Gedenken an das Nazi-Regime

Der Gedächtnisgang Rees-Megchelen regte zum Austausch an

Gut besucht waren die Gedenkfeier am Melatenweg und der Gedächtnisgang nach Megchelen zur Erinnnerung an die Zwangsarbeiter, die in der  NS Zeit hier ums Leben kamen. Seit neun Jahren wird dieser Gedächtnisgang unternommen.

Gut besucht waren die Gedenkfeier am Melatenweg und der Gedächtnisgang nach Megchelen zur Erinnnerung an die Zwangsarbeiter, die in der NS Zeit hier ums Leben kamen. Seit neun Jahren wird dieser Gedächtnisgang unternommen.

Foto: Thorsten Lindekamp

Rees.   Zum neunten Mal trafen sich Reeser und Niederländer, um der Befreiung der niederländischen Zwangsarbeiter aus dem Arbeitslager zu gedenken.

Frieden und Freundschaft einen Wert zuzuschreiben, das geht nicht. Zu wertvoll für unsere Vorstellung sollten beide Qualitäten sein. Dass es aber dennoch eine Zeit gab, in der der Frieden beinahe verschwunden war und Freundschaft unvorstellbar schwer war, das zeigte der Gedächtnisgang von Rees nach Megchelen am vergangenen Sonntag mahnend auf.

Zum neunten Mal trafen sich Reeser und Niederländer aus der Grenzregion, um der Befreiung der niederländischen Zwangsarbeiter aus dem Arbeitslager am Melatenweg in Rees im März 1945 und den vorausgegangenen Schrecken zu gedenken.

Überlebende erlitten oft psychische Schäden

Dort, am Melatenweg war im Winter 1944 ein Zwangsarbeitslager eingerichtet worden, in dem insgesamt 5500 Männer der von Deutschland besetzten Länder zu schwerster körperlicher Arbeit gezwungen wurden. Unter katastrophalen Bedingungen mussten die Männer Gräben graben und Dachziegeln produzieren. Krankheit, Hunger und Misshandlungen führten für alleine 350 Niederländer zum Tod, die Überlebenden erlitten oft schwere psychische Schäden.

In Einzelfällen wurde den Arbeitern, trotz strenger Verbote, von der Zivilbevölkerung Rees’ und der umgebenden Dörfern mit Brot oder Fluchthilfe geholfen, für die meisten war der unmittelbare Schrecken aber erst nach der Befreiung durch die Alliierten vorbei. Die Zwangsarbeiter liefen zuerst nach Megchelen, wo sie erste Hilfe fanden.

Ansprache von Bürgermeister Christoph Gerwers

Das Vokalensemble Time Out unter der Leitung von Klaus Lohmann leitete die Gedächtnisfeier ein. Mit einem Text, der von Krieg geprägt, aber auch hoffnungsvoll auf die Liebe und das Leben, dass „wie ein Mandelzweig“ immer wieder erblüht, einen „Blütensieg“ erringen wird, stimmten sie auf die Veranstaltung ein und ließen die Versammelten schweigen.

Daraufhin ergriff der Reeser Bürgermeister Christoph Gerwers das Wort. Er begrüßte die „Freundinnen und Freunde aus den Niederlanden“, sowie alle Anwesenden. Diese grenzübergreifende Freundschaft verglich er mit einer kleinen Pflanze. In Anbetracht der „schrecklichen Ereignisse der Vergangenheit“ zeigte er, wie wichtig es sei, dass auch in Zukunft diese Pflanze gepflegt und geschützt bleibe.

Niederlegung der Kränze

Es sprachen außerdem die Vertreter der Reeser Kirchen Michael Eiden und Sabina Berner-Pip. In den gemeinsamen Gebeten wurde für einen „Weg des Erinnerns“ und für „einen Weg zur gegenseitigen Liebe und Respekt“ gebetet.

Nach der Niederlegung der Kränze der niederländischen und deutschen Seite und einem weiteren Liedbeitrag von Time Out, wurde der Weg nach Megchelen angetreten. Während des Gangs und beim Wiedersehen in Megchelen danach hatten die Anwesenden, ganz im Sinne des Gedächtnisgangs, viel Zeit für Gespräche, zum Anfreunden und Erinnern. So erzählte Ludger Dahmen von den Anfängen der Veranstaltung, als noch viel mehr Zeitzeugen dabei sein konnten. Da die Zeitzeugen aussterben sei es so wichtig, „die Geschichte an Jüngere weiterzugeben, die sie bewahren und aus ihr lernen können“.

An dem eigens errichteten Mahnmal in Megchelen und begleitet durch den Kirchenchor Megchelens nahm Bert Koster als Vertreter der Gemeinde Oude Ijsselstreek das Symbol der kleinen Pflanze des Friedens von Christoph Gerwers erneut auf. „Freiheit ist kostbar und muss gepflegt werden“.

Emotionale Worte eines ehemaligen Zwangsarbeiters

Außerdem trugen ein junger Schüler und eine Schülerin selbst geschriebene Gedichte vor, die von den Vorkommnissen im Zweiten Weltkrieg, wie sie im Unterricht besprochen worden waren, inspiriert waren.

Besonders emotional waren die Worte, die einer der beiden anwesenden ehemaligen Zwangsarbeiter an die Menge richtete. Er dankte allen, die gekommen waren, da sie den Willen zeigten, sich zu erinnern und sich für den Frieden aktiv einzusetzen. Er tat dies in Gedenken an seine verstorbenen Freunde und Mitgefangenen. Viele von ihnen durften von einer Welt mit Freundschaft und Frieden, wie wir sie im Moment leben dürfen, nur träumen.

>> DEN GEDÄCHTNISMARSCH GIBT ES SEIT 2009

Der Gedächtnismarsch ist eine deutsch-niederländische Kooperation. Erinnert werden soll bei dieser Veranstaltung an die Zwangsarbeiter und die Schrecken des NS-Regimes.

Seit dem Jahr 2009 ist die Bevölkerung eingeladen, den Weg von Rees nach Megchelen zu gehen, um auf dieser Strecke das Leid der Zwangsarbeiter nachzuempfinden.

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