Kultur

Comedy-Klappstuhltheater begeisterte vor Burg Empel

Das Publikum genoss das Klappstuhltheater an der Burgruine Empel.

Das Publikum genoss das Klappstuhltheater an der Burgruine Empel.

Foto: Jens WachterStorm

Empel.   Comedian Barbara Ruscher verstand es, das Publikum in Ekstase zu versetzen. Eine witzige Phase vor wunderbarer Kulisse

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Es war ein Traumwetter vor Traumkulisse beim Comedyabend vor der Burgruine Empel. Und es war ein Wetter, um mit der Fiets zur Schlossallee zu fahren. Doch wer packt schon gerne den Klappstuhl auf den Gepäckträger? So staute sich der Verkehr rund um die Burgstraße. Verkehr gab’s auch auf den Schienen! Dass dieser an diesem idyllischen Ort alles übertönt, hätte jede andere Kabarettistin aus dem Konzept gebracht, nicht aber Stand-up-Comedian Barbara Ruscher, die gleich auf den Zug aufsprang

Schon der Titel ihres Programms „Ekstase ist nur eine Phase“ verrät, dass hier zartbesaitete Damen im Publikum fehl am Platz sind. Aber genauso Ökofamilien, Ernährungsfanatiker, harte Männer, Waldorfschullehrer, Fußball-Funktionäre und modern Gebärende. Sie alle bekamen ihr Fett weg, witzig, frech, sprachlich und semantisch ausgefeilt, mal im Schüttelreim, gedichtet, gesungen, am Klavier begleitet.

Jemand, der wie Barbara Ruscher mit der Zeitschrift Bravo groß geworden und im Zeitalter von „Fifty Shades of Grey“ angekommen ist, ist geradezu prädestiniert dazu, den Sado-Maso-Wahn auf die Schippe zu nehmen. Wie die Wiederbelebung des Baumarktes Praktika als Sexual-Praktika. Mit einer großen Auswahl an Kabelbindern. Hier findet Mann nämlich alles, was ihn oder sie fesselt. Sie weiß sogar von einem Kunden, der flüsternd den Baumarkt-Mitarbeiter befragt: „Gibt es auch Kabelbinder in Plüsch?“

Barbara Ruscher sieht die Welt nicht moralinsauer, wenn sie auch in Köln-Sülz von Helikoptereltern umgeben ist und jetzt in Empel bestätigt bekam, dass Landflucht viel mit Landduft zu tun hat. „Hat Schloss Empel einen Feind?“, fragte sie ins Publikum, als der Geruch von ausgebrachter Gülle über die Bühne zog und landwirtschaftliche Fahrzeuge die Komödiantin übertönten. Als dann noch mehrere ratternde Züge die Bühne zum Beben brachten, erinnerte sich Ruscher tatsächlich an den „Schienenjungen Pofalla“. Zurück zu den Nachbarn, die ihr Heil auf dem Land suchten. Sie sind wieder zurück. Wegen Wlan. Gibt’s dort nämlich nicht!

Das Lied von der „doofen Mücke“ war selten so passend. Es gesellte sich zum Weinglas in der einen, gerne auch Spray gegen Stechmücken in der anderen Hand. Doch die Mücken konzentrierten sich, wie zirka 300 Gäste, lieber aufs Rampenlicht.

Es war ein gelungener Abend, den der Heimatverein Millingen-Empel mit vielen Helfern auf die Beine gestellt hat. Ein Lkw-Hänger von Witwe Hövelmann mutierte zur Bühne, hier stand auch das Klavier. Für die Ton- und Lichttechnik zeichnete Richard Möllenbeck verantwortlich und die Damen vom Vorstand servierten kühle Getränke. Da ließ man es sich im Liegestuhl gut gehen. Und träumte vom Thermomix, denn auch der bekam sein Fett weg.

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