluss der SPD. Ein Bebauungsplans soll dabei helfen, „das Maß der baulichen Nutzung im sensibleren, innenliegenden Bereich angemessen zu reduzieren und an die angrenzende Einfamilienhausbebauung anzupassen“.

Bosch sagt es anders. „Wenn die Kirche bauen will, soll sie bauen. Allerdings hat das Projekt eine Größe, die einfach nicht mehr geht.“ Ein Bebauungsplan sei ergebnisoffen, betont der SPD-Politiker. Unter anderem müssten verbindliche Vorgaben für Geschossflächenzahlen, Höhe der Häuser und die notwendige Infrastruktur wie Parkflächen gefunden werden. Und so würde das Prozedere Kirche, Investor, Politik und Anwohner zwangsläufig an einen Tisch holen, bevor einfach so nach Lust und Laune losgebaut werden kann. Bisher, kritisiert Bosch, habe sich der Investor gegenüber der örtlichen Politik nicht gerade aufgeschlossen verhalten.

SPD kritisiert: Es gibt noch nicht mal Platz für Parkflächen

Bei der Sitzung der Bezirksvertreter wurde kontrovers diskutiert. „Die CDU lehnt ab!“, sagte Wilhelm Paschmann entschieden. Die Aufstellung eines Bebauungsplans sei „unwirtschaftlich. Die Kirchengemeinde ist auf Einnahmen aus dem Projekt dringend angewiesen!“ „Wir sind nicht gegen die Bebauung“, gab Bosch zurück. „Aber nicht auf einer Fläche von 3800 Quadratmetern. Das muss man überdenken! Wir brauchen eine nachbarschaftsverträgliche Lösung.“ Wobei SPD und Grüne nicht den Eindruck erwecken wollten, man würde sich nicht um die Kirche in Baerl kümmern.

Aber: „Nicht alles, was möglich ist, ist auch städtebaulich richtig! Die Bebauung ist so massiv, dass auf der Fläche nicht mal Platz für ausreichend Parkraum bleibt. Dafür sind dann direkt an der Spielfläche des Kindergartens vier Stellplätze vorgesehen.“ Und überhaupt: Dies sei kein Vorhaben der Kirche, sondern ein gewerbliches Vorhaben, das dazu diene, Geld in die Kasse der Kirche zu spülen.

Bauen in Baerl ist immer ein heikles Thema

„Bauen ist in Baerl immer ein heikles Thema“, schlug sich Stephan Wedding (Fraktion Junges Duisburg/DAL) auf die Seite der SPD. Grundsätzlich regiere auch in Baerl die Kraft des Marktes - aber der Charme des Viertels gehe in der Tat immer mehr verloren. Und so ergebe es Sinn, planungsrechtlich einzuschreiten - auch im Sinne von Duisburgs Angebotsvielfalt auf dem Wohnungsmarkt. „Eine Stadt muss alles bieten. Auch dörfliche Strukturen.“

Gegen die Stimmen der CDU wurde der Antrag angenommen. Fortsetzung folgt, mit Sicherheit.

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