Kasperletheater

Wie ein Homberger Puppenspieler Kasperle zum Leben erweckt

Gebhard Cherubim kommt seit 32 Jahren mit seinem „Homberger Kaspertheater“ zum Moerser Weihnachtsmarkt.

Gebhard Cherubim kommt seit 32 Jahren mit seinem „Homberger Kaspertheater“ zum Moerser Weihnachtsmarkt.

Foto: Ulla Michels / FUNKE Foto Services

Moers/Duisburg-Rheinhausen.  Puppenspieler Gebhard Cherubim kommt seit 32 Jahren zum Moerser Weihnachtsmarkt. Seine „Homberger Kasperbühne“ begeistert Generationen.

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Unter dem Bild vom Kasperle mit spitzer Nase und roten Pausbäckchen steht der kleine Emilio und wartet ungeduldig darauf, dass es endlich losgeht. Vorsichtig versucht der Zweieinhalbjährige etwas zu erspähen, doch noch ist es im Zelt dunkel. Der Kasperle schläft, sein Puppenspieler ist dagegen schon vor der Aufführung schwer beschäftigt.

Gebhard Cherubim kommt seit 32 Jahren zum Moerser Weihnachtsmarkt, um dort sein blau-rot gestreiftes Zelt aufzuschlagen und Kinder mit seiner „Homberger Kasperbühne“ zu begeistern. Denn wie faszinierend ein Puppenspiel sein kann, hat er selbst in frühen Jahren erlebt. „Ich war als Kind gern beim Kasperletheater“, erinnert sich der heute 62-Jährige. „Und dann habe ich irgendwann mit zwölf Jahren mein erstes Stück aufgeführt.“ Mit Backpapier im Türrahmen und Nachbarskindern als Publikum.

Kasperle als Verbündeter von Kindern

Sein neues Hobby lässt Cherubim nicht mehr los und er bringt sich über die Jahre selbst bei, wie er Puppen am besten zum Leben erwecken kann. Zunächst entwickelt er die Clownsfigur Pommi, die Märchen mit verschiedenen Figuren ankündigt. „Pommis Puppenzirkus“ verzeichnet erste Erfolge, unter anderem bei einem Krefelder Schulfest. „Dort habe ich als Dankeschön ein gehäkeltes Schaf bekommen“, erzählt der Puppenspieler. „Das kommt heute noch manchmal mit.“

Nach einigen Jahren steigt Cherubim vom Clown auf den Kasperle um, auch wenn er das zu Beginn seiner Karriere nicht so geplant hat. „Der Jahrmarktkasper war mir immer zu grobschlächtig. Der hat zu wenig gesprochen und zu viel geschlagen“, erklärt er. Doch weil er mittlerweile Besitzer einer richtigen Kasperlebühne mit Zelt ist, braucht er eben auch einen Kasperle. Seitdem taucht die handgeschnitzte Figur mit riesiger Nase in den Stücken seiner „Homberger Kasperbühne“ als durchweg positive Figur auf. „Kasper ist gewitzt und ein Verbündeter von den Kindern“, so Cherubim.

Räuber Raffzahn kriegt einen auf den Popo

Ganz viel Quatsch darf Kasper natürlich trotzdem machen – so stößt er sich gerne seine „Gurkennase“ oder gibt dem Räuber Raffzahn einen auf seinen „Popolopes“. „Das setze ich aber sehr dosiert ein“, betont Cherubim. Denn in seinem Publikum sitzen Kinder vom Kindergarten- bis Schulalter und für jeden soll die zwanzigminütige Aufführung ein großer Spaß sein.

Damit der allerdings auch bei allen ankommt, braucht es wesentlich mehr, als einfach eine Figur über die Hand zu stülpen und seine Stimme zu verstellen. „Der Zeigefinger kommt immer in den Kopf der Figur, doch viele Puppenspieler haben früher dann den Daumen und Ringfinger in die Arme gesteckt.“ Klingt für Laien logisch, für den Experten zeigt sich dabei allerdings schnell ein Problem: „Die Figur ist asymmetrisch.“ Daher nutzt er lieber den Daumen und kleinen Finger, um die Hände von Kasperle und seinen Freunden bewegen zu können. „Außerdem sitzt so das Kleid viel besser“, fügt er schnell noch hinzu.

Ein Einhorn kommt ins Puppentheater

Zwei Kisten voller Puppen hat Cherubim – neben dem Kasperle wären da unter anderem die Hexe Wackelzahn, die Prinzessin Siebenschön oder in diesem Jahr erstmals das Einhorn. „Ich überlege mir immer wieder neue Stücke, weil es mir ja sonst auch langweilig wird“, sagt er. Und weil es langsam auch den draußen in der Kälte stehenden Kindern langweilig wird, schaltet der Puppenspieler endlich die Lichter an und lässt alle in sein Zelt eintreten.

Emilio ist der Erste, der sich auf die vorderste Bank setzt. Aufgeregt wartet er, bis sich auch alle anderen Kinder und Eltern oder Großeltern eingefunden haben. Von den Erwachsenen sind hier übrigens manche schon seit Jahren oder Jahrzehnten Stammgast. Früher mit ihren Kindern, heute mit ihren Enkeln. Nachdem das eigene „Homberger Kasperbühnenlied“ verklungen ist, versucht jemand mit einer ziemlich spitzen Nase den roten Vorhang zu öffnen. Der Kasperle ist da!

>>> Vorstellungen der „Homberger Kaspertbühne“

Die rund 20-minütigen Vorstellungen beginnen an den Wochentagen immer um 15, 16, 17, 18 und 19 Uhr. Samstags und sonntags geht es von 12 bis 19 Uhr jeweils zur vollen Stunde los. Der Eintritt kostet fünf Euro.

Immer samstags wechselt das Programm. Bis kommenden Samstag, 30. November, zeigt der Puppenspieler „Kasper und der fliegende Teppich“, danach kommt „Kasper und der verschwundene Ball“, „Kasper und das vertauschte Paket“ und schließlich „Kasper und das Einhorn.“

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