Interview

Bauamtsleiter Michael Carbanje rechnet sich gute Chancen aus

Selbstbewerber und Bauamtschef Michael Carbanje möchte die Leitung des Isselburger Rathauses übernehmen.

Selbstbewerber und Bauamtschef Michael Carbanje möchte die Leitung des Isselburger Rathauses übernehmen.

Foto: Konrad Flintrop

Isselburg.   Am 14. Januar 2018 wählen die Isselburger ein neues Stadtoberhaupt. Michael Carbanje tritt als so genannter Selbstbewerber an.

Michael Carbanje möchte Bürgermeister werden. Der 45-Jährige Leiter des Isselburger Bauamts tritt als so genannter Selbstbewerber an. Unterstützt wird er von der SPD.

Herr Carbanje, als wir uns für dieses Interview verabredet haben, war Ihre Vorgabe, dass wir uns auf keinen Fall in ihrem Büro im Bauamt treffen können...

Richtig. Ich trenne das strikt. In erster Linie bin ich Bauamtsleiter – noch. Dadurch habe ich die Verantwortung für die Stadt Isselburg im Rahmen der Bauverwaltung. Das zählt für mich erstmal. Ich möchte nicht meinen Wahlkampf mit der Arbeit als Bauamtsleiter verknüpfen. Das ist mir sehr wichtig. Darin sieht man ja auch, wie wichtig mir Isselburg ist.

Wieso haben Sie sich entschieden, als Bürgermeister-Kandidat anzutreten? Wann ist die Entscheidung gefallen?

Ich habe drei Bürgermeister erlebt, die nicht aus der Verwaltung kamen. Ich habe mir dann bereits Ende 2016 Gedanken dazu gemacht. Unabhängig ob Rudi Geukes weitermacht, habe ich mit meiner Familie darüber gesprochen, dass ich gerne Bürgermeister für Isselburg werden möchte. Meine Lebensgefährtin steht da voll hinter mir und dann ist die Entscheidung Anfang 2017 gefallen.

Sie sind parteilos. Haben Sie im Zuge der Überlegungen daran gedacht, sich einer Partei anzuschließen?

Nein, das war von vorneherein klar, dass ich parteilos bleiben werde. Die SPD hatte, nachdem für mich persönlich die Entscheidung feststand, angefragt, ob ich als Bürgermeister-Kandidat der SPD antreten wolle. Das ehrt mich sehr, dass ich da gefragt worden bin und vor allem, dass die SPD hinterher die Planung geändert hat und mich als parteilosen Kandidaten unterstützt.

Was bedeutet eigentlich unterstützt?

Wichtig ist mir, dass ich von der SPD keine finanziellen Mittel erhalte, sondern Unterstützung dahingehend, dass die SPD eine Wahlempfehlung ausspricht. Und bei der Verteilung von Flyern und beim Aufhängen von Wahlplakaten mir unter die Arme greift.

Wie waren die Reaktionen aus Ihrem Umfeld auf Ihre Kandidatur?

Die waren sehr positiv. Wobei ich mit niemanden – auch in meinem Bekanntenkreis – vorher darüber gesprochen habe. Nur meine Familie war involviert. Was ich dann sehr erstaunlich und auch positiv fand: Im Zeitrahmen Januar 2017 bis August 2017, als ich die Kandidatur öffentlich gemacht habe, haben mich viele Bürgerinnen und Bürger zu dem Thema angesprochen und gesagt: Dich würde ich wählen, warum tritts Du nicht an? Das hat mich dann immer wieder bekräftigt in meiner Entscheidung, dass ich da nicht falsch gelegen habe.

Bei einer Bürgermeisterwahl in Isselburg gibt es vorher keine Meinungsumfragen. Wie sehen Sie Ihre Chancen?

Ich bezeichne die Chance als gut. Denn ich glaube, dass die Bürger sehr wohl wissen, dass es auf kommunaler Ebene auf die Erfahrung ankommt und nicht wie auf Landes- oder Bundesebene parteipolitische Dinge eine Rolle spielen. Ich glaube, dass es sich einige Bürgerinnen und Bürger Isselburgs wünschen, dass es ein Fachmann wird. Von daher bin ich sehr positiv gestimmt.

Falls Sie die Wahl gewinnen, wo würden Sie sofort den Hebel ansetzen?

Das Thema Hochwasserschutz hat für mich absolute Priorität. Denn ohne Hochwasserschutz sind weitere Planungen und Entwicklungen in unserer Stadt kaum möglich. Hochwasserschutz fördert die Sicherheit der Menschen, schützt deren Hab und Gut. Für mich als Bürgermeister hat es von daher absolute Priorität, das Hochwasserschutzkonzept konsequent umzusetzen.

Sehen Sie denn überhaupt die Notwendigkeit für weitere Baugebiete in Isselburg?

Das Potenzial ist nach wie vor vorhanden. Wissen Sie, es sieht ja so aus: Der Isselburger baut in Isselburg, der Anholter in Anholt, der Heeldener in Heelden und so weiter. Das ist aber leider für die Landesregierung nicht von Bedeutung. Die Landesregierung sagt immer, ihr habt doch die Möglichkeit in Anholt zu planen, da ist es Hochwasserfrei. Ich möchte aber auch für Isselburg und Werth Wohnraumflächen schaffen. Isselburg, Anholt und Werth sind laut Regionalplan die Siedlungsschwerpunkte. Vehlingen, Herzebocholt und Heelden sind auch entwickelbar, aber eben nur für den örtlichen Bedarf.

Schnelles Internet ist heutzutage ein entscheidender Faktor.

Das ist ein sehr, sehr dringendes Thema. Ich möchte mich für die Ergänzung der bereits sehr guten Breitbandversorgung in der Stadt Isselburg durch die Schließung der Versorgungslücken in den Außenbereichen einsetzen. Eine flächendeckende Breitbandversorgung macht Isselburg zusätzlich zu einem interessanten Wirtschaftsstandort für Arbeitgeber.

Inwieweit ist das möglich?

Beim Außenbereich bin ich derzeit in der Bieterauswertung, so dass wir voraussichtlich Januar, Februar 2018 schon die Förderanträge stellen können, damit es dort weiter zügig vorangeht. So hat dann jeder Isselburger die Chance, das zukunftsweisende Glasfaserkabel bis an die Haustür zu bekommen.

Welche Entwicklung ist im Gewerbegebiet Heelden möglich?

Wir haben laut Regionalplan eine Zuweisung von Gewerbe- und Industrieflächen. Diese Gesamtfläche ist bereits im Bauleitplanverfahren. Das heißt, wir hatten dort noch eine Restfläche von circa 14 Hektar. Das Planverfahren ist schon gestartet. Derzeit erfolgt die Beteiligung der Behörden und die Erstellung von Fachgutachten. Das dauert halt immer seine Zeit. Ich bin natürlich nicht der Bürgermeister-Kandidat, der sagen kann, ich setzte mich dafür ein.

Wieso?

Ich bin deshalb nicht der Bürgermeister-Kandidat, der sagen kann, ich setzte mich dafür ein, weil ich weiß, dass es schon läuft.

Vor allem CDU und FDP bringen immer wieder das Thema Klärwerk-Sanierung mit den erheblich gestiegenen Kosten aufs Tableau. Ihre Meinung?

Da darf ich öffentlich nicht drüber reden, um der Stadt Isselburg im Rahmen eines Prüfverfahrens keinen Schaden zuzufügen.

Ich frage dann noch mal anders: Würde man, wenn das Projekt jetzt in den Startlöchern stände, nochmal alles so machen wie damals?

Nein. Wobei ich nicht verantwortlich bin für das Projekt. Als ich als Bauamtsleiter angetreten bin, war das Projekt bereits abgeschlossen.

Schule und Bildung sind Themen, die vielen Bürgern unter den Nägeln brennen.

Ich setzte mich für die Steigerung der Attraktivität und die Ausstattung der Schulen ein. Wir müssen einen ständigen Dialog mit den Schulen haben, um die Qualität zu optimieren.

Bald hat Isselburg keine weiterführende Schule mehr. Sehen sie eine Möglichkeit, dass sich daran noch mal etwas ändert?

Schwierig. Die Genehmigung für eine weiterführende Schule obliegt der Bezirksregierung Münster. Wenn es die Möglichkeit gäbe, sehe ich es schon so, dass die Bezirksregierung dann auch unterstützend tätig werden würde.

Sehen Sie als Insider Optimierungsmöglichkeiten bei der Verwaltung?

Ich setze mich dafür ein, dass der digitale Weg weiter fortgeschritten wird, den wir bis jetzt eingeschlagen haben. Ich befürworte die Digitalisierung in der Verwaltung ausdrücklich. Einmal für den Bürgerservice, aber auch aus Gründen der Arbeitseffizienz der Mitarbeiter.

Haben Sie konkrete Pläne, wo sie zudem noch etwas verändern wollen?

Wichtig ist mir das Erscheinungsbild der Stadt. Ich plane da, zunächst den Bürger stärker einzubeziehen. Ich möchte eine Arbeitsgruppe Stadtkümmerer gründen. Warum sollte man das Potenzial, das in den Bürgern vorhanden ist, nicht nutzen? Es gibt so viele Menschen, die in Isselburg unterwegs sind, die sich melden können, wenn ihnen was auffällt – da ist eine Verunreinigung, da ist Müll. Einfach ein offenes Auge auf unsere Stadt werfen.

Mal angenommen, Sie werden Bürgermeister. Wie stellen Sie sich die Arbeit in den politischen Gremien vor?

Ich werde stets in schwierigen Fragen mit allen Ratsvertretern fraktionsübergreifend nach Lösungen suchen und Lösungen finden. Das ist meine ehrliche Botschaft.

Mal angenommen, es klappt nicht und ein anderer gewinnt die Wahl...

Dann bin ich nach wie vor der Bauamtsleiter.

>> PERSÖNLICHES

Michael Carbanje wurde im St.Elisabeth-Krankenhaus geboren. Carbanje ist in Isselburg aufgewachsen und lebt seither dort mit seiner Partnerin und den beiden Kindern.

Seit August 1990 arbeitet er als Verwaltungsfachangestellter bei der Stadt Isselburg. Seit 23 Jahren ist er im Bauamt der Stadt Isselburg beschäftigt. Am 1. Januar 2015 hat er die Leitung des Bauamtes übernommen.

Der 45-Jährige gehört den Isselburger Schützen an und ist leidenschaftlicher Camper.

>> DIE ANDEREN BEWERBER:

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