Jüdisches Leben

Blick auf eine der großen, jüdischen Familien am Niederrhein

Nachkommen der Familie Gompertz aus den USA waren im Oktober 2015 in Emmerich zu Gast.

Nachkommen der Familie Gompertz aus den USA waren im Oktober 2015 in Emmerich zu Gast.

Foto: DIANA ROOS / FUNKE Foto Services

Emmerich.  In der fünften Folge der NRZ-Serie „Jüdisches Leben“ steht die wohl älteste, jüdische Familie Emmerichs im Fokus: die Familie Gompertz.

Geschichte ist sein Ding. Wolfgang Urbach, ehemaliger stellvertretender Leiter des Willibrord-Gymnasiums, hat die nämlich neben Deutsch und Sozialwissenschaften unterrichtet. Und hat sich deshalb gerne als Mitglied der Arbeitsgruppe für den Jüdischen Kulturraum im PAN in die Geschichte der Familie Gompertz vertieft und ausgearbeitet.

„Es war total spannend, weil ich null Ahnung hatte“, blickt der 67-Jährige auf die Monate der Vorbereitung zurück. Er habe zwar das Schüürman-Buch über die Emmericher Juden zu Hause gehabt „und auch mal durchgeblättert“, doch die familiären Zusammenhänge aufzubröseln stellte eine große Herausforderung dar.

Unterschiedlichstes Schreibweisen des Namens

„Zumal es über die Jahrhunderte hinweg die unterschiedlichsten Schreibweisen des Namens gab, mal Gumperts, Gumpel oder eben Gompertz“, berichtet Urbach. Die ersten Ansiedlungen von Juden in Emmerich fallen in die Zeit des 14. Jahrhunderts. „Familie Gompertz ist die älteste Familie in Emmerich.

Wenn man über Juden am Niederrhein spricht, gelten Gompertz als eine der ‚großen‘ Juden“, lag für Urbach die Ausarbeitung der Gompertzschen Familiengeschichte für den Kulturraum „quasi auf der Hand“.

Mitbegründer des Emmericher Turnvereins

Im 18. Jahrhundert ist der Familienzweig in die Welt zerstreut worden und taucht am Niederrhein erst wieder im 19. Jahrhundert auf. Und zwar in der Person von Gottfried Gompertz, der im Jahre 1815 in Geldern geboren wird.

Nach dessen Tod 1870 zieht seine Ehefrau Esther zu ihrer Tochter Rosalie nach Emmerich. Auch Sohn Leopold Alexander und seine Frau Emma ziehen von Geldern in die Rheinstadt. „Leopold Alexander war Mitbegründer des Emmericher Turnvereins 1883“, erzählt Urbach.

Geschäft auf der Kaßstraße geführt

Ab dem Jahre 1899 führt er ein „Herren-Garderobe-Maßgeschäft“ in der Kaßstraße, im März 1901 folgt dann noch ein „Special-Schuhwaren-Geschäft“. Sohn Richard, eines von sechs Kindern von Leopold Alexander und Emma, trat in die Fußstapfen seines Vaters, denn auch er besaß ein Schuhgeschäft in der Steinstraße 1. Das Geschäft wurde im Mai 1938 enteignet.

Richard Gompertz amtierte von 1936 bis 1938 als Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Emmerich und emigrierte Anfang 1939 mit seiner Familie nach Amerika. Dort starb er am 30.12.1981 in Ohio. Seine Enkelin, Jeanne Schottenstein, Tochter von Hedwig Rosa Gompertz, 1930 in Emmerich geboren, besuchte die Heimatstadt ihrer Vorfahren vor einigen Jahren und brach in Tränen aus, als die den von Heimatforscher Herbert Schüürman (1927–2016) von Hand geschriebenen und stolze sechs Meter langen Stammbaum ihrer Ahnen sah.

Spross machte in Kleve Karriere

„Berühmt geworden ist auch der Grabstein von Elias Gompertz auf dem alten jüdischen Friedhof Wassenbergstraße“, hebt Urbach hervor. Dieser Gompertz-Spross machte am Hofe in Kleve Karriere und baute dort 1661 ein herrschaftliches Haus, eine Synagoge und ein Lehrhaus auf der Wasserstraße.

Auf der Steinstraße, vor dem Haus mit der Nummer 1, sind im Übrigen die drei Stolpersteine der Familie Gompertz zu finden.

Der Jüdische Kulturraum in Emmerich

Der Eintritt zum Jüdischen Kulturraum ist frei. Adresse: Plakatmuseum am Niederrhein, Agnetenstraße 2 in Emmerich. Der Jüdische Kulturraum ist von Dienstag bis Sonntag zwischen 11 und 16 Uhr zu besichtigen.

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