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Das Lotto- und Tabakwaren Kisters in Haldern schließt

Michaele Kisters gibt ihren Laden für Tabakwaren und Lotto zum Jahresende auf.

Foto: Thorsten Lindekamp

Michaele Kisters gibt ihren Laden für Tabakwaren und Lotto zum Jahresende auf. Foto: Thorsten Lindekamp

Haldern.   Michaele Kisters schließt ihr Lotto- und Tabakwarengeschäft an der Lindenstraße 1 in Haldern. Wer die Lottoannahmestelle übernimmt.

Am 30. Dezember ist Schluss. Endgültig. Dann schließt Michaele Kisters die Tür zu ihrem Lädchen an der Lindenstraße 1 in Haldern letztmalig. „Ich darf gar nicht daran denken“, sagt die 64-Jährige, die mit viel Herzblut ihren kleinen Laden für Lotto und Tabakwaren führt, in dem es auch Zeitungen, Zeitschriften, Bus- und Bahnfahrkarten, Handy- und Glückwunschkarten zu kaufen gibt.

Die Entscheidung, das Geschäft aufzugeben, hat sich die Haldernerin gut überlegt. Mit dem 1. Januar schreibt der Gesetzgeber eine elektronische Kassenführung vor. „Ich hätte dafür noch mal investieren müssen“, sagt sie. „Das rechnet sich einfach nicht mehr“, hat sie für sich – auch mit Blick auf ihr Alter – den Schlussstrich gezogen.

Mit dem Aus für den Laden geht auch ein Stück Halderner Lokalgeschichte verloren. Denn der Laden besticht durch den Charme vergangener Tage. Der Kiepenkerl, die Werbefigur der früheren Reeser Tabakfirma Oldenkott, und zwei alte Kautabakbehälter stehen hier im Regal – vor der ebenfalls in die Jahre gekommenen Theke.

So hat Michaele Kisters den Laden am 1. Oktober 1983 von Agnes Angenendt übernommen. Damals führte sie ausschließlich Tabakwaren. Ganz andere Zeiten waren das. „Zwischen 20 und 30 Kistchen Zigarren habe ich damals noch in der Woche verkauft“, sagt die Händlerin, der die Kunden irgendwann den Namen „Tante Drum“ verpassten. Damals orderte sie auch noch hin und wieder teure Kuba-Zigarren. „Die wertvollsten für 40 D-Mark“, kann sie sich noch gut erinnern.

Handy aufladen

Derzeit sind es vor allem jungen Leute, die das Haldern Pop-Festival besuchen, die sie noch manchmal herausfordern, weil sie eine bestimmte Tabaksorte nachfragen, die sie normalerweise nicht vorhält.

Apropos Festival-Besucher: „Die kommen auch gern hierher, um ihr Handy aufzuladen, während sie nebenan in der Bäckerei frühstücken“, sagt die Haldernerin. Sie weiß, dass sie die Geschäftigkeit, die dieses Wochenende mit sich bringt, vermissen wird. „Von einem 70 Jahre alten Pop-Fan habe ich mich bereits im Sommer, als die Entscheidung gefallen ist, verabschiedet“, sagt sie.

Der Senior erhielt Jahr für Jahr von seinen Kindern eine Festivalkarte geschenkt, eilte nach Ankunft in Haldern erst mal in den Laden von Michaele Kisters, um sie zu bitten, für ihn alle Zeitungen mit Besprechungen zu den Festival-Events zu sammeln und zuzuschicken. „Was ich gerne gemacht habe“, sagt sie. Den Bereich Zeitungen hatte sie übernommen, als ihre Nachbarin Mia Wüstnienhaus ihren Schreibwarenladen aufgegeben hat.

Halderner Lädchen übernimmt Lotto-Bereich

Das Hauptstandbein von Michaele Kisters ist natürlich das Lottogeschäft, das seit dem 1. Dezember 1985 dazu gekommen ist. In die Gesichter glücklicher Gewinner durfte sie auch schon schauen. „Zu D-Mark-Zeiten hat mal ein älterer Herr sechs Richtige gehabt und 160.000 Euro gewonnen, ein anderer später 100.000 Euro.“

Es gibt gute Nachrichten, was die Nachfolge anbelangt: Den Bereich Lotto wird künftig Susanne Terhorst vom Halderner Lädchen übernehmen. Aber auch den Bereich Niag-Tickets für Bus und Bahn. Ganz wichtig, findet Michaele Kisters. „Schon deshalb, weil viele ältere Halderner die Fahrkastenautomaten zu nutzen“, erklärt sie.

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