Bauprojekt

Amprion startet mit Pilotprojekt in Isselburg

Bernd Meckenstock (von links), Alexander Gischas (beide Bauaufsicht), Projektleiter Stefan Blödow  sowie Sina R

Foto: Konrad Flintrop

Bernd Meckenstock (von links), Alexander Gischas (beide Bauaufsicht), Projektleiter Stefan Blödow sowie Sina R Foto: Konrad Flintrop

Isselburg.   Seit dieser Woche errichtet Amprion die 22 Vollwandmasten aus Stahl zwischen der Umspannanlage Millingen und der Grenze in Anholt.

Als im 19. Jahrhundert die USA von der Ost- zur Westküste mit einer Telegrafenlinie ausgestattet wurden, wunderten sich die Menschen entlang des „singenden Drahtes“ über das technische Wunderwerk. Mittlerweile hat sich das Rad der Zeit in fulminanter Geschwindigkeit weitergedreht, doch dem Bau der 380-kV-Höchstspannungsleitung von Wesel nach Doetinchem haftet der Hauch von Pioniergeist an. „Für uns ist das hier ein Pilotprojekt“, sagt dann auch Stefan Blödow, Projektleiter bei der Firma Amprion. „Es ist die erste Leitung in Deutschland, bei der Stahlvollwandmasten zum Einsatz kommen.“

Bis zu 170 Tonnen schwer

Seit Montag haben die Arbeiten auf Isselburger Stadtgebiet begonnen, wo eben erstmals die Vollwandmasten errichtet werden. „Wir sind noch in einer Lernphase. Ich gehe davon aus, dass wir pro Tag einen Mast errichten werden“, erläutert Bernd Meckenstock von der Bauaufsicht. 22 Vollwandmasten werden es am Ende sein, die von der Umspannungslage Millingen bis zur deutschen Grenze in Anholt stehen werden.

60 Meter ragen die bis zu 170 Tonnen schweren Masten in den Himmel und unterscheiden sich frappierend von den bisher gebräuchlichen Stahlgittermasten. An den bis zu 3,7 Meter breiten Mastkörper werden drei Traverseebenen mit einer Ausladung von rund acht Metern montiert. Bevor die Traversen montiert sind, erinnern die hoch in den Himmel ragenden Masten an die in der Umgebung stehenden Windräder.

Zum einen dient das Pilotprojekt dazu, diese neue Bauart in der Praxis zu testen. Außerdem möchte Amprion prüfen, ob das Design dazu beiträgt, die Akzeptanz von Höchstspannungsleitungen in der Landschaft zu steigern.

Im Vergleich zu den klassischen Stahlgittermasten ist der Vollwandtyp sowohl teuerer als auch aufwendiger im Bau. Allein der Transport der einzelnen bis zu 50 Tonnen schweren Elemente ist eine logistische Herkulesaufgabe, da die Schwertransporte aus Dänemark kommen. Die Fertigstellung der Masten ist auf Ende Februar 2018 terminiert, wobei hier immer noch der Faktor Wetter mitberücksichtigt werden muss. Danach werden die Leitungen gezogen.

Aktuell können die Vollwandmasten aus statischen Gründen nur zwei Stromkreise führen. Auf den sieben Kilometern von Millingen bis zur Grenze in Anholt tragen die Masten daher lediglich zwei 380-kV-Stromkreise. Von Wesel bis Millingen hingegen führt Amprion zusätzlich noch zwei 110-kV-Leitungen mit, so dass dieser Abschnitt für das Pilotprojekt nicht infrage kam. Der erste Stromkreis wird voraussichtlich im Juli 2018 in Betrieb genommen, der zweite planmäßig im September 2018.

>> OPTISCH AN DIE NIEDERLANDE GEHALTEN

Schon etwas weiter fortgeschritten ist die Bauphase auf niederländischer Seite. Die von Amprion nun erstmals benutzten Vollwandmasten bilden den optisch passenden Anschluss an das Design der niederländischen Wintrack-Masten. Diese nutzt der Übertragungsnetzbetrieber Tennet, der für den Bau der Leitung auf der niederländischen Seite zuständig ist.

Sowohl in Deutschland als auch in den Niederlanden gibt es erhebliche Bürgerproteste gegen den Bau einer 380-kV-Leitung. So forderte unter anderem die Bürgerinitiative Isselburg21 ein Erdkabel.

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