Schule

Am Niederrhein starten nur Reeser Schulen schon um 7.30 Uhr

Am Schulzentrum in Rees beginnt der Unterricht seit Jahren schon um 7.30 Uhr. „Das ist gelebte Praxis“, findet Klaus Hegel, Schuleiter vom Gymnasium.

Am Schulzentrum in Rees beginnt der Unterricht seit Jahren schon um 7.30 Uhr. „Das ist gelebte Praxis“, findet Klaus Hegel, Schuleiter vom Gymnasium.

Foto: Konrad Flintrop

Rees.  Das ist einmalig, zumindest am Niederrhein: In Rees starten die drei weiterführenden Schulen schon um 7.30 Uhr. Probleme damit gibt es kaum.

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Sie ist nicht nur die älteste Stadt am unteren Niederrhein. Sozusagen ein Alleinstellungsmerkmal hat Rees auch in Sachen Schulzentrum. Denn hier beginnt der Unterricht schon um 7.30 Uhr, und nicht etwa wie sonst überall üblich um 8 Uhr. „Das hat viele Vorteile“, sagt Schulleiter Klaus Hegel. Nicht zuletzt wegen der Kooperation mit dem Jan-Joest-Gymnasium in Kalkar. Kritik, der frühe Beginn sei schädlich gerade für jüngere Schüler, hält er für unbegründet.

So ganz genau weiß Hegel auch nicht, wann der frühe Start eingeführt wurde. „Es ging damals um die Schulbus-Kosten“, erklärt der Pädagoge. Weil die Grundschulen um 8 Uhr den Unterrichtsstart hatten und haben, hätte man die Schüler-Busse gleich zwei Mal hintereinander fahren lassen können – und so „einen sechsstelligen Betrag eingespart“, meint Schulpflegschaft-Vorsitzender Norbert Feldhaus.

Schädlich für den Bio-Rhythmus gerade junger Schüler, sagt Feldhaus

Er hält nichts vom frühen Unterrichtsbeginn, „weil das schädlich ist für den Bio-Rhythmus gerade der jungen Schüler“, argumentiert der Berufsberater. Darüber gebe es unzählige Studien, die das belegen würden. Schlechtere Lernfähigkeit, Müdigkeit, weil die Jungs und Mädchen aus dem Tiefschlag gerissen werden: „Das passiert durch den 7.30-Uhr-Beginn“, findet er, zitiert die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung, die das ebenso sehe. Ein um eine halbe Stunde späterer Schulbeginn würde seiner Meinung nach „30 Prozent mehr Power“ zur Folge haben.

Unterstützung erhält seine Sicht vom anderen Ende der Welt. In Kalifornien, wo die Schüler auch so früh wie in Rees zur Schule gingen, wurde das eben aus den besagten Gründen per Gesetz verboten. Dort soll der Unterricht jetzt um 8.30 Uhr anlaufen, hieß es in den Nachrichten.

Der Beginn um 7.30 Uhr hat sich gut eingespielt, findet Hegel

Für Klaus Hegel, sagt er, ist das keine Option. „Der Beginn um 7.30 Uhr hat sich gut eingespielt“, findet der Emmericher. Und weiß sein Kollegium weitgehend hinter sich. Übrigens auch Schulsprecher Flemming Schenk. Der 18-Jährige findet die Anfangszeit ok. „Ich habe auch nichts anderes von Mitschülern gehört“, meint er.

Für Klaus Hegel gibt es aber weitere Gründe, an dem „am Niederrhein wohl einmaligen Frühstart“ fest zu halten, besonders mit Blick auf die Oberstufe. „Wenn wir zur gleichen Zeit wir das Kalkarer Gymnasium beginnen würden, säßen unsere Leistungs-Kurs-Schüler nicht eine Stunde im Bus, sondern zwei“, erklärt er. Sonst kämen sie auch nicht mehr pünktlich zum Unterricht. In letzter Konsequenz, wenn aufgrund der Fahrzeiten die Kooperation mit Kalkar aufgegeben werden würde, könnte ein Leistungskurs sogar dadurch wegfallen.

Damit können wir gut leben, meint Schülersprecher Flemming Schenk

Außerdem würde es Probleme geben durch die Rückkehr zu G 9. „Die Q1 und Q2, sprich elfte und zwölfte Klasse, müssen 34 Stunden pro Woche absolvieren. Würden wir statt 7.30 Uhr um 8 Uhr beginnen, kämen die Schüler später am Nachmittag nach Hause“, sagt Hegel.

Der noch ein Argument anführt, warum der frühe Start auch für die Leistungskurs-Schüler akzeptabel sei. „Denn alle Leistungskurse, auch in Kalkar, starten immer frühestens um 9.20 Uhr. Das ist gelebte Praxis!“ Damit können wir gut leben, findet auch Q 2-Schüler Flemming Schenk. Und auch Norbert Feldhaus lobt da den Stundenplan-Macher.

Für viele Eltern sei der frühe Schulbeginn eher praktisch

Dass sich die Mehrheit der Eltern gegen den frühen Unterrichtsstart stark machen, auch wenn sie damit nicht unbedingt glücklich sind, sieht der langjährige Schulpflegschaft-Vorsitzende selber nicht. „Für viele Eltern ist es sicher aus beruflichen Gründen eher praktisch, wenn die Kinder früh aus dem Haus sind“, glaubt er. Die Politik, die sich erst jüngst mit dem Thema befasst hat, will ebenfalls keine Veränderung.

Damit dürfte Rees auch weiterhin einen Schulstart haben, den es zu dieser Zeit sonst weit und breit nicht gibt. Aber damit können und wollen offenbar die allermeisten leben. Wie sagt es Klaus Hegel: „Das ist gelebte Praxis!“

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