Geschichte

Wie das Homberger Lutherhaus ins Grußkartenheft kam

Das Lutherhaus diente während des 1. Weltkriegs als eine Art Erholungsheim. Hier wurde auch Robert Möhl gepflegt.

Das Lutherhaus diente während des 1. Weltkriegs als eine Art Erholungsheim. Hier wurde auch Robert Möhl gepflegt.

Duisburg-Homberg.   Heimatforscher Reinhard Stratenwerth hat ein altes Grußkartenheft erstanden. Darin befindet sich auch eine Geschichte übers Leben im Lutherhaus.

Es war ein großer Glücksgriff für den Heimatforscher Reinhard Stratenwerth. Hält doch der Archivar des Freundeskreises Historisches Homberg (FHH) ein sogenanntes Leporello in Händen. Dieses ist ein 16 Ansichtskarten umfassendes Grußalbum mit Homberger Motiven. „Seit inzwischen 66 Jahren sammele ich Ansichtskarten meiner Heimatstadt, jetzt konnte ich erstmals ein Leporello kaufen.

Gesehen hatte ich so etwas Seltenes bisher noch nicht“, sagt der 79-Jährige. Den Ansichtskartenstreifen hat übrigens Stratenwerths Lehrfirma Emil Handstein vor rund 100 Jahren gefertigt. Buchdrucker-Meister Reinhard Stratenwerth lernte in dieser Firma einst sein Handwerk.

Hier könnte die Geschichte der inzwischen mehr als 1000 Exemplare umfassende Kartensammlung eigentlich enden, doch hat es der Absender auf der Karte Reinhard Stratenwerth angetan. „Ich habe mich gewundert, dass als Absender auf dem Leporello-Grußalbum das 4. Garde-Regiment zu Fuß in Homberg am Rhein genannt wird. Meines Wissens nach war Homberg im I. Weltkrieg keine Garnisonsstadt“, erklärt Archivar Reinhard Stratenwerth.

Was hatte es also auf sich, dass der Füsilier (Infanterist) Robert Möhl diesen Absender angegeben hat? Stratenwerths Detektiv-Geist war geweckt. Das Ergebnis sollte auch von dem vor zwei Jahren abgerissenen Luther-Gemeindehaus handeln.

Aufwändige Recherche

„Bei meiner aufwendigen Recherche habe ich in dem Archiv vom Freundeskreis Historisches Homberg und meinem Privatarchiv zusätzliche Ansichtskarten mit Texten gefunden, die das Rätsel lösen: Das Lutherhaus wurde 1913 eingeweiht. Schon ein Jahr später diente es als Kriegslazarett, um die verletzten Soldaten des 4. Garde-Regiments zu versorgen.“

Laut Reinhard Stratenwerth waren für die Betreuung der Soldaten die Damen des Vaterländischen Frauenvereins zuständig, der Verein war dem Roten Kreuz angeschlossen und 1866 von der preußischen Königin Auguste gegründet worden.

Der Füsilier Robert Möhl schrieb am 8. September 1916 aus dem Vereinshaus-Lazarett Homberg an Fräulein Martha Möhl in Jacobshagen bei Templin: Liebe, gute Martha! Sende dir die besten Grüße aus Homberg am Rhein. Diese Anschrift ist mein Erholungsheim. Mir geht es Gott sei Dank wieder besser. Das habe ich auch Schwester Emma zu verdanken. Ich hatte wohl tausend Schutzengel, daß mich die Kugel nicht an anderer Stelle getroffen hat. Ich hoffe, daß es auch Karl noch ganz gut geht. Ich mache mir große Sorgen, weil er so überraschend ausrücken mußte. Hier in Homberg ist es jetzt schön, nicht nur in der Natur, sondern auch weil Schwester Emma und auch die anderen auf der Pflegestation mich und meine Kameraden immer gut versorgen. Bitte schreibe mir auch mal. Es grüßt dich herzlich Robert.“

Reinhard Stratenwerth sagt über die weitere Nutzung des Lutherhauses: „Nachdem es in den 20er-Jahren von den belgischen Besatzungstruppen beschlagnahmt war, die es als Kaserne missbrauchten, fing 1926 endlich die friedliche Nutzung an. Sie dauerte bis vor einigen Jahren. Dann wurde der Gebäudekomplex abgerissen.“ Heute steht an gleicher Stelle das neue, moderne „Haus der Gemeinde“.

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