Umstellung auf G9

Das Reeser Gymnasium will das Abitur nach 13 Jahren zurück

Foto: Thorsten Lindekamp

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Rees.   Schulleiter Klaus Hegel schätzt, dass Rees für neue Bücher rund 160 000 Euro ausgeben muss. Gymnasium Aspel braucht auch wieder mehr Lehrer.

Noch ist die (offizielle) Entscheidung nicht gefallen. Doch dass das Gymnasium Aspel wie fast alle Gymnasien in NRW zurückkehrt zum Abitur mit 13 Jahren, also zum G9, ist so gut wie sicher. „Die Stimmung ist so, dass die große Mehrheit der Eltern, Lehrer und Schüler das will“, weiß Schulleiter Klaus Hegel.

Endgültig abgesegnet werden dürfte der Schritt auf der Schulkonferenz im nächsten Schuljahr 2018/19, sprich im Herbst. Die Konferenz ist mit sechs Lehrern, sechs Eltern, sowie sechs Schülern besetzt. Von den 18 Personen müssten sich schon Zweidrittel für einen Verbleib beim G8 aussprechen, plus eine weitere, erklärt der Pädagoge. „Damit nicht eine Gruppe durch die beiden anderen überstimmt werden kann.“

Abi mit 17? Viele sind einfach noch nicht reif

Dass das Gymnasium Aspel beim Abi nach zwölf Jahren Schulzeit bleibt, danach sehe es aber absolut nicht aus. „Obwohl einige Lehrer, auch Schüler, dafür sind, beim G8 zu bleiben“, sagt Klaus Hegel. Denn manche Schüler würden den Vorteil sehen, dass man eben eher das Abi in der Tasche habe.

Die Umstellung von G9 auf G8 vor gut zehn Jahren sei von seiner Schule gut umgesetzt worden, so Hegel. Das dieser Schritt Vorteile gehabt habe, sehe er aber nicht. „Viele Jugendliche sind einfach noch nicht weit genug in der Entwicklung, manche machen ihr Abi ja schon mit 17 Jahren.“

Die Qualität nimmt zu

Das würde mittlerweile ja auch von der Wirtschaft so gesehen, die sich damals für die verkürzte Gymnasial-Zeit stark gemacht hätte. Heute wisse man, dass die Vorteile des Abi nach 13 Jahren deutlich überwiegen, gerade auch aus pädagogischer Sicht.

„Die Schüler haben mehr Zeit, die Qualität, etwa in Mathe, nimmt zu, weil der Unterrichtsstoff vertiefter beigebracht werden kann, und die Schüler haben dann wieder mehr Gelegenheit, auch mal über den Tellerrand zu schauen“, blickt Hegel durchweg positiv in die neue Zeitrechnung ab dem Schuljahr 2019/20.


Hegel geht von höherem Lehrerbedarf aus

Aber zunächst, sagt er, müsse ja noch das Gesetz geändert werden, damit alle Gymnasien im Land zum G9 zurück kehren können. Wohl nur in Einzelfällen würden Schulen beim G8 bleiben.

Für die 60 Pädagogen am Gymnasium Aspel – durch die Umstellung werden drei bis vier neue Kollegen dazu kommen – bedeutet der Wechsel jedenfalls wieder deutlich mehr Arbeit. Die Lehrpläne für alle Fächer, die gerade eben ans G8 angepasst worden seien, müssten wieder überarbeitet werden.

Zweifel, ob alle Bücher zum Start vorliegen

Während der Platzbedarf am Reeser Gymnasium ausreicht, obwohl dann ja künftig ein weiterer, eben der 13. Jahrgang, dazu kommt, darf sich der Schulträger, sprich die Stadt, auf einen enormen zusätzlichen Kostenfaktor einstellen – wenn auch über eine Zeit von neun Jahren.

„Dann müssen für alle neun Jahrgangsstufen neue Schulbücher angeschafft werden“, sagt der Rektor. Und überschlägt kurz die Kosten, die die Stadt tragen wird: „Das sind rund 160 000 Euro.“ Dass die Bücher pünktlich zum Schulstart 2019/20 vorliegen, glaube er nach der Erfahrung bei der Umstellung auf G8 nicht. Klaus Hegel: „Dass wird sicher wieder bis zu zwei Jahre dauern.“

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