Natur am Niederrhein

Im Bergherbos: Die Zauneidechse liebt die Eltener Grenze

Im Bergherbos gibt es zahlreiche Reptilien.

Foto: Natuurmonumenten - Geurt Besselink

Im Bergherbos gibt es zahlreiche Reptilien. Foto: Natuurmonumenten - Geurt Besselink

‘s-Heerenberg.   Der Bergherbos ist einer der ältesten und schönsten Wälder am Niederrhein. Und Lebensraum für viele Tierarten zwischen Elten und ‘s-Heerenberg.

Es raschelt entlang des Weges. Man kann die Zauneidechsen zwar nicht sehen, aber hören kann man sie. Im Frühling ist die Chance, diese kleinen Eidechsen auch einmal zu Gesicht zu bekommen, etwas größer.

Sie benötigen dann die frühe Morgensonne, um sich aufzuwärmen. Erst wenn ihr Körper genügend Wärme gespeichert hat, werden sie springlebendig. Wer gut schaut, der sieht sie dann zum Beispiel in der Sonne auf einem Haufen alter Zweige. Das ist ein guter, sicherer Platz für die Eidechsen, denn wenn Gefahr droht können sie sich schnell zwischen den Zweigen verstecken.

280 Schafe und erstmals auch 20 Ziegen als Pfleger

Zusammen mit Gerrit Kolenbrander, einem ehrenamtlichen Mitarbeiter meiner Naturschutzorganisation Natuurmonumenten, wandere ich durch die Heidefelder des Bergherbos. Hier gibt es einen kleinen Lebensraum für Reptilien und wir schauen uns die Vegetation der Heide nach der Begrasung der Flächen durch eine Schafsherde an. Sie haben hier in den vergangenen Wochen ganze Arbeit geleistet.

Zum ersten Mal haben wir neben den 280 Schafen auch 20 Ziegen eingesetzt. Die Ziegen haben unsere Erwartungen erfüllt und viele junge Birkenpflanzen und kleine Sträucher wie die Brombeeren abgefressen. Dadurch erhalten die Heidepflanzen mehr Luft und Möglichkeiten zu wachsen.

Auf unserem Weg durch die Heide steigen wir auch noch kurz auf den neuen Aussichtsturm am Hulzenberg hinauf, den man von der Autobahn A3 bereits sehr gut erkennen kann. Das Wetter bietet eine klare Sicht und heute kann man ziemlich weit schauen und die Hügelrücken der Veluwe erkennen.

An guten Tagen sieht man sogar noch das Steinkohlekraftwerk in Voerde erkennen. Die Aussicht über das Blätterdach des Bergherbos ist phantastisch. Man sieht einige Bussarde kreisen und im Süden erkennt man den Kirchturm von Hoch-Elten.

Die Begrasung der Heidelandschaft durch die Ziegen ist ein grenzüberschreitendes Projekt, welches mit europäischen Geldern ermöglicht wurde. Meine Organisation Natuurmonumenten arbeitet hier zusammen mit der Gemeinde Montferland, der Stadt Emmerich am Rhein und Schloss Huis Bergh.

Freizeitwert für Touristen und Erholungssuchende

Wir wollen den Freizeitwert für Touristen und Erholungssuchende zwischen Elten, Kilder, Zeddam und ´s-Heerenberg erhöhen. Wir wollen den Bergherbos und den Eltenberg als Erlebnisort zusammenführen und die Natur, Landschaft und die Kulturhistorie als eine Einheit präsentieren und erlebbar machen.

Das gut 2200 Hektar große Wald- und Naturschutzgebiet erstreckt sich über eine eiszeitliche Endmoräne, die sich über dem Rheintal auftürmt und immerhin eine Höhe von mehr als 90 Meter erreicht. Seit jeher bildet diese Region eine geologische, historische und ökologische Einheit.

Die Autobahn A3, die Mitte des 20. Jahrhunderts errichtet wurde und dieses Gebiet teilt, bildet nicht nur die Grenze zwischen Deutschland und den Niederlanden, sondern sich auch eine Barriere für Wanderer, Fahrradfahrer und Reiter, die sich zwischen dem Elternberg und dem Bergherbos aufhalten. Für viele Tierarten, die sich zuvor frei in diesem Areal ausbreiten konnten, ist die Autobahn eine unüberwindbare Barriere.

Und den ökologischen Wert des Waldes erhöhen

Der Bergherbos hat eine lange Historie, dessen Wurzlen bis ins Mittelalter reichen. Im 19. Jahrhundert gehörte der Wald der deutschen Adelsfamilie von Hohenzollern-Sigmaringen. In der napoleonischen Zeit wurden große Teile des Waldes gefällt, so dass nun die deutsche Expertise zur Wideraufforstung des Waldes gefragt war. Vor allem Nadelhölzer wurden für die schnelle Bewirtschaftung angepflanzt.

Seitdem Natuurmonumenten die Pflege des Waldes im Jahr 1985 übernommen hat, ist es unser Ziel, den ökologischen Wert des Waldes zu erhöhen, indem wie peu à peu heimische Laubbäume anpflanzen. Der Wald wird umsäumt von Äckern, auf denen auf biologische Weise Weizen angebaut wird und somit gute Lebensräume geschaffen werden für selten gewordene Pflanzen und Tiere, wie die Kornblume oder das Rebhuhn.

Seit 2007 kümmern wir uns auch vermehrt um Reptilien. Wir versuchen die noch kleinen Populationen zu stärken und mittels eines Reptilienkorridors zu verbinden. Es gibt bislang vier Reptilienarten im Bergherbos: Zauneidechse, Blindschleiche, Schlingnatter und Waldeidechse.

Schlingnatter bekommt man nur mit Glück zu sehen

Ein wichtiger Lebensraum für die Zauneidechse ist die „Hoge heide“ am Hulzenberg im südlichen Teil der Autobahn A3. In der Vergangenheit haben wir hier vereinzelt Zauneidechsen sehen können, aber nach der Verbindung hat sich die Population stark ausgeweitet. Unsere ehrenamtliche Mitarbeiterin Ineke Schaars hat 2013 an einem Tag über 100 Zauneidechsen gezählt. Sie alle lebten auf einem sieben Kilometer langen Abschnitt des Waldes.

Die Schlingnatter bekommt man nur mit sehr viel Glück zu Gesicht. Nur an zwei Stellen wird sie regelmäßig von uns gesichtet. Ein kleines Phänomen ist das Vorkommen der Waldeidechse entlang der Autobahn. Diese Reptilienart haben wir in der Vergangenheit nur am Eltenberg entdecken können und nicht im Bergherbos. Es wäre doch wundervoll, wenn künftig auch die Reptilien vermehrt die Autobahn passieren können.

>> DAS IST DER AUTOR

Karel van der Heijden arbeitet für Natuurmonumenten und ist für den Bergherbos verantwortlich. Natuurmonumenten ist eine Vereinigung mit rund 700.000 Mitgliedern, die zum Ziel hat Natur, Landschaft und Kulturhistorie in den Niederlanden zu schützen durch Ankauf und Pflege von Naturgebieten.

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