Mixed Martial Arts

Beim Kampfsport im Jugendcafé am Brink geht es um Respekt

Den Arm beim Warmlaufen im Kreis schwingen: Bas Hulshof (2.v.r.) fordert ein ordentliches Programm beim Mixed-Martial-Arts-Training im Jugendcafé am Brink in Emmerich.

Foto: Thorsten Lindekamp

Den Arm beim Warmlaufen im Kreis schwingen: Bas Hulshof (2.v.r.) fordert ein ordentliches Programm beim Mixed-Martial-Arts-Training im Jugendcafé am Brink in Emmerich. Foto: Thorsten Lindekamp

Emmerich.   Mixed Martial Arts kennen viele aus brutalen Käfigkämpfen. Beim Kurs des Jugendcafés am Brink können Jugendliche im gesunden Rahmen trainieren.

Bei Mixed Martial Arts (MMA) denken Kampfsport-Interessierte schnell an brutale Käfigkämpfe, bei denen die Kontrahenten bis aufs Blut zuschlagen. Wer dann beim städtischen Jugendcafé am Brink den „gemischten“ Kampfsportkurs MMA entdeckt, wundert sich: Bekommen jetzt die Kids aus Emmerich hier offiziell einen Prügelrahmen?

Natürlich nicht. Der NRZ-Redakteur hat ein Training mitgemacht. Es schlaucht. Und es macht Spaß. Kursleiter Bas Hulshof verlangt von den Teenies ab 14 Jahren im noch im Aufbau befindlichen Kurs ein ordentliches Ganzkörpertraining. Schweißtreibend.

Der niederländische Trainer ist ein lockerer Typ, der zwar manchmal nach der richtigen deutschen Vokabel sucht, aber die Sprache der Jugendlichen spricht. Vanessa (15), Isi (14), Senna (13) und Aleks (19) sind heute dabei. „Es gibt fünf Arten von Ehrlichkeit“, sagt Hulshof, bevor es ans Eingemachte geht: „Seid ehrlich zu euch selbst über euch selbst. Seid ehrlich zu anderen über euch selbst. Seid ehrlich über andere zu euch selbst. Seid ehrlich zu anderen über andere. Also – seid immer ehrlich!“

Nicht provozieren lassen

„Es geht darum, den Jugendlichen Respekt zu lehren. Sie sollen nicht auf der Straße drauf hauen, sondern hier kontrolliert Kampfsport betreiben“, erklärt Hulshof am Rande: „Es geht auch darum, sich nicht provozieren zu lassen. Wer MMA macht, muss damit rechnen, dass er immer wieder herausgefordert wird. Deshalb sollte man damit nicht hausieren gehen.“

Nun wird geboxt und getreten. Einer hält ein Polsterkissen, ein anderer schlägt zu. Hulshof korrigiert die Technik. Beim Schlag soll man seinen ganzen Körper eindrehen. Aleks, dem der Trainer schon jetzt Talent attestiert, macht’s gekonnt vor. Isi hat viel Kraft, kann die Wirkung aber bei einer Schlag-Kniestoß-Kombination nicht entfalten, weil er zu nah am Ziel steht: „Du musst härter schlagen, dadurch weicht der Gegner zurück und der Abstand für den Kniestoß passt wieder.“ Isi saugt es auf und zeigt prompt seine Power.

Schnellere Erfolge beim Bodenkampf

Wer Fitness-Defizite hat, für den könnte der Bodenkampf besonders interessant sein: „Hier erzielen sie schneller Erfolgserlebnisse“, so Hulshof. Der Redakteur geht mit Vanessa auf die Matte. Hulshof fragt die Mädchen pflichtgemäß, ob das für sie in Ordnung sei: „Ich bin da nicht empfindlich“, sagt die 15-Jährige. Am Boden liegend soll sie sich aus dem Schwitzkasten des Redakteurs befreien, indem sie mit ihrer Wade den Kopf des Aggressors nach hinten drückt. Es gelingt ihr.

Der MMA-Kurs darf sportlich als gute Basis für weitere Kampfsport-Aktivitäten gesehen werden. Auch ein Kapitel aus der Fallschule steht heute auf dem Plan. Im Takt knallen alle Teilnehmer kontrolliert auf die Matten.

Die Wucht lässt nach

Nun folgt der freie Kampf mit wechselnden Partnern. Blaue Augen muss keiner fürchten. Die Wucht lässt mit zunehmendem Training nach. Auch wundert man sich, wie derart gepufferte Boxhandschuhe einen K.O.-Schlag überhaupt ermöglichen könnten. Bei den Tritten halten sich alle zurück, deuten diese eher an. Aleks ist schwer zu treffen, sein schlangenartiger Oberkörper dreht und wendet sich immer weg. Senna sagt nach einer Schlagserie ganz offen: „Ich brauche eine Pause.“ Gut so. Er hat das mit der Ehrlichkeit verstanden.

Noch ist die Gruppe klein, ideal wäre eine heterogene Gruppe von zwölf bis 16 Teilnehmern, in der alle Typen in physischer Hinsicht und im Maße ihres Selbstbewusstseins vertreten sind.

>>> BAS HULSDORF TRAINIERT AUCH POLIZISTEN

Der MMA-Kurs des Jugendcafés am Brink kommt montags um 16.30 Uhr zusammen. Die Teilnehmer ab 14 Jahren kommen zum Juca und gehen gemeinsam in die Turnhalle. Der Niederländer Bas Hulshof hat als Vierjähriger selbst mit Kampfsport angefangen. Er hat Erfahrungen in Kung-Fu, Judo, Karate, dann auch in Vollkontakt-Sportarten gesammelt. Und zwar lange bevor MMA so populär wurde. Er hat eine Ausbildung als Dozent für die Gefahrenbeherrschung absolviert, mit der er auch Polizisten trainieren kann oder an Schulen unterrichten darf. Seit dem Juli 2017 ist Hulshof für das Jugendcafé am Brink im Einsatz.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik