Geschichtsforschung

Ausstellung: Wie die Reeser Jugend das Kriegsende erlebte

Anni Schweers wurde von einem Schüler interviewt. Das Gespräch mit der Zeitzeugin wurde als Video verewigt.

Anni Schweers wurde von einem Schüler interviewt. Das Gespräch mit der Zeitzeugin wurde als Video verewigt.

Foto: Thorsten Lindekamp

Rees.   Reeser Gymnasiasten haben anhand von Dokumenten, Relikten und Interviews mit Zeitzeugen das Schicksal der Jugend zum Kriegsende erforscht.

Die mahnenden Worte von Anni Schweers werden wohl allen Besuchern der Ausstellung „Wie Jugendliche in Rees das Kriegsende 1945 erlebten“ unvergessen bleiben: „Es darf nie wieder Krieg geben, Frieden ist das Wichtigste auf der Welt. Was nutzt es denn, wenn ihr alles habt und müsstet dann sterben.“ Die 92-jährige Zeitzeugin, von den Gymnasiasten des Oberstufenkurses Geschichte interviewt und dabei gefilmt, weiß, wovon sie spricht.

„Meine Kindheit auf dem Land war schön und unbeschwert“, erinnert sich die Haldernerin, doch was danach kam, war von Traurigkeit geprägt. Zu Kriegsende war sie so alt wie die Gymnasiasten jetzt, die sich außerschulisch mit dieser Thematik Zweiter Weltkrieg auseinandersetzen. Wie kam damals die Jugend, die den Krieg miterlebt hat, mit der Situation zurecht?

Spurensuche in Archiven

Dazu haben die Schüler sich in ihrer Freizeit auf Spurensuche begeben, haben in Archiven geforscht, Dokumente gesichtet, den Vriendshof in Grietherbusch besucht.

Hier trafen sie nicht nur auf Spuren des Krieges im Mauerwerk, sondern auch auf ein Tagebuch von Helene Baumann, das diese Zeit beschreibt. Zu sehen ist ihr Spiralblock in der am Montag eröffneten Ausstellung in der Schule. Seiten daraus wurden von den Schülern abgetippt und zum Nachlesen ausgestellt.

Volksempfänger und des Anwalts Fahrrad

Ein szenisches Lesen aus diesem Tagebuch wurde ebenfalls per Video festgehalten. Neben Zeitzeugeninterviews findet man in der Ausstellung einen Volksempfänger. Ebenso das alte Fahrrad von Bruno Leineweber, der für dessen Benutzung als Anwalt eine Besitzerlaubnis benötigte. Sein Tochter, Carla Gottwein, steuerte beispielsweise die Original Entnazifizierungspapiere von Bruno Leineweber bei, sechs Seiten mit über 100 Fragen galt es damals auszufüllen.

Eindrucksvoll auch eine alte Kellertür. „Viele Bewohner des Niederrheins haben Erinnerungen an die damaligen britischen und kanadischen Befreier bzw. Besatzer. Spuren und Relikte finden sich noch heute in privaten Häusern. So auch in unserem Haus in Rees, wo die Besatzer einen Kellerraum für ihre Vorräte beschlagnahmt hatten. Die Aufschrift „STORES. KEEP OUT. THIS MEANS YOU.“ auf der dazugehörigen Holztür zeugt noch heute davon“, führt Carla Gottwein aus.

Projekt „In der Ebene“ beleuchtet heutige Generation

Das von ihr initiierte Projekt „In der Ebene“ will aufmerksam machen auf ihre Generation, die erst langsam erahnt, wie sehr die Erlebnisse und Erfahrungen der Eltern und Großeltern sie bis heute prägen.

So liegt der Schwerpunkt der Ausstellungen und Lesungen auf der Endphase des Zweiten Weltkrieges am Niederrhein, auf der Befreiung durch die Alliierten, der britischen und kanadische Soldaten und der anschließenden Besatzung.

Keine Angst mehr zu haben ist ein großes Glück

Für Anni Schweers bedeutete das Kriegsende vor allen Dingen „keine Angst mehr haben zu müssen“. Auch wenn Hunger und Armut das Leben nach dem Krieg bestimmten.

Bei den Schülern merkte man, wie sehr sie das Projekt berührt hat und sie sich in das Schicksal der Zeitzeugen eindenken konnten. Dass es heute noch greifbare Relikte aus dem Zweiten Weltkrieg gibt, macht den Niederrhein, so Gottwein,„zu einem Erinnerungsort“.

>>DIESE SCHÜLER KONZIPIERTEN DIE AUSSTELLUNG

Die Ausstellung wurde von den Schülern der bilingualen Oberstufenkurse Geschichte konzipiert: Fynn Bauhaus, Marc Moland, Katharina Döring, Joel Grebe, Lukas Hitschfel, Mascha Piefel, Luisa Siemen, Esther van Gemmeren, Vera Biermann, Anna Dicker, Jana Drewes, Wim Gülich, Alexander Hockert, Maite Schulz und Andrea Tenhonsel.
Unterstützt wurden sie von den Lehrerinnen Manuela Kempken und Susan Rüther und Projektleiterin Carla Gottwein.

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