Kinder aus Tschernobyl

17 Mädchen und Jungen aus Weißrussland zu Gast in Emmerich

Die Betreuerin (li.), die die Kinder aus Weißrussland begleitet, war selbst als junges Mädchen in Emmerich. In ihrer Heimat lehrt sie die deutsche Sprache.

Foto: Diana Roos

Die Betreuerin (li.), die die Kinder aus Weißrussland begleitet, war selbst als junges Mädchen in Emmerich. In ihrer Heimat lehrt sie die deutsche Sprache. Foto: Diana Roos

Emmerich.   Der Emmericher Verein „Kinder aus Tschernobyl“ betreut zur Zeit wieder 17 Kinder aus Weißrussland. Sie wohnen bei Gastfamilien.

Die 17 Mädchen und Jungen kommen aus Weißrussland, genauer gesagt aus der Region Stolin – dort, wo 1986 nach dem Reaktor-Unfall in Tschernobyl der meiste radioaktive Regen herunter kam. Jetzt verbringen die 8- bis 14-Jährigen ihre Ferien in Emmerich. „Und fühlen sich hier richtig wohl“, freut sich mit ihnen Ernst Grodowski, Vorsitzender der Emmericher Initiative Kinder von Tschernobyl.

Dreieinhalb Wochen sind die Kinder, die hier in Gastfamilien wohnen, in Emmerich – und bekommen ein schönes Programm geboten. „Heute gestalten wir hier im Martini-Pfarrheim beige Stofftaschen“, erzählt Melanie Reimann. Die Arzthelferin engagiert sich seit vielen Jahren im Verein, ebenso wie Gabi Eul, die schon seit 15 Jahren Gastkinder aufnimmt. „Von den sieben Kindern, die unsere Familie dort drüben hat, ist jetzt gerade das sechste hier“, lacht die engagierte Frau.

Natürlich kostet die Einladung inklusive Fahrt den Verein einiges. „Gut 11 000 Euro brauchen wir für alles zusammen pro Jahr“, weiß der Vorsitzende, der selbst alle drei, vier Jahre auf eigene Kosten nach Weißrussland fährt und die Region sowie die Menschen dort mittlerweile gut kennt. Zum einen erhält der Verein Spenden von Privatleuten und Firmen, verkauft aber auch auf dem Weihnachtsmarkt selbstgebackenen Kuchen und Marmelade. „Die Emmericher sind wirklich spendenfreudig“, lobt er die Bürgerschaft.

40 Mitglieder hat der Verein, der im Laufe der 25 Jahre 700 Kinder nach Emmerich eingeladen hat. Zwölf Familien beherbergen die Mädchen und Jungen, in deren Begleitung drei weißrussische Frauen sind, die vor Ort für die russisch sprechenden Kinder dolmetschen.

„Die Menschen dort leben 365 Tage im Jahr in der radioaktiv verseuchten Gegend“, weiß Ernst Grodowski. Entsprechend gut tue es den Mädchen und Jungen aus eher ärmeren Verhältnissen, für einige Zeit einen Tapetenwechsel zu haben. Und hier tolle Dinge zu erleben.

So fahren sie unter anderem in den Burger’s Zoo nach Arnheim, ins Wunderland Kalkar – und ins Embricana. „Das ist immer für alle das Highlight“, weiß der Vorsitzende, der natürlich selbst auch immer Kinder bei sich zu Hause aufnimmt.

Und glücklich darüber ist, dass sich hier so viele Unterstützer finden. Was nicht überall der Fall sei. In Kleve etwa gibt’s den Verein nicht mehr. Die Kinder, die zu Beginn des Urlaubs sogar das Deutsche Sportabzeichen ablegen konnten, haben die Hälfte ihrer Zeit hier hinter sich. Und, da ist sich Grodowski sicher, kommen bestimmt gerne wieder.

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