Taubensport

Christine Sprave aus Millingen ist Brieftauben-Züchterin

Taubenzüchterin Christine Sprave ist durch ihren verstorbenen Mann zum Taubensport gekommen.

Foto: Thorsten Lindekamp

Taubenzüchterin Christine Sprave ist durch ihren verstorbenen Mann zum Taubensport gekommen. Foto: Thorsten Lindekamp

Millingen.   Christine Sprave ist eine der wenigen Frauen, die dem Taubensport frönen. Mit dem Sport ist sie durch ihren Mann in Kontakt gekommen.

Sonntags, manchmal auch samstags sitzt Christine Sprave im Garten oder drinnen hinter dem Wohnzimmerfenster. Sie wartet auf die Heimkehr ihrer Brieftauben. „Das ist ein bisschen wie Zocken“, vermutet sie und lächelt. Die Millingenerin gehört zu den wenigen Frauen im Land, die dem Taubensport nachgehen. „Das hätte ich mir früher nicht träumen lassen, dass ich mich für Tauben mal so begeistern könnte“, scheint sie noch immer ein wenig verwundert.

Über ihren Mann Gustav Sprave kam sie zum Taubensport. Der hatte 1986 – er war gerade 50 Jahre alt geworden – den Wunsch geäußert, wieder Tauben halten zu wollen. „Er kannte das aus seiner Kindheit und die Faszination war ihm offenbar geblieben“, erzählt sie. Einwände hatte Christine Sprave keine. „Ich mochte Tiere schon immer gern“, sagt sie.

Blick mit Sorge in den Himmel

Zunächst blieb sie Zuschauerin. Natürlich übernahm sie gelegentlich die Fütterung der Tiere und ihre Versorgung mit Wasser. Aber schon ziemlich rasch sprang der Funke über, und Christine Sprave beobachtete ebenso fasziniert wie ihr Mann die Heimkehr der Tauben. „Das ist einfach ein schönes Gefühl, wenn die Vögel einfliegen, und es ist immer wieder aufregend, darauf zu warten, ob die eigenen Tauben zu den schnellsten gehören“, sagt sie.

Als vor 13 Jahren ihr Mann starb, führte Christine Sprave ganz selbstverständlich den Taubensport fort. Auch, weil sie sich so weiterhin mit ihrem Mann verbunden fühlte.

Es ist ein Hobby, dass ihr viel Arbeit abverlangt. Vier Stunden widmet sie sich Tag für Tag den Tieren. Jeden Tag muss gefüttert, der Schlag gereinigt werden. Bei letzterem ist ihr das Kotband eine Hilfe, das noch ihr Mann unter die Sitzregale gebaut hat. Christine Sprave drückt zur Demonstration auf einen Knopf, das schmale schwarze Band setzt sich in Bewegung und befördert den Kot nach draußen.

Zweimal die Woche ist Badetag

Alle zwei Tage wird obendrein der Schlag gesaugt, um auch der umherfliegenden Federchen Herr zu werden. „Sauberkeit ist das A und O, damit sich keine Bakterienstämme bilden können“, weiß die ehemalige Grundschullehrerin. Daher ist auch zweimal die Woche Badetag.

Natürlich haben ihre Schüler gewusst, dass sie Tauben züchtet und auf die Reise schickt. „Wie war’s mit den Tauben?“, haben die Schüler sie nicht selten am Montagmorgen begrüßt. Sie hat sich auch schon mal dabei ertappt, dass sie sich an der Hausmeisterloge vorbei gedrückt hat, wenn es nicht so erfolgreich gelaufen war. „Damit ich nur nicht von ihm darauf angesprochen wurde“, sagt sie und lächelt.

Beim morgendlichen Reinigen des Schlags und auch abends lässt sie die Tauben frei. Jeweils eine Stunde haben die Vögel dann Zeit. Mit Sorge blickt Christine Sprave dann auch schon mal in den Himmel. Denn die Feinde, Falken, Habichte und Sperber, wissen, dass sie hier Beute machen können.

„Warum interessieren die sich mehr für meine Brieftauben und schlagen nicht Wildtauben?“, bleibt ihr ein Rätsel. Nach der Flugstunde stößt sie einen markanten Pfiff aus. Klare Ansage für die Tauben, dass es zurück in den Schlag gehen soll. Der sie Folge leisten.

60 Jungtauben, alle bei ihr zur Welt gekommen, schickt sie auf die Reise. Aus denen sucht sie die besten 40 Tiere aus, die sie im kommenden Jahr als Alttiere „spielen“ wird, wie der Fachmann, bzw. die Fachfrau sagt. „Aber glauben Sie nicht, dass die schnellen Jungtauben auch als erwachsene Tiere immer die besten sind“, hat sie die Erfahrung gemacht.

Hintere Teil darf nicht zu lang sein

Und schaut sich jeden Vogel genau an. „Das Tier muss kräftig, das Auge lebhaft sein“, nennt sie zwei Beispiele. Ganz wichtig seien auch die Flügel. „Ober- und Unterflügel müssen in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen“, sagt sie. Heißt: Der hintere Teil darf nicht zu lang sein, sonst muss das Tier zu viel Kraft aufwenden“, erklärt die 74-Jährige. „Prinzip Hebelwirkung!“

Urlaub? Dafür hat Christiane Sprave keine Zeit. „Erstens müssen die Tiere täglich versorgt werden und über 20 Wochen ist Reisezeit für die Tauben“, sagt das Mitglied von Treu zur Heimat Millingen. Die einzige Frau im Verein übrigens. Die die Geselligkeit mit anderen Züchtern schätzt. „Sie ahnen gar nicht, wie lange man sich über den Taubensport unterhalten kann“, sagt sie und schmunzelt.

Natürlich hat sie auch mal auf dem Siegertreppchen gestanden. „2014 war für mich ein gutes Jahr“, sagt sie. Da ist sie Reisevereinsmeisterin geworden. 2016 hat sie eine Goldmedaille eingeheimst beim Endflug der Alttauben. Mit dabei war auch ihr „bestes Pferd“ im Stall, eine Taube, die in fünf Jahren satte 55 Preise eingeflogen hat.

Vielleicht lag es an seinem netten Weibchen im Schlag. „Das ist wie bei Menschen“, sagt Christine Sprave. „Zu einer netten Frau kommt man doch auch gerne zurück, oder?“

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