Nachhaltigkeit

Die Gesamtschule Emmerich erhält Demokratiepreis

Die Klasse 5e setzt sich für nachhaltige Grillkohle ein. Für ihr politisches Engagement wurde sie nun ausgezeichnet.

Die Klasse 5e setzt sich für nachhaltige Grillkohle ein. Für ihr politisches Engagement wurde sie nun ausgezeichnet.

Foto: Christian Creon / FUNKE Foto Services

Emmerich/Kleve.  Fünftklässler der Gesamtschule Emmerich fordern Gesetz für nachhaltige Grillkohle. Für ihr politisches Engagement wurden sie nun ausgezeichnet.

Bei einer Marktanalyse im Jahr 2018 fand der WWF heraus, dass viele Hersteller noch immer Tropenhölzer für ihre Grillkohle verwenden – selbst wenn sie damit werben, es nicht zu tun. Das wollen die Schüler der Gesamtschule Emmerich so nicht hinnehmen. Im Unterricht hat sich die Klasse 5e mit nachhaltiger Grillkohle befasst und in Briefen an Politiker gefordert, dass die EU-Holzhandelsverordnung auch für Grillkohle gelten soll. Für dieses Engagement wurden die Fünftklässler nun mit dem Demokratiepreis des Bundesministeriums für Bildung und Forschung ausgezeichnet.

Schüler haben Konsumenten befragt

Im Rahmen eines „Global-Goal-Projektes“ hatten die Schüler sich mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigt, erklären sie in dem Brief an die Bundeskanzlerin. „Dabei ist uns klar geworden, dass wir unsere Erde vor weiteren Klima-Katastrophen schützen müssen“, heißt es darin. Das Klima könne aber nur dann geschützt werden, wenn die Regenwälder als CO2-Speicher weiterhin bestünden – so die Argumentation. Trotzdem seien aber Tropenhölzer in der normalen, im Handel verfügbaren Grillkohle enthalten.

Im ersten Schritt haben die Schüler sich an die Konsumenten – also die Kunden gewandt. Lokal, hier in Emmerich, haben sie Umfragen durchgeführt. Mit erschreckendem Ergebnis: „Dass Grillkohle häufig Tropenholz enthält, wussten nur 47 Prozent der Befragten“, erläutern die Schüler. Noch mehr hätten gar nicht gewusst, woran sie tropenholzfreie Kohle erkennen. Auch hätte viele Befragte die Tatsache schockiert.

Im Zweifel wollen Schüler vor der EU klagen

Grund genug für die Schüler, politisches Handeln zu fordern: Die EU-Holzhandelsverordnung, die unter anderem besagt, dass Hersteller belegen müssen, dass verwendetes Holz aus legalem Einschlag stammt, gilt bisher noch nicht für Grillkohle. Die Schüler fordern aber genau das, „damit ein Verkauf von Grillkohle mit Tropenholz nicht mehr möglich ist“.

Geschrieben haben die Schüler nicht nur an die Bundeskanzlerin, sondern auch an andere Politiker – im Bundestag, aber auch im Europaparlament. Letzteren drohen sie sogar mit juristischen Schritten, wie der stellvertretende Schulleiter Wolfgang Tyssen erklärt: „Das heißt, wir würden dann vor der EU klagen“. Er hatte sich bereits an seiner vorherigen Schule – dem Konrad-Adenauer-Gymnasium in Kleve-Kellen – mit dem Thema befasst und es bei seinem Wechsel im vergangenen Jahr mit über den Rhein gebracht. Hier holte er noch Alex Terhürne-Lensing, den Klassenlehrer der 5e, mit ins Boot.

Bei den Politikern kommt das Engagement gut an. So kamen sowohl vom Bundeskanzleramt als auch von der Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner freundliche Briefe zurück.

Nachhaltige Grillkohle selbst herstellen

Krönung des Projektes war dann die Auszeichnung im Rahmen des Wettbewerbs „Gesagt. Getan. 2018“. 263 Projekte hatten daran teilgenommen, die Gesamtschule ist einer von 48 Preisträgern. Für die Schüler ist hier aber noch lange nicht Schluss. Für das kommende Schuljahr wurden sie beispielsweise zu den Köhlerfreunden Krähental nach Bedburg-Hau eingeladen um zu lernen, wie Holzkohle gemacht wird. Es gibt die Überlegung, es dann im Kleinen einmal selbst zu versuchen. „Früher hat die Jungend debattiert“, fasst Tyssen zusammen. „Heute debattiert sie nicht mehr, sondern sie macht. Und das gibt Hoffnung!“

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