Soziales

Wenn die vermüllte Wohnung zum Hilferuf wird

Melanie Weske auf ihrem Balkon, den sie aktuell wegen der Geruchsbelästigung aus der Nachbarwohnung nicht nutzen kann.

Melanie Weske auf ihrem Balkon, den sie aktuell wegen der Geruchsbelästigung aus der Nachbarwohnung nicht nutzen kann.

Foto: Oleksandr Voskresenskyi

Duisburg-Rheinhausen.   Wie eine Rheinhauser Mieterin dafür kämpft, dass sich endlich jemand um den Nachbarn mit der stinkenden Wohnung kümmert.

Eine gepflegte kleine Wohnung mit Balkon. Als Melanie Weske die Zusage für ein Apartment in Rheinhausen bekam, freute sie sich riesig. „Genau so etwas hatte ich gesucht.“ Kurz nach dem Einzug am 1. März diesen Jahres folgte die Ernüchterung. Zunächst fiel ihr der unangenehme Geruch im Treppenhaus auf. Als das Wetter wärmer wurde und die Mieterin ihren Balkon nutzen wollte, merkte sie, dass der Gestank aus der Wohnung unter ihr kam. Auf dem Balkon im Erdgeschoss türmte sich Müll. Offene Säcke voller Unrat, leere Konserven und vieles mehr.

Mehr als drei Monate sind seit dem Einzug vergangen. Melanie Weske hat Blumen mit lilafarbenen Blüten gepflanzt, bunte Windmühlen und WM-Fähnchen in die Kästen gesteckt. „Aber raus auf den Balkon kann ich nicht, da wird mir schlecht“, sagt sie. Und: „Ich kann hier bei dem heißen Wetter das Fenster nicht aufmachen, der Müll zieht die Fliegen an. Die habe ich ständig in meiner Wohnung.“

Bei ihrem Vermieter, der Wohnungsgesellschaft Vonovia, sei sie mit ihrem Anliegen nicht weiter gekommen. Ständig würde sie vertröstet. Vonovia habe den Mieter zwar aufgefordert, den Müll zu beseitigen. Seitdem passiere aber nichts mehr. „Es geht ja hier nicht nur um den Gestank“, sagt Melanie Weske. „Da wohnt ein Mensch, der offenbar Hilfe braucht. Er verlässt seine Wohnung nicht mehr, bekommt von seiner Mutter Essen über den Balkon gereicht. Warum tut da keiner was?“

Bei unserem Anruf bestätigt Max Niklas Gille, Pressesprecher von Vonovia, dass man den Mann am 3. Mai angeschrieben habe. Das ist vier Wochen her. Eine Zeit, in der weder der Mieter, noch der Vermieter ein weiteres Mal reagiert hat. „Wir haben leider keine Möglichkeit, schneller etwas zu unternehmen“, sagt Pressesprecher Gille und betont, dass Vonovia sehr großen Wert auf die Zufriedenheit der Kunden lege. „Aber wenn der Mieter nicht kooperativ ist, können wir so schnell nicht handeln.“

Einen Tag später geht es dann plötzlich doch. „Wir haben nun das Ordnungsamt eingeschaltet und versuchen, die Mutter des Mieters zu erreichen. Wir arbeiten mit Hochdruck an einer Klärung“, schreibt Max Niklas Gille. Es folgt eine weiter Mail, dass nun auch der Sozialpsychiatrische Dienst kontaktiert wurde. „Wir bemühen uns also auf mehreren Wegen um eine Lösung. Wir sind im Austausch mit Experten darüber, wie wir hier am besten vorgehen.“ Melanie Weske soll derweil das Geld für Fliegenschutz am Fenster erstattet werden. Dem Mieter wolle man Hilfe anbieten und so eine konstruktive Lösung für alle Betroffenen im Rheinhauser Mehrfamilienhaus finden.

Anlaufstelle für Hilfesuchende

Das ist der richtige Weg, wie Dieter Döbeling vom Sozialpsychiatrischen Dienst bestätigt. Mit Fällen wie diesen hat die Einrichtung des Gesundheitsamtes häufig zu tun. Hand in Hand mit dem Ordnungsamt und bei akuter Gefahr auch mit der Polizei werde versucht, den Menschen zu helfen, die Probleme mit dem Leben in den eigenen vier Wänden haben. Auch, wenn es in diesem Fall anfangs nicht so gut funktioniert hat: Erste Anlaufstelle für Nachbarn wie Melanie Weske sei außer in Notfällen immer erst der Vermieter. „Wer da nicht weiterkommt, kann sich natürlich auch an uns wenden.“

>>> SO HILFT DER MIETERSCHUTZBUND

Bei Problemen in Mietwohnungen hilft auch der Mieterschutzbund, der sich nicht nur mit rechtlichen Fragen auskennt, sondern auch beraten kann, wann Einrichtungen wie der Sozialpsychiatrische Dienst oder das Ordnungsamt einbezogen werden sollten. Und was man tun kann, wenn man sich mit seinen Problemen vom Vermieter nicht ernstgenommen oder hingehalten fühlt.

Der Verein hat im Duisburger Westen eine Anlaufstelle an der Krefelder Straße 31 in Rheinhausen. Termine können unter folgender Rufnummer ausgemacht werden: 0203/29 62 19. Wer die Beratung in Anspruch nehmen und von den Mietrechtsexperten persönlich betreut werden möchte, muss vor dem Erstgespräch Mitglied werden. Der Jahresbeitrag von 88 Euro kann auch in Raten gezahlt werden.

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