Prozessauftakt

Zufällig entdeckt: Duisburgerin soll ihr Baby erstickt haben

Abschied von Baby Mia. Bei den Ermittlungen zum Fall des toten Mädchens, entdeckte die Polizei eine weitere Babyleiche.

Abschied von Baby Mia. Bei den Ermittlungen zum Fall des toten Mädchens, entdeckte die Polizei eine weitere Babyleiche.

Foto: Fabian Strauch / Fabian Strauch / FUNKE Foto Services

Duisburg.  Während die Ermittler mit Hochdruck nach der Mutter des toten Babys Mia suchen, entdecken sie ein weiteres totes Baby. Jetzt beginnt der Prozess.

Dieser Fall wirkt bei den Ermittlern der Duisburger Polizei nach – auch weil er bis heute nicht aufgeklärt werden konnte. Im November 2018 erschütterte die Nachricht eines Babyleichenfundes Duisburg. Der leblose Körper des neugeborenen Mädchens Mia – wie es die Polizei nannte – war in einer Altkleidersortieranlage in Polen entdeckt worden. Die Ermittler gehen davon aus, dass das Kind in Duisburg in einen Altkleidercontainer gelegt wurde. Mit Spürhunden, Flyern und Befragungen in den Stadtteilen versuchte die Polizei ein ums andere Mal, Mias Mutter ausfindig zu machen.

Anfang Dezember verdichteten sich die Hinweise, die zu einer damals 35-jährigen Frau aus Rumeln führten. Und tatsächlich wurde die Polizei auch fündig, als sie die Wohnung der Frau durchsuchte, in der sie zusammen mit ihrer damals 16-jährigen Tochter lebte. Unter Plastiktüten abgelegt, lag die Leiche eines weiteren Mädchens. Der Verdacht lag nahe, dass es sich möglicherweise um eine Zwillingsschwester von Mia handelt.

DNA-Abgleich mit Baby Mia

Die Frau gestand wenige Tage nach dem grausigem Fund, das Mädchen zur Welt gebracht zu haben, bestritt aber jederzeit, die Mutter von Mia zu sein. DNA-Untersuchungen belegten die Aussage der Rumelnerin. Die Staatsanwaltschaft wirft der vierfachen Mutter nun Totschlag vor: Sie soll ihre jüngste Tochter erstickt haben. Am Mittwoch beginnt der Prozess vor dem Landgericht.

Die Frau und ihre Familie wurden seit 2014 ambulant durch die Familienhilfe für mehrere Stunden in der Woche betreut. Mitte September 2018 entstand bei der Familienhilfe der Eindruck, dass die 35-Jährige schwanger sein könnte, hieß es in einer Stellungnahme der Stadt auf Nachfrage unserer Redaktion. Demnach sei die 35-Jährige damals mehrfach auf diesen Verdacht angesprochen worden, den sie vehement abgestritten haben soll. Selbst ihren eigenen Eltern gegenüber, mit denen die Tatverdächtige in einem Haus wohnt, als auch gegenüber ihren Kindern soll sie eine Schwangerschaft stets abgestritten haben.

Während die inzwischen 36-Jährige sich nun vor Gericht verantworten muss, bleibt das Schicksal von Mia weiter ungeklärt. Noch immer weiß die Polizei nicht: Warum musste Mia sterben? Warum wurde das kleine Mädchen in einen Altkleidercontainer gelegt? Und vor allem: Wer ist Mias Mutter?

Deshalb wurde eine aufwendige und komplexe Laboruntersuchung – die Isotopenanalyse – im Januar in Auftrag gegeben. Eine DNA-Probe von Mia wurde an ein Speziallabor in Bayern geschickt. Dort soll am Ende einer Reihe von Untersuchungen festgestellt werden, welcher Herkunft Mias Mutter ist bzw. wo auf der Welt sie hauptsächlich gelebt hat. Doch auch fast sieben Monate danach liegt der Duisburger Polizei noch kein Ergebnis vor. Teile der Untersuchung werden in einem Labor in Amsterdam durchgeführt, andere in München und weitere in anderen europäischen Speziallaboren. Wann das Endergebnis vorliegen wird, weiß die Polizei nicht.

Fest steht für die Duisburger Polizei aber: „Dieser Fall ist für uns eine Herzensangelegenheit. Wir wollen die Mutter finden und den Fall aufklären“, so Sprecherin Jacqueline Grahl.

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