Kreis Kleve. . Claudia Burghart von der Caritas gibt Flüchtlingen seit einem halben Jahr Hilfe – vor allem wenn es um die Rückkehr in ihre Heimat geht.

Als Claudia Burghart vor einem halben Jahr erfuhr, dass sie diese Aufgabe übernimmt, hat sie sich erst mal tage- und nächtelang ins Thema hinein gekniet: Was bedeutet Rückkehrhilfe für Flüchtlinge? Gesetze, Bestimmungen, Fachadressen – wer kann was? Behörden – wer ist wofür zuständig? Botschaften – wo sitzen sie für welches Land? Aktiv will die Aufgabe seit vier Monaten bewältigt werden. Die Caritas-Beraterin ist allein für den gesamten nördlichen Kreis Kleve zuständig – von Emmerich und Rees bis Goch, Kalkar, Kleve, dazu die ZUE, Zentralen Unterbringungseinrichtungen.

Sie hat mal zehn, mal 30 Kunden am Tag

Wie viele Kunden sie schon hatte? Mal zehn, mal 30 am Tag, mal drei, dafür -zig Telefonate. Ihr kleiner Taschen-Übersetzer ist das wichtigste Handwerkszeug. Nicht immer gut, aber man versteht, worum es geht. Was sie für den Job vor allem mitbringt, ist aber die emotionale Ebene. Viel, viel Verständnis, eine warme Ausstrahlung, ein ruhiger Blick, der Vertrauen schenkt. Denn das müssen all ihre Klienten erst gewinnen.

Auch die Männer hören respektvoll auf sie als Fach-Frau.

Vor allem die Frauen aus bestimmten Ländern wie Iran, Irak, Afghanistan, sind es gewohnt, den Blick demütig zu senken. „Sie werden hilflos und klein gehalten, für unsere westliche Einstellung nicht vorstellbar“, beschreibt Claudia Burghart. Doch manche Frau steht hier alleinerziehend mit Kindern und muss plötzlich ihr Leben regeln. Oder lebt nach Gewalterfahrung mit dem Mann in einer anderen Stadt getrennt, das deutsche Gesetz schützt sie. „Jeder Fall ist individuell“, sagt Burghart.

Auch die Männer hören respektvoll auf sie als Fach-Frau. „Ich habe nie jemanden gesehen, der sich nicht benommen hätte. Gerade auch die jungen sind meine Spezies. Die haben halt schon mal Dummheiten gemacht wie Schwarzfahren, die tun mit Anfang 20, was bei uns Jugendliche machen. Kleine Schelme, sie genießen die ungewohnte Freiheit“, kommt ihnen die Mutter als Beraterin entgegen. Die Jungen staunen über die westliche Gelassenheit. „Gleichaltrige hier stehen im Job, da können die Flüchtlinge nicht mithalten. Die Folgen sind Neid oder Nacheifern-Wollen, aber keinerlei Böswilligkeit. Sie brauchen nur jemanden, der mit ihnen überlegt: Was kannst du?“.

Burghart: „Ich versuche von vornherein zu beraten, was passieren kann.“

Mit Familien, mit Männern, mit Frauen will die Sozialwissenschaftlerin von der Caritas die Zukunft besprechen. „Ich versuche von vornherein zu beraten, was passieren kann. Dass ihr Asylantrag nicht genehmigt wird, dass sie Plan, A, Plan B, Plan C brauchen.“ Was ist, wenn sie Negativbescheide vom Bundesamt bekommen, freiwillig ausreisen sollen, unter Zwang innerhalb von Tagen ausreisen müssen, wenn sie bleiben dürfen, hier ihr Studium oder ihre Ausbildung absolvieren?, zählt Burghart auf. „Welche Perspektiven hätten sie hier, vor allem aber: Welche Perspektiven haben sie in ihrer Heimat vor Ort.“ Es geht um Rückkehr-Beratung, auch wenn sie „ergebnisoffen geführt wird“.

Aber selbst, wenn Menschen sich erst nach abgelehntem Asylantrag mit dem Thema Rückkehr beschäftigen, können sie Zeit gewinnen, indem sie sich zu einer „freiwilligen“ Ausreise bereit erklären. Und die können sie über ein paar Wochen mit Claudia Burghart vorbereiten. Woher wissen die Ausländer, dass es sie gibt? „Das spricht sich rum. Es heißt: Frag Claudia“, weiß Claudia Burghart.

Claudia Burghart hat eine Acht-Punkte-Checkliste zusammengestellt

„Ich habe mir einen roten Faden erstellt, eine Acht-Punkte-Checkliste über Ressourcen, Wünsche, ob Träume realistisch sind. Ich frage nach, welche sozialen Kontakte noch bestehen. Können die Flüchtlinge zum früheren Arbeitgeber zurück? Was können sie besonders gut? Viele Männer sind durch Gelegenheitsjobs in mehreren handwerklichen Bereichen begabt, wissen das aber nicht gezielt einzusetzen. Frauen können vielleicht besonders gut kochen oder nähen.“ Es wird geprüft, ob es finanzielle Förderprogramme gibt, damit die Rückkehrer in ihrer Heimat wieder Fuß fassen können. Ein Businessplan muss vorgelegt werden. Schon von hier aus eine Adresse finden, einen Kontakt herstellen, damit man bei der Ankunft nicht allein dasteht. Man kann Material mitgeben, „vielleicht sogar eine Nähmaschine,“, mit der eine Witwe den Lebensunterhalt für sich und die Kinder bestreiten kann. „Oder die Idee umsetzen, ein Lädchen mit Textilien in Ägypten zu eröffnen, wobei von Vorteil ist, wenn man inzwischen ein paar deutsche Sprachkenntnisse mitbringt und den deutschen Modegeschmack kennt.“

Es wird Hilfe bei der Wohnungssuche geboten

Andererseits fühlen sich manche mit den Freiheiten hier nicht wohl und wollen einfach in ihre Familien zurück. Geholfen werden kann vielleicht bei der Wohnungssuche, wenn das Haus nicht mehr steht, in dem man gelebt hat. „Mit manchen Leuten stehe ich über ‘whatsapp’ in Kontakt und versuche sie aus der Ferne ein wenig zu begleiten“, sagt die engagierte Oberhausenerin am Niederrhein.

Burghart: „Was fehlt, ist ein vernünftiges Einwanderungsgesetz.“

„Ich bilde mich kontinuierlich fort, ständig ändert sich ‘was“, sagt Claudia Burghart. Sie baut ein Netzwerk auf über Rechtsanwälte, andere Rückkehrhelfer.

Burghart meint: „Was fehlt, ist ein vernünftiges Einwanderungsgesetz. Wer fleißig ist, soll bleiben dürfen.“ Auch da kennt sie eine Menge Beispielfälle, alle ergreifend. „Doch sagt fast jeder: Wenn ich könnte, würde ich zu Hause das-und-das machen. Das Schönste ist für alle doch das Heimatland. Egal, wie schwierig es da ist. Wenn wir helfen können, dass sie zu Hause leben, moderne Sichtweise mitbringen und mit ihren Erkenntnissen Veränderung schaffen“, wäre viel gewonnen. „Da gehören Förderprogramme hin, damit sie in ihrer Heimat bleiben können. Sonst sind die selben Flüchtlinge in ein paar Monaten wieder hier.“