Senioren

Tapfere Bewohner im Homberger Seniorenheim

Das Wetter macht die Situation etwas leichter. Die Bewohner des Seniorenzentrums „Haus am Sandberg“ dürfen nur noch kurz nach draußen. Wer Balkon oder Terrasse hat, genießt die Sonne dort.

Das Wetter macht die Situation etwas leichter. Die Bewohner des Seniorenzentrums „Haus am Sandberg“ dürfen nur noch kurz nach draußen. Wer Balkon oder Terrasse hat, genießt die Sonne dort.

Foto: Ulla Michels / FUNKE Foto Services

Duisburg-Homberg.  Alltag ohne Bingo und Besucher: Die Bewohner des Seniorenzentrums „Haus am Sandberg“ gehen mit den Einschränkungen durch Corona entspannt um.

„Die Bewohner sind zurzeit relativ entspannt“, stellt Ralf Krause, Heimgeschäftsführer des DRK Multikulturellen Seniorenzentrums „Haus am Sandberg“ in Homberg fest und ist zugleich verwundert darüber: „Im Moment sind nämlich Veranstaltungen wie Bingo, Singkreise und Basteln eingestellt, da es sich um Gruppenangebote handelt.“ Zudem sind zum Schutz der alten Menschen Besuche nicht erlaubt.

Doch wie kommen die Bewohner damit klar, quasi von der Außenwelt abgeschnitten zu sein und ein Unterhaltungsprogramm im hauseigenen Veranstaltungsraum nicht mehr wahrnehmen zu können? Nach den Erfahrungen des Heimleiters besser, als mancher vermutet. „Die Aussage der Bundeskanzlerin in der vergangenen Woche, dass es sich um die größte Krise nach dem Weltkrieg handele, war bei den Bewohnern einschlagend. Sie haben nämlich den Zweiten Weltkrieg erlebt“, schildert Ralf Krause die Reaktionen der Menschen.

Besucher winken zum Balkon

So bleiben die Senioren auf ihren Zimmern, unternehmen lediglich vereinzelt kleine Spaziergänge, drehen zwei bis drei Runden ums Haus und halten Abstand. Alle hätten eingesehen, dass der Radius eingeschränkt ist und Kontakte begrenzt werden. Schon seit einigen Tagen ist ein Besuch des Altenheimes von Angehörigen nicht mehr möglich. Sie können lediglich nach telefonischer Absprache von außen zu ihren Lieben, die zum Beispiel auf den Balkonen stehen, winken.

Rund 60 Prozent der Bewohner sind an Alzheimer oder Demenz erkrankt. „Für einige ist es bitter, dass Ehegatten oder Kinder nicht mehr kommen können. Für Demenzkranke sind es kritische Momente, da in der emotionalen Begleitung Lücken entstehen. Auch viele Angehörige leiden darunter, dass sie die Mutter oder den Vater nicht besuchen können. Es sind auch traurige Situationen“, sagt Ralf Krause. Denn telefonieren, skypen oder sich in Videokonferenzen unterhalten können die meisten älteren Menschen kaum, nur die Wenigsten nutzen die neuen Medien.

Das Altenheim-Team hat sich deshalb eine Lösung einfallen lassen: Mit den Angehörigen werden Termine vereinbart, wann sie anrufen. Ein Mitarbeiter geht mit dem Telefon ins Zimmer, damit Demenzkranke wenigsten die Stimme eines Familienmitgliedes hören.

120 Mitarbeiter in Voll- und Teilzeit kümmern sich um die Menschen, die im Haus mit den 84 vollstationären Plätzen und vier Kurzzeitpflegeplätzen (momentan alles belegt) wohnen. Zu den Festangestellten gehören auch acht hauptamtliche Alltagsbegleiter, die Türkisch und Russisch sprechen und speziell ausgebildet sind.

Singen, plaudern, vorlesen

In den jeweiligen Zimmern lesen sie den Bewohnern aus der Zeitung vor, führen Gespräche oder singen mit ihnen. Da aber mehr Besuche als zu normalen Zeiten absolviert werden müssen, fällt die Verweildauer kürzer aus. Ralf Krause: „Am Anfang war es schwierig, jetzt hat sich die Situation eingependelt.“ Nicht mehr ins Haus dürfen die 40 Ehrenamtlichen sowie die externe Yogalehrerin.Hier gibt es mehr Artikel aus dem Duisburger Westen

Inzwischen hat sich das „Haus am Sandberg“ für Notfälle aufgestellt, hat bestimmte Zimmer reserviert, falls Bewohner isoliert werden müssen. Momentan haben zwei Senioren eine Erkältung. Sie tragen Mundschutz, täglich wird Fieber gemessen, die Mahlzeiten nehmen sie im Zimmer ein.

Notfallvorräte für drei Monate

Das „Haus am Sandberg“ ist auf die sogenannte Stufe drei, den Supergau, vorbereitet. Krause: „Wir haben immer Notfallvorräte für drei Monate.“ Gesund sind zurzeit alle Mitarbeiter. Zwei von ihnen kamen kürzlich aus ihrem Türkeiurlaub zurück, hatten keine Symptome, bleiben aber zur Vorsicht zwei Wochen zu Hause.

Insgesamt geht Ralf Krause mit der Situation gelassen um, hat er doch mit dem Träger des Hauses, das DRK, einen katastrophenerfahrenen Hilfsverband hinter sich: „Man muss entspannt bleiben. Beim Noro-Virus muss ich auch isolieren. Wir sind darauf vorbereitet. Sorge macht mir die Dauer. Ein Noro-Virus dauert drei bis vier Wochen. Beim Corona-Virus hört man, dass die Pandemie zwei Jahre da ist.“

>>> Ein Seniorenzentrum mit ungewöhnlichem Konzept:

Das DRK Multikulturelle Seniorenzentrum „Haus am Sandberg“ in Homberg an der Kirchstraße wurde in den 90er Jahren neugebaut. 1997 zogen die ersten Senioren ein. Das Besondere an dem Zentrum: Es bietet ein Zuhause für Menschen verschiedener Kulturen, „Kultursensible Altenpflege“, so der Fachbegriff.

1997 war das ein völlig neues Konzept und in diesem Umfang in Deutschland einzigartig. Ein Viertel der Bewohner und 45 Prozent der Mitarbeiter haben eine Zuwanderungsgeschichte. Mittlerweile hat das Homberger „Haus am Sandberg“ den Ruf, ein Lehrbeispiel für gelungene Integration zu sein.

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