Kommentar

Wie die Hochzeits-Angeber dem Gesellschaftsfrieden schaden

WAZ-Redakteur Sinan Sat.

WAZ-Redakteur Sinan Sat.

Duisburg.  Sie erwarten Verständnis für ihr vermeintliches Brauchtum. Was sie stattdessen bewirken, merken die jungen Männer offenbar nicht. Ein Kommentar.

Wenn auf einer Autobahn Luxuskarossen quer stehen, sich dahinter der Verkehr staut, alles voller Rauch ist, weil Fahrer die Reifen ihrer protzigen PS-Boliden durchdrehen lassen, Männer in Maßanzügen über die Fahrbahn laufen und plötzlich sogar Schüsse fallen, dann … wird geheiratet!

Es sei Brauchtum, behaupten sie, und wollen sagen, dass es ein Teil ihrer Kultur sei, ihrer Identität gar. Dass es ignorant, verboten, gefährlich und bisweilen asozial ist, was sie da in ihrer Mir-kann-keiner-was-Macho-Manier tun, sehen sie nicht ein.

Dass die Duisburger Polizei dieses Verhalten konsequent ahnden will, ist ebenso richtig wie die Zweifel daran, ob denn wirklich alles Brauchtum ist, was als solches verkauft wird.

Freudenschüsse sind nicht Teil der türkischen Kultur

Freudenschüsse sind in der Türkei beispielsweise eher wenig verbreitet. Sevgi Sevim Çikrikçi, Professorin am Institut für Turkistik an der Universität Duisburg-Essen, sagte einmal der Rheinischen Post, dass höchstens „in den Dörfern im Osten der Türkei“ aus Freude in die Luft geschossen werde. Bernd Liedtke, ein ehemals ranghoher Polizist aus Hagen, der über die Türkei promoviert hat, sagte dem Magazin „Vice“: „Freudenschüsse und lautes Hupen haben nichts mit türkischer Kultur zu tun.“

Es handelt sich vielmehr um eine hormongesteuerte Geltungssucht einiger, junger Männer. Polizeieinsätze auf Kosten des Steuerzahlers, verärgerte Nachbarn und Autofahrer sind die unmittelbare Konsequenz, ein weiterhin tiefgehender Riss durch die Gesellschaft der langfristige Schaden des vermeintlichen Brauchtums. Selbst liberale Menschen werfen in Folge solcher Ereignisse Menschen mit Migrationshintergrund (Männer hauptsächlich) zusehends undifferenzierter in einen Topf, die Abneigung ihnen gegenüber wächst.

Dass die Verursacher obendrein Verständnis von Gesellschaft und Behörden für ihr störendes Verhalten erwarten, ist so dreist wie realitätsfern.

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