Einzelhandel

Viel Leerstand in Rheinhauser Geschäftsräumen

Die Fußgängerzone Friedrich-Alfred-Straße, früher gab es hier mehrere Herrenausstatter und auch Porzellan, heute viel Leerstand und Billigläden.

Foto: Lars Fröhlich

Die Fußgängerzone Friedrich-Alfred-Straße, früher gab es hier mehrere Herrenausstatter und auch Porzellan, heute viel Leerstand und Billigläden.

Duisburg-Hochemmerich.   In Rheinhausen reihte sich einst Fachgeschäft an Fachgeschäft. Und heute? Ein Rundgang mit dem Werbering.

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Dieser Satz, gemünzt auf den Rheinhauser Einzelhandel, mag reichlich melancholisch klingen, er lautet: Die Älteren werden sich bestimmt erinnern. So mancher Hochemmericher kennt den Ortsteil als Einkaufsstadt. O-Ton: „Früher bekam man hier nahezu alles, man brauchte nicht nach Duisburg rüberzufahren.“ Schwer zu glauben beim Betrachten vieler Leerstände und Billigläden. Seit 1986 ist Karsten Vüllings als Journalist und Kommunalpolitiker in Rheinhausen aktiv. Vüllings, seit mehr als 20 Jahren Chef des Werberings, sagt: „Über die Jahre habe ich hier 60 bis 70 Inhaberwechsel in den Geschäften erlebt.“

Der 59-Jährige erinnert sich noch sehr gut an die große Auswahl in der Einkaufsstadt Rheinhausen. Zu nahezu jedem Ladenlokal fällt ihm ein, wer hier früher einmal hinter dem Verkaufstresen stand. Bei einem Rundgang blickt der Hochemmerich-Experte in die umsatzstarke Vergangenheit und auch in die – eher trostlose – Gegenwart. Los geht’s an der Atroper Straße/Kreuzung Hans-Böckler-Straße.

Früher Schuhhaus, heute Dönerbude

„Hier war früher das Schuhhaus Schmitz“, sagt Vüllings und zeigt auf das markante Haus mit dem Türmchen. Heute gibt es dort Döner für 1,99 Euro, Schuhe in ganz Hochemmerich lediglich noch beim Discounter Deichmann. Der Weg bis zur Kreuzung Bertastraße führt vorbei an einem Kiosk, früher war hier eine Apotheke beheimatet, und auch an einem hübsch eingerichteten italienischen Restaurant. „Der Besitzer hat das rechte Ladenlokal dazu genommen, früher war hier Haushaltswaren Pötters angesiedelt.“ Das Reisebüro Frenzel und Stein war an der Atroper einmal umgezogen, nach 32 Jahren verabschiedete sich die kleine Kette Ende vergangenen Jahres von dem Standort Rheinhausen. Heute gibt es hier eine Shisha-Bar, einen Security-Service (früher Bürotechnik Sehrbrock) und an der Ecke Bertastraße nach dem Aus einer Boutique seit September 2016 einen Gardinenladen. In das ehemalige Reisebüro-Ladenlokal soll dem Vernehmen nach ein Friseur ziehen.

Weiter in Richtung Krefelder Straße, in der früheren Gaststätte „Kronenburg“ sitzt heute eine Physiotherapiepraxis, ein Stück weiter war einst das heute nicht mehr existierende Spielwarengeschäft Hembach beheimatet, das laut Karsten Vüllings in Rheinhausen über die Zeit viele Adressen hatte. Nahezu alteingesessen: Der China-Imbiss einige Schritte weiter. Rechts davon saß früher der Fernsehhändler Saes, heute kann man dort Handys erstehen. Auf der Ecke Krefelder Straße dann konnte man früher bei Verrode Haushaltswaren und Fahrräder kaufen. Nach Fahrrädern gab es dort Kleidung („Die Baustelle“), heute Brillen zum Discountpreis.

360 Quadratmeter Fläche stehen frei

Gegenüber, an der Ecke Krefelder Straße/Hochemmericher Straße, stehen seit nahezu zehn Jahren 360 Quadratmeter Einzelhandelsfläche leer. „Nach Mode Rinckens kam Kik, Kik zog an die Fußgängerzone, seither ist das Ladenlokal leer und kommt herunter“, erklärt Vüllings. Im Schnelldurchgang weiter in Richtung Friedrich-Alfred-Straße. Im früheren Blumenladen ist heute eine Versicherung untergebracht, im Lokal eines Spezialisten für Haarverlängerungen saß früher das Sporthaus Frütel, aus einer Damenboutique wurde ein arabischer Supermarkt, in ein weiteres Blumengeschäft zog ein Thai-Massagestudio und ins frühere Wiener Café mit plüschiger Einrichtung ist eine Bäckereikette mit Einheits-Interieur gezogen.

Auf der gegenüberliegenden Seite wird heute Gold angekauft, wo früher „Tiziana“ Dessous verkaufte, bei Mode Edis an der Ecke Hildegard-straße ist seit jeher ein Bekleidungsgeschäft untergebracht. Ein paar Meter weiter gibt es Schreibwaren im Geschäft Malstift, die jetzige Besitzerin folgte auf Schreibwaren Müller. Vom früheren „Schöne Dinge“ ist lediglich die große grüne Fassadenwerbung geblieben. Der neue Besitzer des Hauses verkauft hier jetzt aber ebenso Geschenkartikel und Haushaltswaren. In einem Teil des Geschäftes, in dem der „Schöne Dinge“- Inhaber ausschließlich Ware der Marke „Leonardo“ anbot, werden heute Reisen und Busfahrkarten verkauft.

Es gibt noch alteingesessene Händler

Riemenschneider, das Schmuckgeschäft links neben „Schöne Dinge“ kann man laut Karsten Vüllings ebenso als alteingesessen bezeichnen, wie Optik Höfels ein Stück die Straße hinunter und auch Marelle-Mode gegenüber. Schnelldurchgang Krefelder Straße: In der heutigen Targobank-Filiale war früher das Zentralkaufhaus, bei Tedi die Kaufhalle und in einer kleinen Änderungsschneiderei eine Bennetton-Filiale. Im O2-Handyladen saß früher Rosi mit ihrem Modetreff, die Dönerbude war das Tabak-Geschäft Mühlensiepen und an der Ecke Bernhardstraße gab es das Zoofachgeschäft Zimmermann.

An der Kreuzung Krefelder Straße endet der Rundgang, die genannten Geschäfte bilden dabei eine Auswahl ab, alle alten und neuen Geschäfte sowie Leerstände können wir aus Platzgründen gar nicht nennen. Was bleibt von der Runde neben viel Tristesse und Melancholie? Es gibt sie vereinzelt noch, die alteingesessenen Einzelhändler, die ihrem Hochemmerich wacker die Treue halten.

Wir suchen Traditionsgeschäfte

Liebe Leser, in unserem Artikel kommt auch so mancher alteingesessene Einzelhändler aus Rheinhausen vor, wir planen eine Serie. Kennen Sie auch Traditionsgeschäfte in Rheinhausen, Homberg, Rumeln-Kaldenhausen oder Baerl? Dann schreiben Sie uns eine E-Mail: lok.rheinhausen@nrzwaz.de. Vielen Dank.

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