Gericht

Zweite Runde im Duisburger Prozess gegen Henryk Broder

Henryk M. Broder (l.) mit seinem Rechtsanwalt Joachim Nikolaus Steinhöfel bei dem ersten Verhandlungsversuch des Amtsgerichts Duisburg im Mai 2019. Wegen des Zuschauerandrangs war die Sitzung in den Schwurgerichtssaal des Landgerichts verlegt worden.

Henryk M. Broder (l.) mit seinem Rechtsanwalt Joachim Nikolaus Steinhöfel bei dem ersten Verhandlungsversuch des Amtsgerichts Duisburg im Mai 2019. Wegen des Zuschauerandrangs war die Sitzung in den Schwurgerichtssaal des Landgerichts verlegt worden.

Foto: Foto: Lars Fröhlich

Duisburg.  Im zweiten Anlauf verhandelt das Amtsgericht am 16. September gegen Henryk Broder. Er soll die Duisburgerin Lamya Kaddor beleidigt haben.

Beleidigung wirft die Staatsanwaltschaft Duisburg dem Publizisten Henryk M. Broder vor. 2016 soll er die öffentlich geäußerten Vorwürfe der Duisburger Religionswissenschaftlerin Lamya Kaddor, von Broder und anderen „zum Abschuss freigegeben“ worden zu sein, gegenüber einer Wochenzeitung mit den Worten kommentiert haben, Kaddor habe „einen an der Klatsche“. Im zweiten Anlauf will das Amtsgericht am Montag, 16. September, klären, ob und wie der 72-jährige Berliner dafür bestraft werden muss.

Mitte Mai hatte Broder erstmals in dieser Sache in Duisburg vor Gericht gestanden, um sich gegen einen Strafbefehl über die Zahlung von 2000 Euro zu wehren. Doch sein Verteidiger Michael Steinhöfel hebelte das Verfahren aus, indem er nicht nur erwartungsgemäß darauf hinwies, dass so eine Äußerung im Zweifelsfalle vom Grundrecht auf freie Meinungsäußerung gedeckt sei, sondern er forderte auch den Beweis, dass sein Mandant sie überhaupt getätigt habe. Bislang stehe nur fest, dass der Satz in der Zeitung und im Internet gestanden habe, nicht aber, ob und von wem Broder damit korrekt zitiert worden sei.

Erste Sitzung war nach gut zehn Minuten beendet

Die Strafrichterin beendete die Sitzung daraufhin bereits nach zehn Minuten wieder. In der zweiten Auflage sollen nun zur Klärung des Sachverhaltes außer Lamya Kaddor weitere Zeugen vernommen werden.

Nach dem ersten Verhandlungsversuch hatten Henryk Broder und Michael Steinhöfel in einem italienischen Restaurant in Duisburg ein Handy-Video gedreht, das sie ins Netz stellten. Sichtlich gut gelaunt watschen sie darin mit bitterbösem Humor die Justiz ab.

Broder und sein Anwalt machten sich lustig

Michael Steinhöfel berichtete, dass der Prozess aufgrund des Zuschauerandrangs in den größten Saal des Landgerichts verlegt worden war. „Da werden normalerweise Leute zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt. Das konnten wir gerade noch verhindern.“

Die Staatsanwaltschaft sei auf die Frage nach dem Beweis dafür, dass Broder den Satz überhaupt gesagt habe, offenbar nicht vorbereitet gewesen. „Das fand ich erstaunlich“, so Broder mit gespielter Verwunderung. Dabei habe die Staatsanwältin doch sehr nett ausgesehen. „So schön angezogen und geschminkt“, lobte Broder. „Aber irgendwie hatten wir das Gefühl, dass sie da gar nicht hingehörte“, ergänzte Steinhöfel. Der stapelte bewusst tief, als er gegen Ende des Videos ironisch anmerkte: „Ich habe vom Strafrecht keine Ahnung, aber für dieses Verfahren reicht es.“

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