Mindestlohn-Erhöhung

Die Kaufkraft steigt im Kreis Kleve durch den Mindestlohn

Auf 9.19 Euro ist der Mindestlohn in Deutschland angestiegen. Die NGG verweist auf den Nutzen für den Kreis Kleve, fordert aber weitere Erhöhungen. 

Auf 9.19 Euro ist der Mindestlohn in Deutschland angestiegen. Die NGG verweist auf den Nutzen für den Kreis Kleve, fordert aber weitere Erhöhungen. 

Kreis Kleve.   Vom neuen Mindestlohn in Höhe von 9,19 Euro profitieren 5020 Menschen im Kreis Kleve, so die NGG. Die Kaufkraft wächst um 1,2 Millionen Euro.

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Der Mindestlohn steigt im Januar um 35 Cent auf 9,19 Euro. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) verweist auf eine Analyse des Hannoveraner Pestel-Instituts mit interessanten Ergebnissen für den Kreis Kleve. Demnach profitieren im Kreis Kleve 5020 Menschen von der Anhebung des Mindestlohns. Die Kaufkraft steigt im Kreis um 1,2 Millionen im Jahr.

NGG fordert weitere Erhöhung

5020 Menschen – so viele Beschäftigte arbeiten im Kreis Kleve derzeit zum gesetzlichen Lohn-Minimum, so die NGG. „Mal ins Kino oder Essen gehen. Und auch mal etwas Neues für den Haushalt anschaffen – fast jeder Euro, den Mindestlohn-Beschäftigte am Monatsende extra haben, fließt in den Konsum. Und einen Großteil davon geben sie vor Ort aus“, sagt Hans-Jürgen Hufer von der NGG-Region Nordrhein. Denn wer zum untersten Lohn arbeite, könne nichts auf die hohe Kante legen.

Für den Gewerkschafter ist der gesetzliche Mindestlohn auch nach der aktuellen Erhöhung zu niedrig: „Selbst für eine Vollzeitkraft ist es extrem schwer, mit dem Mindestlohn klarzukommen. Gerade dann, wenn auch noch Kinder im Haushalt leben. Und bei steigenden Mieten sowieso“, so Hufer. Die NGG fordert deshalb ein deutlich stärkeres Mindestlohn-Plus. Erst in einer Größenordnung von mehr als zwölf Euro pro Stunde werde die Lohnuntergrenze „langsam armutsfest“.

Hufer sieht bei den Löhnen „Luft nach oben“ und die Arbeitgeber in der Pflicht: „In Branchen wie dem Gastgewerbe und dem Bäckerhandwerk gehen trotz guter Wirtschaftslage selbst Fachkräfte oft nur mit dem gesetzlichen Minimum nach Hause.“

Finanz-Kontrolle hat zu wenig Personal

Messlatte sei aber nicht der Mindestlohn, sondern der Tariflohn. Hufer prangert die zunehmende Tarifflucht als Hauptgrund dafür an, „dass seit Jahren viel zu viele Menschen im Niedriglohnsektor gefangen sind“ und fordert die Unternehmen auf, sich zu Tarifverträgen zu bekennen: „In den Tarifverträgen der NGG sind meist deutlich höhere Löhne, auch in den unteren Lohngruppen, vereinbart. Und wer nach Tarif zahlt, der hat auch zufriedenere Mitarbeiter, die sich im Job engagieren.“

Hans-Jürgen Hufer betont, dass von der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns seit 2015 rund vier Millionen Menschen profitiert haben. Allerdings werde dieser gesetzliche Anspruch viel zu wenig kontrolliert, weil die Finanzkontrolle Schwarzarbeit nach wie vor nicht ausreichend personell ausgestattet sei.

„Es gibt zu viele Schlupflöcher“

„Es gibt viel zu viele Schlupflöcher: Arbeitszeiten werden nicht korrekt erfasst oder Überstunden nicht bezahlt, um den Mindestlohn massenhaft zu umgehen. Das ist ein Skandal“, kritisiert der Gewerkschafter. Beschäftigten sollten ihre Januar-Lohnabrechnung genau kontrollieren.

Bei seiner Einführung lag der gesetzliche Mindestlohn bei 8,50 Euro pro Stunde. Nach dem Mindestlohngesetz steigt er alle zwei Jahre. Wie hoch, hängt von der Entwicklung der Tarifverdienste ab.

>>EIN EURO MEHR MIT GROSSER WIRKUNG

Nach Berechnungen des Pestel-Instituts hätte ein höherer Mindestlohn starke Auswirkungen auf die regionale Wirtschaft: Würde der gesetzliche Mindestlohn um einen weiteren Euro auf 10,19 Euro steigen, wäre im Kreis Kleve ein Anstieg der Kaufkraft um 10,1 Millionen Euro im Jahr verbunden.

Davon würden dann rund 12.200 Menschen profitieren – nämlich neben den bisherigen Mindestlohn-Empfängern auch die Beschäftigten, die derzeit für einen Stundenlohn arbeiten, der nur knapp oberhalb des gesetzlichen Mindestlohns liegt

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