Eichenprozessionsspinner

Darum plagt der Eichenprozessionsspinner die Emmericher

Georg Holtkamp von den Kommunalbetrieben Emmerich zeigt eines der Hinweisschilder, dass an den Waldzugängen in Emmerich auf die Gefahren durch den Eichenprozessionsspinner hinweist.

Georg Holtkamp von den Kommunalbetrieben Emmerich zeigt eines der Hinweisschilder, dass an den Waldzugängen in Emmerich auf die Gefahren durch den Eichenprozessionsspinner hinweist.

Foto: Christian Creon

Emmerich.   Obwohl Emmerich 600 Bäume besprüht hat, wächst derzeit die Population des Eichenprozessionsspinners. Georg Holtkamp von den KBE kann’s erklären.

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Wer noch ein Beispiel für die tatsächliche Existenz des Klimawandels sucht: der Eichenprozessionsspinner. „Früher hatten wir alle 50 Jahre eine Population“, schildert Georg Holtkamp. „Inzwischen gehen wir seit 2004 durchgehend gegen die Population vor“, fährt der Experte für Grünflächenpflege und Bäume bei den Kommunalbetrieben Emmerich (KBE) fort.

Ganz aktuell verstärke sich das Problem in Emmerich sogar auf die Außenbereiche. Im Frühjahr wurden 600 Bäume auf öffentlichen Flächen, vor allem dort, wo viele Menschen zu erwarten sind (Friedhöfe, Schulhöfe etc.) behandelt. Die KBE macht sich Gedanken, wie die Präventivmaßnahmen im kommenden Jahr ausgeweitet werden können. Womöglich auf Randbereiche an öffentlichen Flächen.

Nesselgift entwickelt sich im dritten Larvenstadium

Die KBE arbeitet mit einer Fremdfirma zusammen. Diese gucke im April, ob es Ei-Ablagerungen des Eichenprozessionsspinners auf den Bäumen gibt. „Mit einem Biozid, einem Fraßgift, werden die Bäume besprüht“, so Holtkamp. Idealerweise mache man dies im Mausohrstadium, wenn die Knospen gerade aufgebrochen sind und tatsächlich etwas aussehen wie Mausohren. Und dies sei meist Anfang April der Fall. Die Raupen fressen das Biozid und fallen einige Tage später tot vom Baum. Drei weitere Kontrollen werden im Nachgang durchgeführt.

Die Raupen durchlaufen von April bis August sechs Larvenstadien – sie häuten sich sechsmal. Ab dem dritten Stadium bilden sich die Brennhaare aus, die bei manchen Menschen durch das Nesselgift eine Reaktion auslösen. Bei Hautkontakt können Ausschlag und Rötungen entstehen. Manche Menschen reagieren mit Atemwegserkrankungen, asthmatischen Anfällen.

Derzeit sind auch Haare der toten Raupen gefährlich

Wie berichtet gehen derzeit vermehrt Anrufe von Emmericher Bürgern bei den KBE ein. Die Befälle nehmen zu. Die Bürger sind entnervt. „Aktuell ist es schwer, die Population durch Spritzen zu bekämpfen“, sagt Holtkamp. Denn die Brennhaare sind schon entwickelt. Auch wenn die Raupe tot vom Baum falle, die Brennhaare entfalteten ihre Wirkung weiterhin.

Effektiver sei ein Absaugen ganzer, meist faustgroßer Nester: „Das ist in vier bis sechs Wochen wieder möglich, wenn sich die Raupen wieder verpuppen und sich zusammen rotten“, schildert Holtkamp.

Für den verstärkten Befall durch den Eichenprozessionsspinner in Emmerich gebe es mehrere Gründe:

  • Die Raupe wird schlauer. Sie lege inzwischen ihre Eier in verschiedenen Stadien. Also zeitverzögert.
  • Die immer häufiger vorkommenden Stürme verbreiten die Brennhärchen auf größere Flächen.
  • 2018 gab es schon eine starke Population. Durch das trockene Frühjahr in 2019 konnte sich diese gut vermehren.

Der Mensch muss lernen mit den Raupen zu leben

Georg Holtkamp gibt auch zu bedenken, dass die Bekämpfung des Spinners nicht das alles überlagernde Ziel sein kann. Das Biozid-Sprühen habe seine Grenzen, denn es steigere das Insektensterben: „Es ist eine natürliche Gefahr, keine unerwartete, die von den Raupen ausgeht. Wir müssen lernen, mit dem Eichenprozessionsspinner zu leben.“ Ähnlich wie mit einem starken Wespen-Vorkommen. „Wir haben Verständnis für die Sorgen der einzelnen Bürger, aber man kann nicht auf der einen Seite Blumenwiesen säen und dann alles kaputt spritzen“, sagt Holtkamp.

Auf Privatgrundstücken sind die Eigentümer für die Bekämpfung des Spinners erstmal selbst verantwortlich. Die KBE steht beratend zur Verfügung. Holtkamp rät, die Kinder nicht mit den Raupen spielen zu lassen: „Wenn man die Berührung vermeidet, bleiben ‘nur’ die normalen, allergischen Reaktionen, die auch längst nicht bei jedem Menschen auftreten.“ Auch Hunde oder Pferde können übrigens Reaktionen zeigen.

Am Wald stehen Hinweisschilder

Die KBE vermitteln auf Wunsch Listen von Firmen, die Nester absaugen können. Dies koste allerdings mehrere hundert Euro. Kontakt zu Georg Holtkamp:
02822/925634

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Im Wald wird nicht gegen die Raupen vorgegangen, Försterin Ingrid Dohmen möchte nicht, dass andere Insekten in Mitleidenschaft gezogen werden. Hinweisschilder an den Eingangspfaden zum Wald weisen auf mögliche Folgen hin.

Übrigens: Der Eichenprozessionsspinner kommt tatsächlich nur auf Eichen vor. Wer auf Sträuchern die Raupen vermutet, sieht wahrscheinlich eine Sorte der Gespinstmotte, von der keine Gefährdung ausgehe, so Holtkamp.

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