Jobbörse

Auch in Emmerich gibt es einen Wandel zum Bewerbermarkt

Auch die Speditionsfirma Convent suchte bei der zweiten Jobbörse in Emmerich nach geeignetem Personal.

Auch die Speditionsfirma Convent suchte bei der zweiten Jobbörse in Emmerich nach geeignetem Personal.

Foto: Klaus-Dieter Stade

Emmerich.   Auch bei der zweiten Jobbörse im Emmericher PAN war zu sehen: Der Arbeitsmarkt ist kein Stellenmarkt mehr. Bewerber sind gefragt wie noch nie.

Es tut sich was auf dem Arbeitsmarkt – das war auch bei der zweiten Jobbörse im PAN zu spüren. „Die ersten Leute standen schon um 13.45 Uhr vor der Tür und waren neugierig“, erzählt Sascha Terörde, Wirtschaftsförderer der Stadt Emmerich.

Dabei entwickelt sich der Arbeitsmarkt gerade genau in die andere Richtung: Nicht die Arbeitnehmer sind es, die für einen Job Schlange stehen. Es sind die Arbeitgeber, die sich strecken müssen, um geeignetes Personal zu bekommen, weiß Wilfried Kullmann, Teamleiter des Arbeitgeber-Service der Bundesagentur für Arbeit in Kleve.

Ein Job für die Zukunft

„Es muss ein Umdenken stattfinden bei den Arbeitgebern. Ich muss heute investieren, um das Personal zu bekommen, das ich benötige“, weiß der Experte und fügt hinzu: „Heute sind viele Arbeitgeber sogar auf Abwerbertour.“

Das heißt aber nicht, dass sich die Arbeitnehmer ausruhen können. „Wenn du nicht bereit bist, was zu lernen, dann wirst du es immer schwieriger haben“, mahnt er.

Aus diesem Grund sind Miriam Lörx und Stefanie Braam auch auf der Suche nach einem neuen Arbeitgeber. Die Zwei sind im Januar mit ihrer Ausbildung zur Industriekauffrau bei KLK in Emmerich fertig, können aber nicht übernommen werden. Da kam die Jobbörse wie gerufen, sagt Lörx: „Ich hoffe, dass ich hier was Interessantes finde.“ Und auch ihre Kollegin hofft auf den richtigen Job, „der mich anspringt“.

Wären die Zwei ausgebildete Fachwirte, würden sie bei Michael Lommen vermutlich gute Jobchancen haben. Seine Steuerberatung Lommen und Kollegen ist schon lange auf der Suche nach geeignetem Fachpersonal, findet aber selten einen geeigneten Bewerber.

Convent hat Nachwuchsprobleme

Zum einen hänge das mit aktuellen Fachkräftemangel zusammen, erklärt Lommen, zum anderen sei der Standort Niederrhein nicht der attraktivste. Um Mitarbeiter zu locken, muss der Diplom-Betriebswirt seinen Angestellten deshalb auch mal entgegenkommen. So bot er zum Beispiel einen kostenlosen Sportkurs für alle an, bald könnte eine Mitgliedschaft im Fitnessstudio dazukommen.

Doch nicht jedes Unternehmen kann und will sich solche Bonbons leisten, erklärt Frank Schramm, Personalbeauftragter bei Convent in Emmerich. Auch die Spedition ist dringend auf der Suche nach Fahrern und Mitarbeitern fürs Lager. „Wir haben ein Nachwuchsproblem und auch wenig Bewerbungen auf freie Ausbildungsstellen.“

Den Bewerbern auf Augenhöhe begegnen

Um dem Personal dennoch Anreize zu bieten, können sich die Mitarbeiter bei Convent weiterbilden. Schramm erzählt zum Beispiel, dass eine Lagerkraft bald zum Lkw-Fahrer weitergebildet wird. Auch in der Speditionsbranche müssten sich die Arbeitgeber strecken und Mitarbeitern etwas bieten – wenn sie denn Leistung bringen.

Nach Meinung seines Kollegen Markus Schramm, Speditionsleiter, müssten sie sich heute aber auch darauf einlassen, den Bewerbern auf Augenhöhe zu begegnen: „Daran muss sich der ein oder andere aber sicherlich erst mal gewöhnen. Früher sagte man, Lehrjahre sind keine Herrenjahre. Das gilt heute nicht mehr.“

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