Ärger um Baumfäll-Aktion

Ärger um eine gefällte alte Esche in Millingen

Streit über einen Baum: Andreas Böing (rechts) muss sich für die Fällung rechtfertigen. Die Anwohner sind erbost.

Streit über einen Baum: Andreas Böing (rechts) muss sich für die Fällung rechtfertigen. Die Anwohner sind erbost.

Foto: Klaus-Dieter Stade

Rees-Millingen.   In Millingen ärgern sich Nachbarn über die Fällung einer alten Esche. Die Stadt Rees ließ den Baum wegen eines angeblichen Pilzbefalls fällen.

Gerd van Ackeren versteht die Welt nicht mehr: „Ich fasse es nicht, Sie haben diesen Baum einfach gefällt. Ohne Rücksprache im Rat, ohne ein entsprechendes Gutachten, einfach so. Das ist unglaublich.“ Gerd van Ackeren steht mit ein paar Nachbarn im Ortszentrum von Millingen und kriegt sich nicht mehr ein.

Vor ihm steht nur noch der Baumstumpf einer stattlichen Esche – 3,40 Meter im Umfang und 1,06 Meter im Durchmesser. Ganze 88 Jahre hat der Baum das Ortsbild geprägt, seit vergangener Woche ist er nicht mehr da.

Die Nachbarn wollen das aber so nicht hinnehmen und baten jetzt die NRZ und den zuständigen Bauhofleiter der Stadt Rees, Andreas Böing, zum Gespräch.

Es ging vor Ort lebhaft zu. Die Nachbarn nahmen kein Blatt vor den Mund und teilten Böing ungeschönt ihre Meinung mit: „Dieser Baum war ein Monument“, sagte Brigitte van Ackeren. „Er hat zwei Weltkriege überlebt, da sollte man mit mehr Respekt agieren.“

Es liegt kein Gutachten vor

Bauhofleiter Andreas Böing ließ den Baum aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht entfernen. In der Tat stand die Esche mitten auf einem Gehweg und sehr nah an zwei Einfamilienhäusern. Es habe Beschwerden gegeben und der Baum sei vom Eschen-Spitzen-Virus befallen gewesen, sagte Böing. Für Werner Gronau liegt der Fehler bereits in der Planung des Baugebietes: „Wie kann man die Wohnbebauung nur so dicht an diesem Baum zulassen? Das ist eine krasse Fehlplanung.“

Dass der Baum krank war, wollen die Nachbarn nicht glauben. „Der Baum war völlig gesund. Er trug ein stattliches Blätterkleid“, ist sich Werner Gronau sicher. Ehefrau Melanie wollte daher wissen, ob es ein Gutachten gibt, welches die Krankheit des Baumes belegen könne.

Andreas Böing musste zugeben, dass man kein Gutachten in Auftrag gegeben habe und auch einen externen Sachverständigen habe man nicht zu Rate gezogen. „Wir haben den Baum mehrmals begutachtet“, sagte Böing. Er gab zu, dass man den Baum als Eschenkopfbaum hätte schneiden können.

Die Anwohner misstrauen der Stadt

Das ist aber nicht erfolgt. Die Anwohner misstrauen der Stadt. Der abgesägte Stumpf des Baumes gibt keinen Aufschluss über eine mögliche Krankheit, das Holz ist noch kernig. „Sie haben es sich hier sehr einfach gemacht, Herr Böing“, sagte Gerd van Ackeren. Der Bauhofleiter wehrte die Kritik ab. „Wir haben es uns alles andere als leicht gemacht. Wir möchten auch nicht ohne weiteres Bäume fällen, aber hier ging es nicht anders.“

>>EIN BAUMSCHNITT HÄTTE ES AUCH GETAN

Bauhofleiter Andreas Böing sagte, dass es auch im Seniorenbeirat Kritik an der Esche gegeben habe. So seien die Versorgungsleitungen und das Gehwegpflaster durch den Baum beschädigt worden.

Die Nachbarn hätten sich eine weniger radikale Maßnahme gewünscht: „Man hätte den Baum auch beschneiden können“, sagt Melanie Gronau, die auch im Naturschutzbund aktiv ist und sich über Eschen informiert hat.

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