Kommunalwahlkampf

SPD in Duisburg fordert gutes Geld für gute Arbeit

Ein Hauch von Mai-Kundgebung: Landtagsabgeordneter Frank Börner trägt die rote SPD-Fahne auf dem Marktplatz in Duisburg-Rheinhausen.

Ein Hauch von Mai-Kundgebung: Landtagsabgeordneter Frank Börner trägt die rote SPD-Fahne auf dem Marktplatz in Duisburg-Rheinhausen.

Foto: Ulla Michels / FUNKE Foto Services

Duisburg-Rheinhausen.  Auf dem Hochemmericher Markt warb die SPD für menschenwürdige Arbeitsbedingungen. Da die Mikrofonanlage ausfiel, ging viel im Verkehrslärm unter.

Vielleicht hätte die SPD für ihre Kundgebung auf dem Hochemmericher Markt besser einen professionellen Veranstaltungstechniker engagiert, der ihnen eine ordentliche Beschallungsanlage aufgebaut hätte. Damit hätten sie einen Vertreter einer Branche, die durch die Corona-Krise besonders gebeutelt ist, aktiv unterstützt, statt in den Reden Hilfe immer wieder nur zu fordern. Sie hätten sich aber vor allem eine Peinlichkeit erspart und ihre Botschaft vernehmlich mitteilen können.

So stellten sie einen kleinen Kofferlautsprecher neben einem Baldachin am Rand der Atroper Straße auf den Platz. Marcus Mellenthin, SPD-Fraktionschef in der Bezirksvertretung, machte den Anfang, stülpte eine Plastiktüte als Spuckschutz über das Mikro, aus der Box drangen drei, vier markerschütternde Knarzgeräusche - das war es. „Ich versuche es dann so“, sagte der 44-Jährige. Das ging auch halbwegs, genau so wie beim Landtagsabgeordneten Rainer Bischoff und Oberbürgermeister Sören Link, die alle mit lauter Stimme sprachen.

Maskenpflicht und Abstandsregeln

Da sie direkt an der Haltestelle standen, störte immer wieder das Dröhnen der wartenden und anfahrenden Busse und der passierenden Autos, die auch schon mal die Musik aufgedreht hatten. Passanten machte man so nicht neugierig. Am schwierigsten war es dann ausgerechnet bei Hauptredner Bruno Sagurna. Der Chef der Ratsfraktion verlas leise seinen Text. Mehrfach riefen Genossen von hinten: „Lauter“ und „hier kommt nichts an“. Bischoff wies sie dann auf die freien Plätze vor dem Rednerpult hin. Applaus gab es somit nur sparsam.

Das erscheint wie ein Sinnbild für eine Partei, die mehr möchte als sie kann, nicht für eine stolze Partei mit einer über 150-jährigen Geschichte. Da treten kleine Parteien professioneller auf. „Die Zeiten, als 4000 Genossen kamen, um Willy Brandt zu hören, sind vorbei“, sagte einer der Zuschauer etwas wehmütig. 70 bis 80, so Bischoff, hätten sie bei der Stadt angemeldet, und in dieser Größenordnung bewege sich auch die Teilnehmerzahl.

Erinnerungen an die Stahlwerker

Ein Raster aus grünen (!) Punkten haben sie auf den Marktplatz gepinselt, damit die Abstandsregeln eingehalten werden können. Zehn Ordner sollen für die Einhaltung der Maskenpflicht sorgen. Frank Börner mit seiner großen, roten SPD-Fahne springt sofort ins Auge. Wiederholt wird angesichts der Krise der Widerstand der Stahlwerker beschworen, die ihr Schicksal selbst in die Hand nahmen und der damalige Betriebsratschef Theo Stegmann besonders begrüßt.

Etwas zu sagen hat die SPD aber durchaus. Sie fordert die Anhebung des Mindestlohns auf 12 Euro und in einem zweiten Schritt noch mehr und auch einen staatlich finanzierten Arbeitsmarkt für Langzeitarbeitslose, um ihnen gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. „Es ist besser Arbeit zu finanzieren als Arbeitslosigkeit“, sagt Sagurna und: „Wer jeden Tag arbeitet, muss von seinem Lohn auch leben können.“ Er verweist darauf, dass bei der Stadtverwaltung wieder 117 neue Mitarbeiter eingestellt wurden und sie mit 300 Auszubildenden in diesem und 275 im kommenden Jahr zu den größten Ausbildungsbetrieben der Stadt gehört – und das mit Übernahmegarantie. Dennoch bleibe der Personalmangel der Verwaltung an vielen Stellen spürbar.

Abwärtsspirale gestoppt

„Die Abwärtsspirale konnte gestoppt werden“, freute sich auch Sören Link. Das konnte durch die Einhaltung einer klaren Linie erzielt werden. „Wir haben den Rücken durchgedrückt und nicht jedem alles versprochen.“ Wobei dieses Wir die CDU mit einschließt. „Wir zahlen gutes Geld für gute Arbeit und wir machen auch einen guten Job“, sagt Link über die Verwaltung.

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