NRZ Mensch am Mittwoch

„Auch mal abseits der Tradition“

Stefan Burs leitet die Städtische Singgemeinde Kleve und ist Kantor in Emmerich.

Stefan Burs leitet die Städtische Singgemeinde Kleve und ist Kantor in Emmerich.

Foto: Torsten Barthel

Kleve.   Stefan Burs leitet die Städtische Singgemeinde Kleve und ist Kantor in Emmerich. Er studierte Kirchenmusik. „Tulpen aus Amsterdam“ zum Tanztee.

Wie stellt man sich den idealen Chorleiter vor? Ein Könner auf seinem Fachgebiet sollte er oder sie sein, motivierend, gründlich, aber auch mit Witz und ohne Scheuklappen. Mit Menschen sollte er umgehen können und sich von nichts so schnell aus der Fassung bringen lassen. Das ist eine ziemlich genaue Beschreibung von Stefan Burs. Der ist seit 1996 Kantor in Emmerich und seit 2009 Leiter der Städtischen Singgemeinde Kleve.

Für Musik hat er sich schon früh begeistert. Speziell für die Kirchenmusik. Der geborene Duisburger, Jahrgang 1969, stammt aus einer katholischen Familie: die Mutter aktiv in der Frauengemeinschaft, der Vater im Kirchenvorstand, der 16 Jahre ältere Bruder leitete den Kirchenchor und spielte sonntags die Orgel.

Für die Orgel mussten erst mal die Beine wachsen

„Mit sechs Jahren durfte ich die Liedanzeige bedienen“, erinnert er sich. Der Klavierunterricht gefiel ihm, noch mehr die Orgel, aber dafür mussten erst mal die Beine wachsen. „Ich war in vielen Sportvereinen, aber da war ich weder begabt noch hatte ich großes Interesse.“ Ganz anders sah es in Sachen Musik aus. Mit 14 Jahren begann er, sich auf das C-Examen vorzubereiten. Ein Jahr vor dem Abitur war er damit fertig.

Dass er danach Kirchenmusik studieren wollte, war seit Jahren klar. Die Aufnahmeprüfung an der Robert-Schumann-Hochschule für Musik in Düsseldorf war für ihn da kein Problem mehr. Aber zuerst musste er seinen Zivildienst ableisten. „Da habe ich mit drei anderen eine kleine Tanzkapelle gegründet“, schmunzelt er. Nachmittags spielten sie in Duisburger Seniorenheimen zum Tanztee auf, Lieder wie „Tulpen aus Amsterdam“.

Während des Studiums hatte Stefan Burs dann schon eine große Kirchenmusikerstelle in Duisburg – morgens Messe spielen, danach nach Düsseldorf zum Studium fahren.

Nach A-Examen und Konzertexamen ging er dann nach Emmerich. Warum Emmerich? „Ich wollte bewusst in eine Kleinstadt“, sagt er. „Düsseldorf oder Köln haben mich nie gereizt.“ So fing er in St. Adelgundis an – damals gab es da am Wochenende noch vier Messen, heute gibt es vier Messen in der ganzen Stadt. „Eigentlich hätte ich damals auch kein Telefon gebraucht, denn alle Zuständigen waren am Kirchplatz, und wenn die Glocken läuteten, marschierte ich zur Kirche.“ Heute dagegen spielt er Orgel in den verschiedenen Kirchen. Kommunikation läuft über E-Mail, die Gemeinden sind fusioniert.

Die Bach-Herausforderung

Mit der Chorgemeinschaft St. Adelgundis übernahm er 1996 einen guten Chor, der sich 1998 mit dem Kirchenchor von St. Martini zusammenschloss. 2009 übernahm er dann die Städtische Singgemeinde Kleve. „So eine Orgel hat ja schon eine große Faszination, aber man ist immer allein auf der Orgelbühne. Der Chorklang ist ebenfalls eine tolle Sache, noch dazu hat man mit Menschen zu tun.“ Zudem, sagt Burs, erreiche man mit Chorkonzerten mehr Zuhörer.

Gerne führt er die großen Chorwerke von Bach bis Mendelssohn auf. „Aber ich finde, dass man auch immer mal wieder etwas machen muss, das abseits der großen Tradition steht.“ Ein Stück wie das Requiem von Karl Jenkins, das er am Samstag, 10. November, mit der Städtischen Singgemeinde Kleve in der Christus-König-Kirche aufführt. „Das Stück geht stilistisch auch auf Zuhörer zu, die nicht unbedingt das klassische Repertoire hören.“

Für 2020 hat er hingegen die Matthäus-Passion von Bach eingeplant: „Das Stück habe ich bislang noch nicht dirigiert.“ Auch orgelmäßig hat er sich einiges in Sachen Bach vorgenommen. In Konzerten und Gottesdiensten will er in den nächsten Jahren sämtliche Orgelwerke von Bach aufführen. „Das ist eine tolle Herausforderung“, freut er sich. Und natürlich tolle Musik.

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