Bordell-Prozess

Angeklagte im Eltener Casa-Rossa-Prozess haben nun ausgesagt

Der Casa Rossa-Prozess musste bekanntlich neu gestartet werden, weil eine Richterin erkrankte. Doch diesmal zeigen sich die Angeklagten kooperativer, sagen auch selbst aus.

Foto: Thorsten Lindekamp

Der Casa Rossa-Prozess musste bekanntlich neu gestartet werden, weil eine Richterin erkrankte. Doch diesmal zeigen sich die Angeklagten kooperativer, sagen auch selbst aus. Foto: Thorsten Lindekamp

Elten/Kleve.   Zweiter Tag im Eltener Casa-Rossa-Prozess: Angaben zu den Vermögensverhältnissen und eine überraschende Erklärung des Sohnes prägten den Tag.

Sein Mandant, so verlas es Anwalt Joachim Albert in einer mehrseitigen Erklärung, habe von den Rotlichtgeschäften Abstand genommen und versuche nun sein Glück im Handel mit „hochwertigen Autofelgen“. Die in den Worten verborgene Mitteilung, dass die Justiz diesen Neuanfang bitte nicht allzu sehr damit behelligen möge, zu sehr in der Vergangenheit herumzustochern, war die nächste Überraschung in der an Wendungen reichen Aufarbeitung der Geschäfte, die in dem Bordell Casa Rossa in Elten in den vergangenen Jahren abliefen.

Angeklagt sind die Eheleute Martin (72) und Marion B. (67) sowie deren Sohn Marvin (33), die nach Auffassung der Staatsanwaltschaft das Etablissement an der Grenze gemeinsam betrieben haben sollen und dabei Steuern und Sozialversicherungsabgaben in Millionenhöhe schuldig blieben.

Zeugen hatten viele Versionen

Im ersten Prozess, der wegen der Erkrankung einer Richterin abgebrochen werden musste, litt das Geschehen darunter, dass die Angeklagten – was ihr gutes Recht ist – so gut wie nichts zu ihren Geschäften sagten und die Zeugen mehr Versionen präsentierten als die Promenade Pflastersteine hat.

In der Neuauflage des Verfahrens erscheint die Atmosphäre im Gerichtssaal deutlich kooperativer. Am Donnerstag, am zweiten Verhandlungstag, ließ Marvin B. über seinen Anwalt seine Version der Geschehnisse schildern. Diese aber hatte es in sich. Demnach sei der Sohn tatsächlich für den Betrieb des Bordells verantwortlich gewesen, und, so sein Anwalt, „er bestreitet die Vorwürfe vorsätzlich begangen zu haben“.

Immer mit Finanzamt kooperiert?

Albert wies darauf hin, dass Marvin B. mit dem Finanzamt wie gewünscht kooperiert habe und dass es „außerhalb seiner Vorstellungskraft“ gelegen habe, Verstöße gegen Gesetze begangen zu haben. Er habe das Geschäft in der Überzeugung geführt, „alles richtig gemacht zu haben“. Scheinmietverträge habe es nicht gegeben. Dass nicht sein Mandant, sondern dessen Mutter den Gang zum Steuerberater angetreten habe, sei mit „alter Verbundenheit“ zu erklären.

Die Staatsanwaltschaft hingegen ist überzeugt, dass Marion B. weiterhin mit ihrem Mann Martin die Fäden zog. Auch die Mutter äußerte sich am Donnerstag erstmals ausführlicher vor Gericht. Was ihr Sohn habe vortragen lassen, entspreche den Tatsachen. Die Videoüberwachung des Betriebs, die der Anklage der Staatsanwaltschaft zugrunde liegt, zeige, dass sie in drei Wochen nur zweimal im Casa Rossa gewesen sei.

Verwechslung auf Videoaufnahmen

Zu selten, um die Geschäfte geführt zu haben. Auf anderen Videoaufnahmen sei sie mit einer ähnlich aussehenden polnischen Frau verwechselt worden. Dokumente aus der Emmericher Verwaltung, die vor Gericht gesichtet wurden, belegten, dass der Betriebsübergang von der Mutter auf den Sohn 2010 formal korrekt abgewickelt worden ist.

Zu ihren Vermögensverhältnissen befragt, erklärte Marion B., sie lebe derzeit von 500 Euro Rente. Und die Immobilien? Das Bordell in Elten und ein Haus an der Promenade in Emmerich? Fragte Richter Christian Henckel. „Das gehört alles Herrn Timmer“, antwortete sie schlagfertig. Gemeint war Staatsanwalt Hendrik Timmer. Er hatte die Vermögenswerte der Familie beschlagnahmen lassen. Der Prozess wird fortgesetzt.

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